Magdeburg l Nicht alle Hausarztpraxen testen Verdachtsfälle auf das neue Coronavirus. Der Leiter des Magdeburger Gesundheitsamtes Dr. Eike Hennig sagte am Donnerstagabend: "Wir bitten die Hausarztpraxen, die sich von der Sicherheitsausrüstung aus imstande fühlen, die Tests zu machen, dies auch zu tun."

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt Medizinern, die diagnostischen Maßnahmen, im Fall des Coronavirus ein Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum, nur mit einer Sicherheitsausrüstung durchzuführen. Dazu gehören spezielle Kittel und Handschuhe sowie eine gläserne Schutzbrille und eine Atemschutzmaske des Modells ffp3. Dieses Maskenmodell ist für Partikel in bestimmter Größe undurchlässig, hat demzufolge einen besonderen Schutzfaktor. 

Schutzbekleidung für Ärzte Pflicht

Aus berufsrechtlichen Gründen dürfen und können Hausärzte ohne Sicherheitsausrüstung Patienten mit dem Verdacht einer Coronavirusinfektion nicht testen und behandeln. Dies habe aber auch den Hintergrund, die Ausbreitung nicht zusätzlich zu verstärken. "Die Ärzte können sich ja auch infizieren, wenn sie sich nicht schützen", so Hennig. Momentan gebe es leider noch keine Liste mit Ärzten, die entsprechend ausgerüstet sind, sagte Amtsarzt Hennig. Es gibt aber auch noch keinen Verdachtsfall in Magdeburg, ergänzt er. Wenn es tatsächlich zur Feststellung einer Infektion komme, werde man dahingehend aktiv werden.

Sollte jemand aus einem der betroffenen Gebiete, Norditalien oder China, kommen und Grippesymptome haben, rät der Gesundheitsamtsleiter dazu, nicht sofort zum Arzt zu gehen, sondern zuerst dort anzurufen und nachzufragen, ob die Praxis entsprechend ausgerüstet ist. Sollte das nicht der Fall sein, sind Hotlines beim Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) und bei der Uniklinik Magdeburg geschaltet. Dort wird Auskunft erteilt, wo eine Diagnose gestellt und der Test durchgeführt werden sowie letztlich eine Behandlung erfolgen kann.

Auch ein Anruf beim Gesundheitsamt ist möglich, dort wird dann eine Arztpraxis, welche den Abstrich vornehmen kann, vermittelt. Gesundheitsamtsleiter Hennig: "Auf keinen Fall sollten Bürger oder Urlauber, die Symptome aufweisen und aus einem der betroffenen Gebiete kommen oder engen Kontakt zu jemanden hatten, der aus den Gebieten kommt, einfach zum Arzt oder in die Notaufnahme gehen." Es ist für die Eindämmung der Erkrankung wichtig, dass die Ärzte und Institutionen zuvor telefonisch informiert werden, um entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

Krisenstab innerhalb weniger Stunden

"Eine Person, die als Verdachtsfall gilt, sollte nicht in einem voll besetzten Wartezimmer sitzen und darauf warten, aufgrufen zu werden", sagte Hennig. Für diese Situation habe man in der Uniklinik bereits entsprechende Räume und Bereiche vorbereitet, wo die Patienten in Empfang genommen und versorgt werden können. Die Kosten der Behandlung sowie des Tests auf das Coronavirus werden von der Krankenkasse bezahlt. 

Der Amtsarzt gab auch zu bedenken, dass nicht jeder, der aus einer betroffenen Region zurück nach Magdeburg kommt, getestet werden kann. "Das können wir nicht leisten." Deshalb sei es wichtig abzuwarten, ob die für die Grippe typischen Symptome auftreten. Auch wenn eine Ansteckung bereits erfolgen kann, solange die Krankheit bei einer infizierten Person noch nicht ausgebrochen ist.

Am 5. März 2020 gibt es ein planmäßiges Treffen von Vertretern des Gesundheitsamtes, des Bereitschaftsdienstes und der kassenärtztlichen Vereinigung. Sollte sich die Situation bis dahin dramatischer entwickeln, kann aber innerhalb von wenigen Stunden ein Krisenstab in Magdeburg zusammengerufen werden, versicherte Gesundheitsamtsleiter Hennig. 

In Berlin hatte Anfang der Woche ein Mann, der aus Italien zurückgekehrt war, gegenüber dem Rundfunk Berlin Brandenburg geschildert, dass sein Hausarzt eine Untersuchung auf das Coronavirus abgelehnt hatte. Anschließend war der Mann zur Charité gegangen und habe gesagt bekommen, er müsse privat für den Test 300 Euro bezahlen.

Das Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) erreichen Sie montags bis donnerstags von 9 bis 11 Uhr und von 13 bis 15 Uhr, sowie freitags von 9 bis 11 Uhr unter 0391 2564 222.
Die Hotline des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene erreichen Sie von Montag bis Freitag 8 bis 16 Uhr unter 0391 6717 799.
Das Gesundheitsamt der Stadt Magdeburg ist werktags (außer Mittwoch) von 9 bis 12 Uhr und dienstags zusätzlich von 14 bis 17.30 Uhr telefonisch unter 0391 540 6001 erreichbar.