Magdeburg l Dass derzeit nur noch der Wertstoffhof Hängelsberge geöffnet ist, sorgt für lange Autoschlangen und Wartezeiten von Anliefernden und auch für Kritik. Die Stadt hatte zum 30. März 2020 zuletzt den Wertstoffhof Cracauer Anger geschlossen und die Öffnungszeiten von Hängelsberge verkürzt. Damit soll eine Personalreserve geschaffen werden, um die reguläre Müllabfuhr im Stadtgebiet in Zeiten der Corona-Krise sicherzustellen. Zudem soll eine weitere Ausbreitung des Coronavirus vermieden werden. Es darf aktuell auf den Wertstoffhof Hängelsberge nur eine bestimmte Anzahl von Anlieferern gleichzeitig.

„Leider war es kein Aprilscherz, was sich derzeit am Standort Hängelsberge abspielt. Handwerker und Privatpersonen stehen mit ihren Fahrzeugen stundenlang in einer nicht enden wollenden Fahrzeugschlange und nicht selten kommt es vor, dass sie unverrichteter Dinge wieder losfahren müssen“, kritisiert FDP-Stadträtin Carola Schumann. „Wenn man in diesen Zeiten, in denen viele Bürgerinnen und Bürger zwangsweise zu Hause sind und sich mit Gartenarbeit und kleineren Arbeiten am und im Haus ablenken, aus vier Abgabestellen nun eine macht, ist das Chaos vorprogrammiert. Die entstehenden Abfälle müssen schließlich entsorgt werden. Der Umwelt zuliebe fällt das Verbrennen aus. Auch die Osterfeuer wurden logischerweise bereits abgesagt.“

Zusatzzeiten für Handwerker gefordert

Es verwundere sie, dass die Stadtverwaltung nicht bereits im Vorfeld vorgesorgt habe, um das Chaos zu verhindern. Nun sei schnelles Handeln angesagt. Sie schlägt unter anderem vor, dass es weitgestreute Informationen für die Bürgerinnen und Bürger zur Notwendigkeit und über Möglichkeiten der Entlastung des Wertstoffhofes durch Informationsblätter und über soziale Medien geben müsse. Außerdem müsse es eine Regulierung des Verkehrsflusses und der Zufahrten inklusive der Kreuzungsbereiche zum Wertstoffhof geben.

Ebenso hält sie zusätzliche Abgabezeiten für kleine und mittelständische Unternehmen für wichtig, damit diese sich nicht in die langen Schlangen der privaten Anlieferer einreihen müssten. Zudem müsse über eine stundenweise Öffnung anderer Wertstoffhöfe nachgedacht werden, meint die FDP-Stadträtin. „Ich möchte allen Mitarbeitern, die auf dem Wertstoffhof trotz der widrigen Umstände einen super Job machen, herzlich danken. In ihrem und im Interesse der Bürgerinnen und Bürger muss schnell gehandelt werden. Gerade in dieser Zeit sollten wir uns das Leben nicht noch schwieriger machen, sondern gemeinsam nach Lösungen suchen“, so Carola Schumann.

Von der Stadtverwaltung hieß es auf Nachfrage, dass der städtische Abfallwirtschaftsbetrieb seine Prioritäten auf die Entsorgung des Rest- und Bioabfalls sowie des Altpapiers setzt. Daher sei es derzeit nicht möglich, andere Annahmestellen wieder zu öffnen. „Die Situation wird aber weiter beobachtet. Für einige Abfälle gibt es Entsorgungswege außerhalb der Wertstoffhöfe. Beispielsweise können Elektroaltgeräte und Möbel über die reguläre Sperrmüllabholung vom Abfallwirtschaftsbetrieb nach Anmeldung abgeholt werden.

Verwaltung sieht Beruhigung der Lage

Der Abfallwirtschaftsbetrieb bittet darum, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen“, erklärte Pressesprecher Michael Reif. „Da sich auf den Ansturm der ersten Tage eine Beruhigung abzeichnet, will unser Abfallwirtschaftsbetrieb die Situation – bezogen auf Handwerker – noch weiter beobachten, bevor in der kommenden Woche nach vorhergehender Überprüfung über eventuelle Veränderungen entschieden wird.“

Die privaten Haushalte werden gebeten, anfallenden Grünschnitt in der Biotonne zu entsorgen. Wenn möglich, sollen die Gartenabfälle auf dem eigenen Grundstück kompostiert oder an einem schattigen Platz zwischengelagert werden, so Michael Reif.