Magdeburg l Im Altenheim der Wohnen und Pflegen (WuP) im Heideweg in Magdeburg herrschte am 20. Januar 2021 Gewimmel. Pressevertreter und Fernsehteams waren gekommen, um den Start der zweiten Impfrunde in den Altenheimen der Landeshauptstadt zu dokumentieren. Die Bewohner und das Pflegepersonal der Einrichtung waren am 27. Dezember 2020 die Ersten, die die Impfung gegen das Coronavirus bekommen hatten. Nun stand die nötige zweite Spritze an, um die Immunisierung zu vervollständigen.

Von all dem Presserummel ließen sich weder die Bewohner noch das Personal oder die Mitarbeiter der mobilen Impfteams aus der Ruhe bringen. Mittlerweile routiniert wurden Anmeldung, Aufklärung und der eigentliche Impfvorgang abgespult. In mittlerweile 31 der 35 Altenpflegeeinrichtungen in der Stadt haben die mobilen Teams die Erstimpfungen vorgenommen, die restlichen Häuser folgen in den nächsten Tagen. Da ist so eine Zweitimpfung für sie keine Herausforderung mehr. „Wir sind gut eingespielt, die Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe Rettungsdienst funktioniert sehr gut“, sagt Mario Habermann-Krebs von den Johannitern. Gemeinsam mit Kollegen von Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und Maltesern bereitet der Notfallsanitäter die Impfdosen vor, die die Impfärzte dann verabreichen.

Zuerst wird in Altenheimen geimpft

Das kostbare, weil rare Impfmittel muss „angemischt“ und in Spritzen aufgezogen werden. Durften anfangs nur fünf Impfdosen aus einer Ampulle gezogen werden, sind nun sechs erlaubt. Bislang wurde ein Rest des Mittels ungenutzt weggeworfen. Nun darf eine sechste Dosis gezogen werden, was die Zahl der Impfungen erhöht. Nicht immer ist es möglich, auch die genaue Menge für eine sechste Dosis zu bekommen, aber in den meisten Fällen klappt es, sagt Simone Borris, die Leiterin des Impfstabes.

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Angesichts des knappen Impfstoffes ist jede weitere mögliche Impfung wichtig. Denn die Stadt bekommt in den nächsten Wochen nur die Hälfte der eigentlich angekündigten Mengen. Der Hersteller hat Lieferschwierigkeiten. Und dabei stehen noch rund 18.000 Magdeburger über 80 Jahre auf der Prioritätenliste für eine Impfung ganz oben. Doch zunächst sollen alle Altenheime durchgeimpft werden. Bis Mitte Februar soll das erledigt sein, so Oberbürgermeister Lutz Trümper. Wenn genügend Impfstoff geliefert wird, soll Anfang Februar parallel auch das Impfzentrum seine Arbeit aufnehmen können. „Es ist alles bereit, das Personal steht parat, wir könnten sofort loslegen – es fehlt nur Impfstoff“, so Trümper.

„Wir bleiben bei unserem Ziel, dass wir bis zum 23. Februar alle impfwilligen Bewohner und Beschäftigten unserer Pflegeheime geimpft haben wollen. Der vorhandene Impfstoff wird zunächst weiterhin für die Altenpflegeheime und die Krankenhäuser benötigt. Danach treten wir an die mobilen Pflegedienstanbieter und niedergelassenen Mediziner heran. Wir hoffen, dass wir die Über-80-Jährigen, die zuhause wohnen, dann ab 1. Februar mit Impfterminen versorgen können“, so Simone Borris.

Hohe Impfbereitschaft

Im Altenheim am Heideweg war die Impfbereitschaft sehr hoch. In der ersten Runde ließen sich von den 160 Bewohnern 120 Senioren impfen, die am Mittwoch ihre zweite Spritze bekamen. 18 Bewohner holten sich Mittwoch ihre erste Immunisierung ab. Auch beim Personal war die Bereitschaft sehr hoch, in der ersten Runde machten bereits 61 der 100 Mitarbeiter mit, 21 weitere holten sich Mittwoch ihre erste Spritze, sagt Einrichtungsleiter Ingolf Ulbrich.

Mit dem Ablauf der Impfaktion war er sehr zufrieden, alles sei professionell abgelaufen. Auch mit der Testpflicht, die die Stadt Ende November für alle Altenheime erlassen hatte, komme sein Haus gut klar. „Wir haben seither ungefähr zweieinhalbtausend Schnelltests gemacht. Getestet werden muss jeder Besucher, aber auch das Personal muss zwei Mal pro Woche einen Test machen“, so Ingolf Ulbrich. Für die Tests werde täglich eine Pflegefachkraft abgestellt. „Das ist dienstplantechnisch nicht immer leicht, aber wir können es bewerkstelligen.“

Um das Personal in den Pflegeeinrichtungen zu entlasten, sucht das Sozialdezernat Freiwillige, die die Tests durchführen. Hierzu wird das Sozialdezernat zeitnah einen offiziellen Aufruf über eine Online-Plattform starten, informierte die Stadtverwaltung am Mittwoch.