Magdeburg l So nachhaltig ist wohl noch keines der Bühnenbilder des Magdeburger Puppentheaters gewesen, und auch die Ausmaße der Bühne für das Magdeburger Hofspektakel sind enorm. Im Innenhof haben Ausstattungsleiter Sven Nahrstedt und sein Team in den vergangenen Tagen für „Ein Spätsommernachtstraum“ eine kleine Parklandschaft angelegt. Statt bemalte oder bedruckte Leinwände für die Gestaltung der Lichtung zu nutzen, auf der sich das weltberühmte Werk „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare mit seinen komödiantischen Irrungen und Wirrungen abspielt, sollte ein echter kleiner Wald entstehen. Auf den Innenhof, der vorher mit einer flachen Kiesfläche ausgestattet war, bekommt das Publikum so einen ganz neuen Blickwinkel. Eine hochgewachsene Birke, Kirschbäume und auch ein stattlicher Nadelbaum waren bereits vorhanden.

Für die übrigen Elemente wurde in den vergangenen Wochen Erde aufgeschüttet, Wildblumen gesät und kleine Sträucher und Bäume gepflanzt. Selbst ausgediente Weihnachtsbäume, die im Topf gezogen worden waren, kaufte Nahrstedt auf und gab ihnen im Innenhof des Puppentheaters einen neuen Platz. Inzwischen „haben wir hier regen Flugverkehr“, berichtet Nahrstedt, für den die Arbeit im Freien immer etwas Besonderes ist. Denn Vogeltränke und Sonnenblumenkerne haben heimische Vögel wie etwa das Gartenrotschwänzchen gut angenommen. Und an Himbeeren und Stachelbeeren können sich später nicht nur die Vögel, sondern auch die Mitarbeiter des Puppentheaters laben.

Auszeit für den Ausstattungsleiter

Ergänzt wurde das Ganze um große Wurzeln, Baumstämme und einiges mehr, so dass ein idyllisches Fleckchen Erde entstand. Und mit dem wird Sven Nahrstedt beim Team des Puppentheaters sicher auch in Erinnerung bleiben. Um mehr Zeit für seine Familie zu haben, hat sich der Ausstattungsleiter, der seine bühnenbildnerische Handschrift in den vergangenen zwölf Jahren bei zahlreichen Inszenierungen hinterließ, zu einer Auszeit entschlossen. Der Spätsommernachtstraum wird vorerst Nahrstedts letzte Inszenierung am Puppentheater sein. Was als Nächstes kommt, hat er sich bewusst offen gehalten.

Begonnen hatte für den 47-Jährigen in Magdeburg alles am Theater der Landeshauptstadt. 2002 absolvierte er ein Praktikum am Theater, war anschließend als Assistent und freischaffend immer wieder an Inszenierungen beteiligt, bis er schließlich eine Festanstellung erhielt und am Puppentheater erst Bühnenbildner, dann Ausstattungsleiter wurde.

Viele Stunden im Puppentheater verbracht

Seine Arbeit habe er immer mit Leidenschaft gemacht und entsprechend auch viel Energie darauf verwendet. So manche Stunde verbrachte er über die eigentliche Arbeitszeit hinaus am Puppentheater, um Dinge auszuprobieren, die seine Kollegen dann umsetzen konnten. „Da gerät man manchmal in einen richtigen Wahn, da wird gemalt, gebastelt und geklebt, bis man schließlich das Ergebnis hat, das funktioniert“, erzählt er.

Beim Hofspektakel sei es ihm zumeist darum gegangen, mit der Architektur zu spielen, statt sie zu verkleiden. Und so entwarf er für „Oskar“ beispielsweise einen großen Pool. Inspirieren lässt er sich dabei immer wieder von eigenen Erlebnissen und Erfahrungen. Für „Die wilden Kerle“ ließ er sich beispielsweise von einem Ziegenmuseum in Südtirol inspirieren, in dem viele Gegenstände sehr plastisch gemalt waren. Auch Plätze in Frankreich haben ihn inspiriert. „Momente, die toll waren, fließen immer wieder mit ein“, erzählt er. Und Inspiration gebe es überall.

Mehr Zeit für die Familie

Mit einem lachenden und einem weinende Auge verlasse er das Puppentheater, sagt er. Aber die Freude darüber, mal Zeit dafür zu haben, seinen Sohn aus der Kita abzuholen oder ihn hinzubringen, überwiege eben doch.

Und ganz aus der Welt ist Nahrstedt ja auch nicht. Im nächsten Jahr werde er das Figurentheaterfestival mitgestalten. „Komisch wird nur sein, dass ich dann nicht in mein Büro kann“, sagt er lachend. Im Büro kümmerte er sich neben der Gestaltung von Bühnenbildern und anderen gestalterischen Elementen wie die Weihnachtsdeko oder die 60 Fenster zum 60-jährigen Bestehen des Puppentheaters auch um bürokratische Dinge. Dass er sich beim Figurentheaterfestival ganz auf das Gestalten konzentrieren kann, darauf freut er sich schon. Und natürlich sei er auch offen für weitere Projekte.

Premiere für das Hofspektakel ist am 19. Juni 2020 um 20.30 Uhr, sämtliche Vorstellungen sind bereits ausverkauft.