Magdeburg l Dass jeder Autobesitzer seinen Wagen verleihen kann, wenn er ihn gerade selbst nicht braucht, macht die Smartphone-App des jungen Unternehmens Getaway möglich. Wie die Software fürs Handy funktioniert, war gerade noch im Fernsehen zu sehen. Dort stellte Firmengründer Edgar Scholler sein Produkt in der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ vor. Am 21. September 2017 gab es den gebürtigen Magdeburger dann live vorm Rathaus Magdeburg zu sehen – zum Kampagnenstart „otto macht mobil“.

„23 Stunden am Tag steht ein Auto im Durchschnitt rum“, macht Edgar Scholler deutlich. Und genau in diesen 23 Stunden könnten die Besitzer ihren Privatwagen jetzt Geld verdienen lassen. Wie Getaway funktioniert: Wer Vermieter werden will, schickt ein Foto seines Fahrzeugscheins ans Unternehmen.

Autosuche in Magdeburg per App

Bei Get­away wird dann entschieden, ob die Voraussetzungen stimmen – dazu gehört zum Beispiel eine Zentralverriegelung – und schlägt dem Vermieter vor, welchen Preis pro Kilometer er verlangen könne. Dann wird ein Techniker vorbei geschickt, der innerhalb einer Stunde die nötige Technik, versteckt in einem kleinen schwarzen Kasten, einbaut. Die Kosten für den Sensor trägt das Unternehmen.

Bilder

Ist der Wagen registriert, finden interessierte Mieter, die sich zuvor mit Daten und Führerschein angemeldet haben, das Auto per App. Und sehen, wie lange der Wagen verfügbar ist und was die Fahrt pro Kilometer kostet. Mit einem Klick aufs Smartphone öffnet sich dann der Wagen. Geht es nach Edgar Scholler steht demnächst in Magdeburg kaum noch ein Auto ungenutzt herum. In Berlin funktioniert der Dienst von Getaway bereits.

Magdeburg sollen teilen

Der Firmengründer macht deutlich: 100.000 zugelassene Autos gibt es in Magdeburg, für eine Stadt mit rund 240.000 Einwohnern seien das „viel zu viele“. Dass die Magdeburger sich Autos teilen und Carsharing-Dienste nutzen, ist nicht neu. Verschiedene Leih-Stationen gibt es bereits in der Stadt.

Doch der 31-Jährige erklärt, was Getaway von diesen Diensten unterscheidet: „Wir schaffen keinen neuen Fuhrpark an, sondern greifen auf bestehende Ressourcen zurück.“ Zudem gebe es nicht die festen Orte in der Innenstadt, an denen geliehen wird, sondern private Wagenbesitzer übers gesamte Stadtgebiet verteilt, stellen ihren Wagen zur Verfügung, auch am Stadtrand und im ländlichen Bereich.

Wer zu spät kommt, zahlt Strafe

Ist der Privatwagen mit einem anderen Nutzer unterwegs, läuft die Versicherung über Getaway. Das zehnköpfige Team hat an alles gedacht: Bevor die Mieter den Wagen wieder verlassen, werden sie von der App gefragt, ob sie auch nichts im Auto vergessen haben und können die Miete nicht beenden, ohne den Schlüssel wieder im Handschuhfach zu verstauen.

Auch das wird registriert. Mit dem Smartphone wird das Auto wieder verschlossen. Wer den Wagen zu weit weg abparkt, muss Strafe zahlen, wer zu spät zurückkommt, auch.

Beitrag zur Klimapolitik

Mehr als 15.000 Anmeldungen aus ganz Deutschland gibt es bei Getaway aktuell. Darunter seien bereits jede Menge Auto­besitzer und interessierte Mieter aus Magdeburg. „Solchen innovativen Gründungen geben wir eine besondere Chance“, sagt Wirtschaftsbeigeordneter Rainer Nitsche. Bei der Stadt Magdeburg wolle man das Projekt unterstützen. Gerade, weil Carsharing dazu beitragen kann, „klimapolitische Ziele zu realisieren“, betont Umweltbeigeordneter Holger Platz.

Bei der „Höhle der Löwen“ gab es für Edgar Scholler viel Lob, jedoch keinen Deal mit den Investoren, die dort nach Gründern suchen. Das sei allerdings auch gar nicht das Ziel gewesen, sagt Edgar Scholler. Die Sendung wurde vor Monaten aufgezeichnet. Der Magdeburger hat offenbar einen Investor gefunden, die Gespräche mit einem großen Energieversorger laufen.