Grabungen

Debatte um Kirche unterm Ulrichplatz in Magdeburg

Stadtpolitiker in Magdeburg sind sich uneins über archäologische Grabungen in der City. Ihr Ziel wäre es, die Unterkirche der Ulrichskirche auf dem Ulrichplatz vorübergehend freizulegen.

Von Martin Rieß
In der Stadtpolitik von Magdeburg wird über den Antrag diskutiert, auf 200 Quadratmetern die Unterkirche der Ulrichskirche auf dem Ulrichplatz archäologisch zu untersuchen.
In der Stadtpolitik von Magdeburg wird über den Antrag diskutiert, auf 200 Quadratmetern die Unterkirche der Ulrichskirche auf dem Ulrichplatz archäologisch zu untersuchen. Foto: Martin Rieß

Magdeburg - Erste Runde für den interfraktionellen Antrag, archäologische Suchgrabungen im Bereich der früheren Ulrichskirche auf dem Ulrichplatz zu ermöglichen. Zeitgleich tagten am Donnerstag die Ausschüsse für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr sowie für kommunale Rechts- und Bürgerangelegenheiten. Und die kamen zu unterschiedlichen Voten. Während der Bauausschuss mit sieben von acht Stimmen das Vorhaben befürwortet, lehnte der Rechtsausschuss das Vorhaben bei Stimmgleichheit mit drei zu drei Stimmen denkbar knapp ab.

Worum geht es? Im Jahr 2011 hatte sich bei einem Bürgerentscheid die übergroße Mehrheit der Abstimmenden dazu entschieden, dass keine Kopie der Ulrichskirche an ihrem ursprünglichen Standort, dem heutigen Ulrichplatz, aufgebaut werden soll.

Von Herbst bis Frühjahr

Den Förderverein gibt es aber bis heute. Und er möchte auf einer Grabungsfläche von zehn mal zwanzig Metern in der Nordostecke des Platzes die Reste der Unterkirche archäologisch untersuchen. Dies in engen Grenzen: Es dürfte nur von Herbst bis Frühjahr gegraben werden, es dürfte nicht tiefer als bis zu den Resten der Ulrichskirche gegraben werden, und es dürften keine Gehölze beschädigt oder gar gerodet werden.

Die Gegner des Wiederaufbaus wittern hier einen ersten Schritt, um sich über das Ergebnis des Bürgerentscheids hinwegzusetzen. Zu den Befürwortern des Vorhabens gehört auch Future-Stadtrat Mirko Stage. Um Klarheit zu schaffen, liegt jetzt ein Änderungsantrag vor. Falls es dafür im September eine Mehrheit gibt, würde der Beschluss um den Satz „Der Stadtrat bekräftigt erneut, einen Wiederaufbau abzulehnen, und folgt damit dem Ergebnis des Bürgerentscheids“ ergänzt.

Nicht einfach „drauflosgraben“

Kritisch hatte sich beispielsweise Linke-Stadtrat René Hempel geäußert. Seine Partei hat auch den Antrag eingebracht, auf Grabungen vorerst zu verzichten und das Gelände zunächst mit einem Bodenradar zu untersuchen. „Einfach draufloszugraben ist doch ein völlig unwissenschaftliches Vorgehen“, sagt er. Eine Freilegung von archäologischen Fundstücken sei ohnehin stets der erste Schritt zu ihrer Zerstörung. Unterstützung für den Linken-Antrag gab es im Bauausschuss von AfD-Stadtrat Christian Mertens.

Der Idee widerspricht CDU-Stadtrat Frank Schuster: „Wir wissen ja, dass in diesem Bereich Mauern der Ulrichskirche vorhanden sind. Eine andere Information würde uns ein Bodenradar auch nicht bringen“, so seine Einschätzung. Ziel der Grabung solle ja sein, diese Mauern zu untersuchen. Unterstützung für diese Position gab es von SPD-Stadtrat Falko Grube: „Wenn man wissen möchte, wie die Mauern aussehen, muss man sie ausgraben. Das ist auch bei anderen archäologischen Untersuchungen so.“

Von Bepflanzung bis Pyramide

Doch was macht man dann mit den Ergebnissen? Frank Schuster spricht davon, die Grundmauern der Ulrichskirche in Form der Bepflanzung auf dem Platz aufzunehmen. Falko Grube indes könnte sich vorstellen, dass die wieder abgedeckte Krypta erhalten und für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht wird. Und noch weiter geht Burkhard Moll von der Tierschutzpartei: Er könnte sich über der Krypta eine gläserne Pyramide vorstellen, wie sie vom Louvre in Paris bekannt ist.

Bevor der Stadtrat im September über das Thema entscheidet, geben noch andere Ausschüsse ihre Voten ab. Gefragt sind noch der Kulturausschuss, der Finanz- und Grundstücksausschuss sowie der Betriebsausschuss des Eigenbetriebs Stadtgarten und Friedhöfe.