Magdeburg l Nach vier Ärzten am Klinikum Magdeburg hat es nun auch die Berufsfeuerwehr der Landeshauptstadt erwischt. Ein Feuerwehrmann ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. 16 Kollegen sind mit Stand 25. März 2020 in Quarantäne. Die Magdeburger Wehr ist nicht mehr uneingeschränkt einsatzfähig.

Trümper hat schlaflose Nacht

„Ich habe die Eilentscheidung heute getroffen. Es ging nach dem Infektionsfall gar nicht mehr anders“, sagt Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) am 25. März 2020 auf Nachfrage der Volksstimme. Die Berufsfeuerwehr Magdeburg darf die Zahl der stets verfügbaren Retter im Wachdienst zeitweise von 54 auf 39 abschmelzen. Trümper verantwortet einen Beschluss, vor dem er sich einen Tag zuvor noch Bedenkzeit ausgebeten hatte. Der eigentlich zur Gesunderhaltung der Kollegenmehrheit durch Entzerrung der Einsatzzeiten und stärkere räumliche Trennung gedachte Corona-Notfallplan, über den die Volksstimme bereits gestern berichtet hatte, ist damit ad hoc in Kraft gesetzt.

Trümper räumte am Telefon ein, dass ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen sei. „Da hat man schon eine schlaflose Nacht vorher“, so das Stadtoberhaupt. Allerdings habe er sich versichert, dass die Feuerwehr in Magdeburg weiter prinzipiell wehrhaft und einsatzfähig bleibt. „Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich die Entscheidung verantworten“, so Trümper. Man werde in Magdeburg kein Haus abbrennen und keinen Menschen ertrinken lassen, „aber es kann sein, dass die Feuerwehr in dieser Zeit nicht in 12, sondern erst in 15 Minuten vor Ort ist“. Eine Gratwanderung.

Quarantäne hat Grenzen

Vorerst, so Trümper, sei der abgeschmolzene Einsatzplan bis 19. April 2020 befristet. Ob er sich überhaupt bis zu dem Datum bewährt, hängt vom Gesundheitszustand des Restes der Kollegenschaft ab. „Ist ein weiterer Kollege betroffen und müssten noch mehr in Quarantäne, können wir das nicht aufrechterhalten“, so Trümper. Heißt: Wie beim medizinischen Personal in Kliniken, würden Kontaktpersonen von Infizierten bei der Feuerwehr nicht mehr automatisch in die häusliche Isolation geschickt, sondern müssten – soweit symptomfrei oder -arm – weiter, aber unter verschärften Hygienevorschriften ihren Dienst verrichten. Gleiches gelte etwa für Menschen in Diensten der Energieversorgung.

Neben verzögerten Einsatzfristen im Fall von parallel nötigen Löscheinsätzen, sind mit dem Notfallplan auch die Höhenrettung, Taucheinsätze, die Wasserrettung und die Bereitstellung von Sondertechnik zum Beispiel im Katastrophenfall nur eingeschränkt durch die Feuerwehr Magdeburg abgesichert.