Magdeburgl Aktuell gibt es keinen Corona-Patienten im städtischen Klinikum Olvenstedt. Verdachtsfälle gibt es immer mal wieder. Am Freitagvormittag waren es drei, die im Klinikum betreut wurden, am Nachmittag kam für zwei der Verdachtsfälle Entwarnung. Ihre Tests fielen negativ aus, das dritte Ergebnis stand aus.

Und doch rüstet sich das Klinikum für eine mögliche Welle von Corona-Patienten. Eine Station an der Notaufnahme wurde zur Isolierstation für Corona-Patienten umgebaut. Derzeit könnten dort 18 Patienten behandelt werden. Sollte es nötig werden, wird aufgerüstet, eine weitere Station mit dann 35 zusätzlichen Behandlungsplätzen geschaffen, sagt Klinikums-Geschäftsführer Knut Förster.

Beatmungsgeräte sind bestellt

Er und der Ärztliche Direktor, PD Dr. med. habil. Fred Draijer, lassen keinen Zweifel aufkommen, dass sie alles Notwendige in die Wege leiten, um gewappnet zu sein. Schon jetzt sind alle nicht zwingend erforderlichen Operationen verschoben worden, die OP-Saal-Kapazitäten liegen aktuell bei knapp über 50 Prozent. Jeden Tag wird geprüft, welche Operationen stattfinden müssen, so Fred Draijer.

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Die gewonnene Zeit wird genutzt, um das medizinische Personal im Umgang mit den Beatmungsgeräten, kreislaufwirksamen Medikamenten und einigem mehr zu schulen. Dafür sind feste Teams gebildet worden, die im Fall der Fälle dann zum Einsatz kommen, erklärt Prof. Dr. med. Martin Sauer, Chefarzt der Klinik für Intensivmedizin, der diese Schulungen leitet.

30 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten hält das Klinikum aktuell vor. Doch auch hier wird aufgestockt. In der kommenden Woche werden fünf weitere Beatmungsplätze geschaffen. Sollte es notwendig werden, kann das Klinikum innerhalb von nicht einmal einem Tag eine Hälfte der OP-Säle als Intensivstation herrichten und hätte somit zwölf weitere Beatmungsplätze für schwere Coronafälle. Zusätzlich sind 24 Beatmungsgeräte bestellt, so Geschäftsführer Knut Förster. Jeder Behandlungsplatz wird wie eine eigene Einheit hergerichtet - mit allen Verbrauchsmitteln und Geräten, die notwendig sind.

Schleusen werden eingebaut

An den Zugängen zur Intensivstation werden derzeit Schleusen gebaut. Durch diese werden alle (Verdachts-)Fälle eingeliefert. Was die Ausstattung des Klinikums mit Schutzausrüstungen anbelangt, so sei man derzeit gewappnet, aktiviere aber auch alle Kontakte, um sich auf Nachschubprobleme einzustellen, so Knut Förster. Die klinikeigene Apotheke stellt zudem mittlerweile selbst Desinfektionsmittel her.

Als eine weitere Maßnahme hat das Klinikum entschieden, sämtliche Mitarbeiter auf das Coronavirus zu testen. Auch die derzeit im Klinikum stationär aufgenommenen Patienten werden getestet. Bislang wurden nur Mitarbeiter getestet, die Kontakt zu Corona-Patienten beziehungsweise Verdachtsfällen hatten. Etwa 100 Tests pro Tag wurden durchgeführt.

Ende März waren im Klinikum bei drei Ärzten und einem Mitarbeiter aus dem nichtmedizinischen Bereich Corona-Infektionen nachgewiesen worden. Allen gehe es gut, zwei Ärzte könnten dieser Tage ihren Dienst wieder antreten, hieß es. Bei den anderen sei die Quarantänezeit noch nicht abgelaufen.

Notaufnahme ist plötzlich leer

„Jetzt geht es darum, nichterkannte, symptomfreie Infizierte auszumachen. Das ist eine Maßnahme, um die Arbeitsfähigkeit des Klinikpersonals aufrechtzuerhalten“, sagt Knut Förster. In Deutschland gab es jüngst Fälle, dass Kliniken schließen mussten, weil dort gehäuft Corona-Fälle aufgetreten waren. Zuletzt war dies in München der Fall. Das will die Klinikleitung in Olvenstedt auf jeden Fall verhindern. Bis Mitte kommender Woche sollen die Tests abgeschlossen sein. Innerhalb von 24 Stunden liegen die Ergebnisse vor. Ein zweiter Test soll eine Woche später durchgeführt werden.

Ungeachtet aller Vorbereitungen auf eine steigende Zahl an Corona-Patienten ist das Klinikum Olvenstedt weiter auch für „Nicht-Corona-Patienten“ da. „Wir stehen weiter für schwere Fälle zur Verfügung und sind voll einsatzfähig“, sagt der Ärztliche Direktor Fred Draijer. Das sagt er, weil er und Geschäftsführer Knut Förster erleben, dass Patienten offenbar den Weg ins Krankenhaus scheuen. „Das Problem der überlaufenen Notfallambulanz ist mittlerweile ins Gegenteil umgeschlagen. Patienten trauen sich nicht mehr ins Krankenhaus“, so Fred Draijer. „Das städtische Klinikum ist weiterhin da, auch Nicht-Corona-Patienten zu behandeln“, versichert Knut Förster.