Magdeburg l Mit dem Projekt Kulturfrachtschiff möchte der Magdeburger Unternehmer, Ingenieur und Literat Herbert Beesten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Im April hatte er seine Idee öffentlich gemacht, Spenden für Künstler zu sammeln, die jetzt gefördert werden und im Gegenzug ihre Arbeiten während der Kulturhauptstadt 2025 präsentieren. Entstehen soll dafür ein spektakulärer Pavillon in Schiffsform nach Möglichkeit am Domfelsen.

Kreative profitieren

Die Spenden haben inzwischen mehrere Tausend Euro erreicht. Vier Magdeburger Kulturschaffende konnten bereits unterstützt werden. Es handelt sich dabei auch um die Bildhauerin Cathleen Meier. Gegenüber der Volksstimme sagte sie einmal, dass sie den Werkstoff Holz liebe: „Es ist vergänglich und nicht so aufwendig herzustellen wie Bronze.“ Doch ihr Name steht auch für Steinguss- und Bronzearbeiten. Der 1,90  Meter hohe Puppenspieler in der Wernigeröder Marktstraße gehört dazu, Fassadenfiguren an einem Kaufhausportal am Erfurter Anger, die Figur des alten Rathauses auf dem Hallenser Marktplatz.

Unterstützt wird auch der „Geheimclub“. Im Gewerbegebiet an der Münchenhofstraße ansässig ist er ein Ort der Technokultur, erklärtermaßen weltoffen und dem gegenseitigen Respekt verpflichtet – und seit Monaten wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

Bilder

Musik und bildende Kunst

Gefördert wird auch der Musiker Sebastian Symanowski, der als Hausfreund Semanski bekannt ist. Er ist als Singer-Songwriter allein unterwegs, aber auch Mitglied der Gruppe Mobilfunkgerät und der Martin-Rühmann-Band.

Vierte im Bunde der bislang Geförderten ist Glas-Künstlerin Janett Zieger. In Buckau fertigt sie aus historischem Glas Unikate der besonderen Art, protzige Cocktailringe, zarte Anhänger mit eingeschlossenen Metallfiguren, pompöse Colliers ebenso wie Schiffsskulpturen mit großen Glassegeln und sturmerprobten Treibholzrümpfen.

Bootskörper mit 50 Metern Länge

Wie viele weitere Künstler unterstützt werden können? Das hängt von den weiteren Spenden ab. Um diese werben Initiator Herbert Beesten und eine Reihe von Unterstützern. Unter ihnen ist Stefan Haberkorn, der Visualisierungen entwickelt hat, mit denen man sich ein besseres Bild von dem Bauwerk für die Kultur machen kann. Bei diesem handelt es sich um einen Bootskörper auf Stelen mit einer Größe von 50 mal 18 mal 7 Metern, der auf Zeit möglichst am Domfelsen aufgestellt werden soll. Dank eines Krans können die Container mit der Kunst im Kulturhauptstadtjahr einfach an Bord geholt werden. Hier soll es auch eine Veranstaltungsfläche für 60 Personen geben.

Vor einigen Wochen hatte es am Domfelsen eine Aktion mit Flugblättern, Schautafeln und Gesprächen mit Passanten gegeben. Herbert Beesten berichtet: „Die Idee wurde von fast allen begrüßt, bei manchen aber erst, als klar wurde, dass das Kulturfrachtschiff nur temporär im Kulturhauptstadtjahr dort sein soll.“ Die Idee unter dem Motto „Was nützt uns das Kulturhauptstadtjahr 2025, wenn 2020 wegen der schwierigen Lage die Künstler untergehen“, soll sich zu einer Aktion von „unten“, also aus der Magdeburger Bevölkerung entwickeln. Herbert Beesten ist optimistisch, dass dies gelingt, wenn auch die Vision immer wieder für Magdeburg als „zu fantastisch“ belächelt wird.

Weitere Werbung für das Projekt

Mit weiteren Unterstützern soll ein 1:100-Modell des Kulturfrachtschiffes und seiner Umgebung gebaut werden. Außerdem steht eine Lösung für die Augmented Reality auf dem Programm, mit der vor Ort am Domfelsen mit Handy oder I-Pad das Kulturfrachtschiff schon virtuell eingeblendet werden kann.

Informationen zur Aktion, Unterstützern und Künstlern sowie die Möglichkeit zu spenden, gibt es auf einer eigenen Internetseite des Kulturfrachtschiffs. Auch auf Facebook gibt es einen Account