Naturschutz

Das hilft den Igeln in Magdeburg

Von Martin Rieß

Magdeburg

Der Magdeburger Zoo ist nicht allein eines der beliebtesten Ausflugsziele für die Menschen in Magdeburg. Er ist auch ein wichtiger Ort der zoologischen Forschung und für den Erhalt bedrohter und geschützter Arten.

Doch was den Igel angeht, gibt es Grenzen. Die Ratsfraktion Gartenpartei/Tierschutzallianz hat in einem Antrag gefordert, dass im Zoo eine Auffangstation eingerichtet werden soll, in der schwache Igel über den Winter gebracht werden. In einer Stellungnahme hatte sich der Zoo bereits gegen diese Idee ausgesprochen, und gegenüber Stadträten erläuterte Zoochef Dirk Wilke jetzt noch einmal die Position.

Igel würde den Rahmen für den Zoo sprengen

Er sagte: „Wir sind mit unseren Auswilderungsprojekten an den Grenzen des Machbaren.“ Im Zoo geht es mit Blick auf die Bewahrung einheimischer Tierarten beispielsweise um den Rotmilan und den Biber. Dirk Wilke: „Und beim Artenschutz hat der Hamster in unserer Region derzeit ein sehr viel größeres Problem.“

Der Igel würde den Zoo überfordern. Das gelte nicht nur dann, wenn im Herbst das Telefon nicht mehr still stünde. Das betreffe auch die Kapazitäten. Für eine Igelauffangstation müssten Räume verfügbar gemacht werden, es müsste Pflegepersonal abgestellt und es müsste eine tiermedizinische Betreuung sichergestellt werden. „Daher sehe ich uns nicht in der Lage, eine solche Aufgabe zu meistern“, so der Zoochef weiter. Seine Einschätzung: Der Laubhaufen im Garten ist viel wichtiger, damit der Igel da überwintern kann.

Das sieht nicht allein der Leiter des Magdeburger Zoos so – das sieht auch Hartwig von Bach so. Er ist beim Naturschutzbund Sachsen-Anhalt für die Jugendarbeit zuständig und hat sich mit dem Schutz von Igeln intensiv auseinandergesetzt. Er verweist darauf, dass es sich bei Igeln um Wildtiere handelt, die sich über Jahrtausende an das Leben in Europa angepasst haben. „Wichtig ist es aber, den Igeln ein Stück natürliche Umwelt zu lassen.“

Gefahr im Garten

Das betrifft nicht allein das Winterquartier. Das betrifft auch die Bewirtschaftung im Garten. Ein Igel ernährt sich nämlich als Insektenfresser von Raupen, Käfern, Würmern und ähnlichen kleinen Tieren. „Ein entsprechendes Angebot muss er in einem Garten finden können, wenn er dort einen Lebensraum finden soll.“ Und in den vergangenen Jahren sind die Gefahren für die stacheligen Gesellen durchaus gewachsen. War die große Gefahr – neben dem Schwinden nahrungsreicher Flächen – in der Vergangenheit der Straßenverkehr, sind es inzwischen auch Mähroboter, denen Igel zum Opfer fallen. Und auch Gartenteiche, in die die Igel rutschen können, stellen eine Gefahr für die unter Schutz stehenden Tiere dar.

Was den Winter angeht, so hält Hartwig von Bach Igelauffangstationen für eine sinnvolle Lösung für jene Tiere, die wirklich zu schwach sind, den Winter zu überstehen. Menschen, die sich um solche Einrichtungen kümmern, verdienen alle Unterstützung.

Hilfe für den Winter

Doch es gibt ein großes Aber. Der Naturschützer erläutert: „Wenn es solche Angebote gibt, sind viele Menschen verleitet, Igel retten zu wollen, die allein viel besser über den Winterkommen.“

Pauschal möchte er sich dabei auch nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt festlegen, wann ein Igel in Gefahr ist oder wann er für eine Überwinterung zu leicht ist. Er sagt: „Zum einen muss man beachten, dass Igel einen sehr langen Fortpflanzungszeitraum haben. Das bedeutet, dass auch im August noch Igelnachwuchs zur Welt kommt.“

Auch kleine Igel haben eine Chance

Diese Tiere sind naturgemäß kleiner als jene, die ein paar Monate zuvor geboren worden sind. Auch die kleinen Igel hätten eine Chance, in der natürlichen Umgebung über den Winter zu kommen. „Zum anderen spielt nämlich auch die Witterung eine Rolle. Wenn das Wetter mild ist und kein Schnee liegt, können Igel auch noch im November unterwegs sein. Das hängt eben ganz davon ab, wann der Winter einsetzt und wie streng er ausfällt.“

Dem Hinweis von Zoochef Dirk Wilke, dass ein Laubhaufen das Beste für einen Igel sei, unterstützt Hartwig von Bach ausdrücklich: „Der Laubhaufen sollte nicht zu klein sein.“ Er sollte schon eine Fläche von einem Quadratmeter bedecken und einen halben Meter hoch sein. Besonders gut in dem Laubhaufen unterkriechen könnten die Tiere, wenn das Laub nicht direkt auf dem Boden liegt, sondern beispielsweise auf einer Holzpalette. Auch Reisighaufen würden von Igeln gern angenommen.

Gern nähmen die Tiere als Winterquartier auch Spalten unter Gartenlauben und Geräteschuppen an. „Am besten also nicht alle Spalten zumachen“, so die Empfehlung des Nabu-Mitarbeiters für jene, die den Igeln helfen möchten.