Magdeburg l "Wie mit den Kindern und der Familie umgegangen wird, ist beschämend", sagt Editha Beier vom Politischen runden Tisch der Frauen am 17. Dezember auf dem Magdeburger Domplatz. Dort haben sich etwa 100 Menschen versammelt, um gegen die Abschiebung der Familie Amadyan/Arabyan zu protestieren. Beier erinnert nicht nur an die Menschenrechte, sondern auch an die UN-Kinderrechtskonvention, gegen die ihrer Meinung nach verstoßen worden sei. Unter den Protestanten sind auch viele Mitschüler, die sich dafür einsetzen, dass ihre Klassenkameraden mit ihrer Familie in Magdeburg bleiben dürfen.

Die Familie sollte in den Abendstunden des 7. Dezember 2020 abgeschoben werden. Die Eltern und die vier Kinder sind dabei getrennt worden. Die zwei ältesten Kinder im Alter von 11 und 13 Jahren flüchteten aus einem Bulli, den die Polizei nutzte, um die Familie nach Armenien abzuschieben. Dennoch wurde die Mutter mit den zwei kleineren Kindern im Alter von 3 und 7 Jahren nach Armenien abgeschoben. Die Kritik wird vor allem laut, weil alle Kinder in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Auch die Mutter kam im Alter von zehn Jahren nach Deutschland. Weder die Kinder noch die Mutter sprechen Armenisch. Der Vater und die beiden älteren Kinder sind noch in Deutschland, aber nach wie vor ausreisepflichtig. Die 13-Jährige Tochter befindet sich inzwischen in einer Klinik. Vom 11-jährigen Sohn fehle weiter jede Spur, erklärt der Bruder der Abgeschobenen. Die Behörden hatten gegenüber der Volksstimme erklärt, dass es keine rechtliche Grundlage gebe, auf der die Familie in Magdeburg bleiben könne. Die Familie habe über Jahre hinweg unter falschen Namen in Magdeburg gelebt und über ihre Identität getäuscht. 2018 hätten die Eltern ihre wahre Identität angeben, um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, nachdem ihr die Bezüge gekürzt worden seien, hatte die Stadt Magdeburg erklärt. 

Organisiert wurde die Demo vom Flüchtlingsrat, der die Kritik der Familie an dem Vorgehen der Behörden teilt. Robert Fietzke als Vorsitzender fordert, "die Familie muss zusammengeführt werden, und zwar hier in Magdeburg". Getan habe sich seit dem Bekanntwerden der Abschiebung noch nichts, erklärt er gegenüber der Volksstimme. Der Flüchtlingsrat wolle sich aber weiter für die Familie einsetzen.

Kindeswohlgefährdung

Die Migrationsbeauftrage der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Petra Albert, spricht sich in einer Pressemitteilung gegen eine getrennte Abschiebung von Familien aus. "Für mich ist nicht nachvollziehbar, wozu die Behörden mit so großer Härte die teilweise Abschiebung der Familie durchgesetzt haben. Aus meiner Sicht ist dieses Vorgehen nicht verhältnismäßig und im vorliegenden Fall sogar kindeswohlgefährdend." Die älteste Tochter wäre in wenigen Wochen 14 Jahre alt geworden. "Ab diesem Zeitpunkt wäre für sie als gut integrierte Jugendliche ein Aufenthalt in Deutschland nach dem Aufenthaltsgesetz möglich. Ich erwarte von den Behörden, dass sie diese Möglichkeit im Interesse der Heranwachsenden prüfen", betont die Migrationsbeauftragte der EKM.

 

Der Bruder der abgeschobenen Frau, wiederholt auf der Demo seine Vorwürfe gegen die Behörden und die Polizei, sie hätten die Familie wie Vieh transportiert. Die Behörden und Polizei hatten dies gegenüber der Volksstimme bereits zurückgewiesen. Die Frau und die beiden Kinder seien in einem Bulli mit Sitzen und schließlich mit einem Reisebus zum Flughafen gebracht worden, hatten sowohl Stadt als auch Polizei erklärt.