Magdeburg l Die Taxifahrer Magdeburgs haben sich mit einem verzweifelten Hilferuf an die Landesregierung Sachsen-Anhalt gewandt. Sollte nicht umgehend Hilfe geleistet werden, gebe es nach der Corona-Krise keine Taxis und keine Taxi-Zentrale mehr, sagte der Chef das Magdeburger Taxiverbandes Thomas Henschel.

Umsatz eingebrochen

Er forderte im Namen der 124 Taxis und ihrer Fahrer eine Soforthilfe von der Landesregierung. Der Umsatz sei um mindestens 70 Prozent eingebrochen. „Es drohen in vielen Fällen Betriebsschließungen und Kündigungen der Mitarbeiter.“ Er selbst habe am Donnerstag rund drei Stunden am Bahnhof gestanden, ohne eine einzige Fahrt zu haben. „Es kommen keine Züge mehr an. Die regelmäßigen Fahrten zum Arzt bleiben aus, weil die Leute aus Angst vor Ansteckung lieber auf Privatautos umsteigen. Wir halten das nicht aus“, sagte Henschel weiter.

Harter Schlag

Zubringerfahrten zu Schiffsreisen und Flughäfen gebe es nicht mehr. Krankentransporte seien auf ein Minimum zurückgegangen. Die Corona-Krise treffe das Gewerbe sehr hart. Ein vergleichbares Ausmaß habe es noch nie gegeben.

Zu den bisher angekündigten Überbrückungshilfen sagte Henschel, dass diese nicht für das Gewerbe anwendbar seien. Henschel: „Was nützt unseren Mitarbeitern das Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 bis 70 Prozent? Davon kann niemand laufende Kosten begleichen, geschweige denn leben.“

Fixkosten bleiben

Die Fixkosten eines Unternehmers blieben erhalten und würden nur nach hinten verschoben. Ein Kredit, den man in ein paar Monaten zurückzahlen müsse, helfe da überhaupt nicht, so Henschel. Umsätze seien nicht wieder einzuholen.

1500 Euro pro Taxi

Es drohe damit das gesamte Aus des Taxigewerbes. In Magdeburg habe es auch schon ohne Corona einen starken Schrumpfungsprozess gegeben. Von einst 450 Taxis in Magdeburg sei die Zahl auf 124 gesunken. Die verbliebenen Fahrer würden weiterhin rund um die Uhr an allen Wochentagen bereitstehen für die Magdeburger. Henschel: „Unsere Taxizentrale bietet älteren und hilfsbedürftigen Bürgern Einkaufsfahrten an. Nur ohne geforderte Hilfen wird dies nicht zu gewährleisten sein.“

Keine Schutzmasken

Die Taxifahrer haben in einem Forderungskatalog an die Landesregierung zusammengestellt, was ihnen in der brenzligen Situation am meisten helfen würde. Die wichtigsten Punkte: Soforthilfe von 1500 Euro pro Taxi und Monat, um die Fixkosten begleichen zu können; volle Übernahme der Monatsgehälter, Steuernachlässe statt Stundungen, Schutz vor Vollstreckungsmaßnahmen, Aussetzung der GEZ-Gebühren und die Bereitstellung von Desinfektionsmaterial und Schutzmasken.