Magdeburg l Gebrannte Mandeln, Schmalzkuchen und Grünkohl dürfen bei einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt nicht fehlen. Doch es scheint, als müssten die Magdeburger 2020 darauf verzichten. Die politischen Zeichen stehen auf Verlängerung des Teil-Lockdowns. Selbst die abgespeckte Version des Budenzaubers könnte damit nicht oder nur in einem noch kleineren Rahmen möglich sein. Am Dienstag tagten die Verantwortlichen, am Mittwoch soll die Magdeburger Entscheidung verkündet werden.

Doch damit kann und will sich Hendrik Boos nicht zufriedengeben. Der Schausteller in fünfter Generation eines Magdeburger Familienbetriebs, durch die Corona-Krise selbst arg gebeutelt, hat eine Idee: ein „Christmas Drive In“. Ähnliche Varianten gab es im Frühjahr unter anderem in Bremerhaven.

„Ich bin vor wenigen Tagen am Petriförder entlanggefahren und dachte mir, hier wäre die perfekte Stelle dafür“, erzählt Boos gegenüber der Volksstimme. Schnell verfasste er ein Papier und reichte dieses am Montag unter anderem bei der Stadtverwaltung ein.

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Magdeburger Drive-in mit Märchengasse

Und so sieht sein Konzept aus: Am Petriförder, dort wo im Sommer die Wohnwagen stehen und Camper den Blick über die Elbe genießen, sollen in einer Reihe ein paar Buden mit typischen Weihnachtsleckereien Platz finden. Gäste fahren mit ihrem Auto bis zu ihrer Lieblingshütte vor und kaufen vom Autofenster heraus ein – ganz so wie in einem Drive-in. Danach geht es zur nächsten Bude. Am Ende der etwa 200 Meter langen Weihnachtsstraße wird gewendet. Entweder geht es dann direkt wieder zurück übers Schlein­ufer nach Hause oder die Familie macht noch einen Abstecher durch die Märchengasse.

Gegessen und getrunken wird im Auto. Niemand muss aussteigen. Stets könne so der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden, erklärt Boos. Und wer die weihnachtliche Stimmung noch ein wenig länger genießen will, könnte auch eine Rast auf dem Parkplatz einlegen und dort seine Waffeln verzehren – im Auto versteht sich.

Eine gute Idee? Verhaltene Reaktion unter anderem bei Silke Buschmann. Sie ist die Chefin der Weißen Flotte und zuständig für den Bereich am Petriförder. Und sie will sich zu diesem Konzept noch nicht äußern. Man müsse erst die Bedingungen prüfen, meinte sie am Dienstag auf Volksstimme-Nachfrage.

Alternative statt Konkurrenz

„Dazu können wir heute noch keine Aussage treffen“, heißt es auch aus dem Rathaus auf die Bitte um ein Statement zu dieser Idee und der möglichen gemeinsamen Umsetzung mit der Stadt. Zurückhaltung auch bei Paul-Gerhard Stieger, Chef der Magdeburger Weihnachtsmarkt GmbH. Er verweist freundlich auf die Pressekonferenz, die am Mittwoch 13 Uhr stattfinden soll.

Hendrik Boos betont: „Dieser Parcours soll kein Konkurrenzprodukt zum Weihnachtsmarkt sein, sondern im Falle der Verlängerung des Lockdowns bis Weihnachten eine Erlebnisalternative bieten.“ Die Schausteller sitzen schließlich alle im selben Boot. Die meisten haben durch das Verbot und die Absagen von Volksfesten seit Monaten keine Einnahmen mehr. Außerdem könne man so „einer allgemeinen Depression entgegenwirken“, heißt es in dem Konzept.