Magdeburg l Die Unsicherheit, wie es mit geplanten Events ab September 2020 weitergehen kann, ist nach wie vor groß in der Veranstaltungsbranche. Nicht zuletzt die Landesregierung selbst hat für zusätzliche Verunsicherung gesorgt, als sie in der vergangenen Woche das diesjährige Landeserntedankfest absagte. Es sei nicht abzusehen, wie sich die Corona-Pandemie bis dahin entwickeln werde und ob Großveranstaltungen dann durchführbar seien. Ein weiteres Abwarten oder die Planung hätte zu erheblichen Kosten geführt. Deshalb habe sich das Kabinett zu diesem Schritt entschlossen, hieß es.

Für die Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg (MVGM) als Betreiberin des Elbauenparks ist die Absage des Landeserntedankfestes ein schwerer Schlag ins Kontor. Das vom Land Sachsen-Anhalt ausgerichtete Fest zieht jährlich mehr als 40.000 Besucher an und ist die größte Veranstaltung im MVGM-Kalender. MVGM-Geschäftsführer Steffen Schüller ist entsprechend konsterniert. „Wir bedauern die Absage sehr“, sagte Schüller. Die Absage bedeute nicht nur für die MVGM ausfallende Einnahmen, sondern auch fehlende Erlöse für die zahlreichen Aussteller, die das Fest jährlich bestücken.

Veranstalter brauchen Planungssicherheit

„Für die Veranstaltungsbranche gibt es weiterhin keine Planungssicherheit“, moniert Steffen Schüller. Mit den bisher beschlossenen Regelungen, dass ab 1. Juli Veranstaltungen bis 250 Personen erlaubt sind, seien Familienfeiern oder kleinere Tagungen, aber kein kommerzielles Geschäft möglich.

Unsicherheit herrscht auch darüber, ob die für Herbst geplanten Messen und Veranstaltungen wie die Pyrogames, die Oldtimerschau OMMMA sowie die Messen Magdeboot, Perspektiven und Herbstgeflüster stattfinden können beziehungsweise welche Auflagen es dafür geben könnte. „Wir arbeiten nach wie vor an den Planungen für die Messen und gehen zunächst davon aus, dass sie stattfinden können. Wissen können wir es derzeit aber nicht. Wir versuchen uns den Optimismus zu bewahren“, so der MVGM-Chef.

Mehr als 600.000 Euro Zuschuss notwendig

Die Corona-Krise hat die städtische Gesellschaft bisher schon arg gebeutelt. Noch immer gilt für den Großteil der MVGM-Mitarbeiter Kurzarbeit, die Gesellschaft fährt wegen ausgefallener oder ins nächste Jahr verschobener Veranstaltungen ein finanzielles Minus ein. Die MVGM wird angesichts der Corona-Krise in diesem Jahr einen zusätzlichen Zuschuss von der Stadt benötigen. Der MVGM-Chef geht von voraussichtlich 600.000 Euro aus. Im schlimmsten Fall – wenn keine größeren Veranstaltungen in diesem Jahr mehr stattfinden können – könnten es bis zu 2,3 Millionen Euro sein.

Enttäuschung herrscht in der im April gebildeten „Initiative Veranstaltungswirtschaft“. Der lose Zusammenschluss aus Betreibern von Veranstaltungsstätten, Veranstaltungsagenturen, Schaustellern sowie Dienstleistern wie Cateringunternehmen, Sicherheits- und Technikfirmen fordert von der Politik rasch einen konkreten Fahrplan, wann und wie das Veranstaltungsleben im Land schrittweise wieder aufgenommen werden kann.

Landesregierung lässt auf Feedback warten

Die Initiative hat eine Checkliste entwickelt, mit der, je nach weiterer Entwicklung der Pandemie, für jede einzelne Veranstaltung die Durchführbarkeit geprüft werden könne. Kriterien wären aus Sicht der Unternehmen neben der Besucherzahl, dem Ort und der Dauer der Veranstaltung, ob Besucher regional oder überregional anreisen und ob wirksame Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus getroffen werden können.

„Bisher haben wir von der Landesregierung kein Feedback bekommen. Unsere Vorschläge haben bisher keinen Eingang in Verordnungen gefunden. Das enttäuscht uns schon“, sagt Steffen Schüller, der ebenso in der Initiative vertreten ist.

Blick auf Kabinettssitzung

Umso interessierter wird die Veranstaltungsbranche auf die Sitzung des Kabinetts am Dienstag schauen. Die Landesregierung will über künftige weitere Lockerungen reden. Wirtschaftsminister Armin Willingmann hat im Volksstimme-Interview am Montag angekündigt, das Thema Großveranstaltungen einbringen zu wollen und für ein entsprechendes Konzept plädiert. Die Veranstalter bräuchten Planungssicherheit, wie es ab dem 1. September weitergeht, sagte der Minister.

Für zusätzliche Unsicherheit sorgen derzeit steigende Zahlen von Corona-Infektionen in Magdeburg. „Die neuen Zahlen machen deutlich, dass wir mit einer ständigen Risikolage leben müssen. Es kann aber keine Option sein, dass gar keine Veranstaltungen mehr stattfinden dürfen. Veranstalter sind angehalten, im Rahmen ihrer Hygienekonzepte alles zu unternehmen, um das Risiko zu minimieren. Ich werbe dafür, dass Veranstaltungen, beispielsweise unter freiem Himmel, wo auch Abstandsregeln eingehalten werden können, stattfinden dürfen“, so Steffen Schüller.