Japanische Popkultur

Contaku in Magdeburg: Wo mystische Wesen auf bunte Mangas treffen

Mal schrill und quietschbunt, mal düster oder geheimnisvoll – die Welt der Fabelwesen ist so vielfältig wie das Leben. Erneut trafen sich Fans der japanischen Popkultur in Magdeburg zur Messe „Contaku“. Was sie in ihrer Vielfalt vereint.

Von Anja Guse
Haben sich für die Contaku in Magdeburg als Anime verkleidet: Laura Stoye, Bianca Ludwig und Maria Siegmund.
Haben sich für die Contaku in Magdeburg als Anime verkleidet: Laura Stoye, Bianca Ludwig und Maria Siegmund. Foto: Anja Guse

Magdeburg - „Faszinierend“, findet Cornelius Kurowsky das Treiben am Amo in Magdeburg. Der 33-jährige Magdeburger kommt am Sonnabend zufällig an dem Kulturhaus vorbei. Und erblickt lauter farbenfrohe Gestalten. Bunte Cosplayer sitzen auf der Treppe, lachen vor dem Eingang oder tummeln sich im Biergarten. Es ist wieder Contaku – eine Convention für Freunde der japanischen Popkultur. Seit 2006 findet die Messe mindestens einmal im Jahr in Magdeburg statt.

Cosplayer sind kostümierte Spieler. Sie verkörpern Figuren aus japanischen Comics (Manga) und Zeichentrickfilmen (Anime), Videospielen, TV-Serien oder Filmen. Manch einer denkt sich auch eine Rolle aus, inspiriert von seinen Lieblingsserien. Cornelius Kurowsky bewundert sie für ihre Hingabe zu kunstvollen Kostümen, „auch wenn das absolut nichts für mich wäre“.

Tobias Gorn aus Halle schlüpfte für die Contaku in Magdeburg in die Rolle eines Drachen.
Tobias Gorn aus Halle schlüpfte für die Contaku in Magdeburg in die Rolle eines Drachen.
Foto: Anja Guse

Es ist genau diese Liebe zu den detailtreuen Kleidern, die die Fans miteinander verbindet. Die Messe bietet ihnen den Raum, sich zu zeigen, auszutauschen, Rat zu geben.

Tobias Gorn aus Halle zählt zu den auffälligsten Figuren. Der 26-jährige Anlagenmechaniker ist in die Rolle eines imposanten blauen Drachen geschlüpft und zum ersten Mal bei der Contaku dabei. Mit Freunden hat er in unzähligen Stunden an seiner Verwandlung gebastelt. Den Kopf samt Hörnern haben sie aus Harz gegossen und mit Plastik überzogen, die Schuppen aus Stoff genäht. Der Clou: Per Knopfdruck steigt aus seinen Nasenlöchern Rauch auf.

Fotos für Facebook, Instagram und Tiktok

Nicht dabei sind heute die Flügel des Drachen, die sich hydraulisch bewegen lassen. „Heute nicht erlaubt, weil sie zu groß sind“, heißt es. Tobias Gorn ist dennoch sichtlich stolz auf sein Kostüm. Dutzende Filme und Fotos hat er bereits bei Facebook, Instagram und Tiktok hochgeladen. Beim Kaiser-Otto-Fest Anfang Oktober 2021 will er sich mit seiner Figur wieder in Magdeburg präsentieren.

Jessy Waberer hat sich ebenfalls für eine mystische Figur entschieden. Die 25-jährige Schönebeckerin kommt hochschwanger mit kugelrundem Bauch zur Contaku. Sie erwartet ihr drittes Kind, ist bereits im achten Monat. Dennoch will sie sich das Event nicht entgehen lassen. Logisch, dass das Kostüm zur Statur passen soll. So entschied sie sich für eine Hüterin des Waldes, nennt sie Aurelia.

Über zwei Monate hat sie an ihrem Design genäht und geklebt, dabei viel über den Mix von Materialien gelernt und auch Baumärkte besucht. Stab, Hörner und Oberteil sind mit Jute beklebt und teils mit Blüten geschmückt, Nähte mit goldfarbenen Mustern verziert. Selbst an einen passenden Mundschutz hat Jessy Waberer gedacht, „damit die medizinische Maske darunter nicht so auffällt“. Seit 2015 näht sie ihre Kostüme, „und man lernt immer mehr dazu“.

Jessy und Clara Waberer auf der Contaku in Magdeburg.
Jessy und Clara Waberer auf der Contaku in Magdeburg.
Foto: Anja Guse

Schwester Clara Waberer hat sich für einen ganz anderen Charakter entschieden. Die 28-jährige Germanistik-Studentin spielt gern Computerspiele. Zur Contaku kommt sie als Cyborg – ein technisch verbesserter Mensch. Science-Fiction ist genau ihre Welt. Ihr Kostüm peppte sie mit einem nachgebildeten Roboterarm auf.

Sexy Anime-Outfit ist nicht sexuell gemeint

Eine Portion Mut beweist Maria Siegmund aus Königswusterhausen mit ihrer Kostümwahl. Die 19-Jährige verwandelte sich in die Bunny-Version der Figur Zero Two. Diese stammt aus einer Anime-Fernsehserie. Auffälligstes Merkmal: ein knapper roter Body über Netzstrumpfhose. „Einige Leute denken, das ist Fasching im erotischen Sinn. Aber es ist überhaupt nicht sexuell gemeint“, erklärt die junge Frau. Sie selbst möge einfach den Film-Charakter, finde ihn niedlich, nicht aufreizend.

Dass das Aussehen von Comicfiguren wie Mangas und Animes oft falsch interpretiert wird, weiß auch Jeanette Schlenzig. Die 34-jährige Modedesignerin aus Jena hat sich auf den japanischen Lolita-Stil spezialisiert und sagt: „Das ist kein sexy Stil, sondern im Gegenteil eine sehr bedeckte Mode. Petticoats und lange Strümpfe gehören immer dazu.“ Daneben gibt es zahlreiche bunte Stoffe, deren Muster und Motive an Kinderbekleidung erinnern. „Zwar eignen sie sich auch für Kinder, doch sie sind original japanisch. Ich dürfte nie ein europäisches Muster für Kinder für meine Lolita-Mode verwenden. Das würden mir die Fans übel nehmen.“

Einen Teil ihrer Kollektion stellte die Designerin auf der Contaku vor. Mehr als 500 Gäste waren da. Damit war die Messe in Magdeburg ausverkauft, so Anna Weinreich vom Contaku-Team.

Manga-Style auf der Contaku in Magdeburg.
Manga-Style auf der Contaku in Magdeburg.
Foto: Anja Guse