Sicht der Historikerin, technische Details und Vortragsreihe

Katalin Gönczi ist Vorstandsmitglied des Vereins Denkmal Magdeburger Recht. Sie erläutert: „Das Magdeburger Recht war insbesondere in Mittel- und Osteuropa maßgeblich für 600 Jahre in rund 1000 Orten.“ Im 12. und 13. Jahrhundert bildete sich in der Elbestadt die Grundlage eines selbstverwalteten Stadtrechts heraus. Ursprünglich war das Hauptziel, die Gerichtsverfahren zu vereinfachen. „Der Magdeburger Schöffenstuhl hatte über lange Zeit eine europaweite Bedeutung: Hier wurde Rechtsrat in Streitfällen erteilt“, sagt Katalin Gönczi.

Aufgrund der europaweiten Bedeutung – unter anderem gibt es seit dem 19, Jahrhundert in Kiew ein Denkmal für das Magdeburger Recht – hatte sich der Verein darum bemüht, Künstler nicht allein aus der Region zu einer Teilnahme an dem Wettbewerb zu bewegen.

Das Denkmal soll aus Corten-Stahl – einem Material, das unter einer oberflächlichen Rostschicht eine Schutzhülle bildet – mit eingelassener Beschriftung zum Magdeburger Recht bestehen. Als Namensbezeichnungen schlägt der Künstler neben Magdeburg für die außenstehende Einzelsäule die Städte Posen, Stendal. Prag, Budapest, Warschau, Radom, Krakau, Lemberg, Kaunas, Vilnius, Minsk und Kiew vor. Diese Auswahl könne aber noch verändert werden.

Die Herstellungskosten für das Denkmal ohne Fundament u. a. einschließlich Material, Herstellung, Transport und Montage würden rund 44 000 Euro betragen. Für das Fundament würden Streifen mit einer Länge von insgesamt 33 Metern und einer Breite von 60 Zentimetern benötigt. Bei einer Tiefe von 80 Zentimetern würden rund 16 Kubikmeter Beton gebraucht. Damit kämen noch einmal 5500 Euro hinzu. Das Künstlerhonorar einschließlich Nebenkosten würde 27 000 Euro betragen.

In einer Vortragsreihe ist das Magdeburger Recht bei freiem Eintritt Thema im Kulturhistorischen Museum. Die nächsten Termine: 20. Oktober, 19 Uhr: Zwischen Tradition und Herausforderung – Die Magdeburger Bischöfe und ‚ihre‘ Chronik mit Prof. Dr. Stephan Freund; 17. November, 19 Uhr: Die Magdeburger Schöppenchronik mit Dr. Klaus Graf, Aachen; 8. Dezember, 19 Uhr: Die Prophetenreime aus dem Magdeburger Rathaus mit Prof. Dr. Ulrich Seelbach, Bielefeld. (ri)

Magdeburg l Acht Meter lang, zehn Meter breit, dreizehn drei Meter hohe Säulen, die mit Sitzbänken verbunden sind. Auf den Säulen befinden sich Pflanzschalen mit Buchsbäumen: Diesen Entwurf hat Claus Bury aus Frankfurt am Main erarbeitet und sich damit im Januar beim Verein Denkmal Magdeburger Recht gegen andere Vorschläge durchgesetzt – die Volksstimme berichtete.

Der Verein hat sein Vorhaben jetzt im Kulturausschuss vorgestellt – und damit eine angeregte Diskussion ausgelöst. Linken-Stadtrat Hugo Boeck war in seiner Eigenschaft als Vereinsvorstand zur Sitzung erschienen. Er sagt: „Wir haben uns auch für diesen Entwurf entschieden, da er Lebendigkeit ausstrahlt.“ Lebendigkeit in einem doppelten Sinn: Zum einen entstünde mit den Sitzmöglichkeiten ein Treffpunkt auf dem Ulrichplatz, der zum Verweilen einlädt. Zum anderen geht es um Lebendigkeit mit Blick auf die Auswirkungen des Magdeburger Rechts bis in die heutige Zeit.

Wie die Volksstimme bereits berichtete, setzt der ausgewählte Künstler auf den Goldenen Schnitt und schaffe damit harmonische Strukturen.

Bilder

Wichtig, so der Vereinsvorstand, sei ein Denkmal, um einen Ort in der Stadt zu schaffen, an dem an die herausragende Bedeutung des Werkes und damit der Stadt im Mittelalter erinnert werde. Einmal ein Alleinstellungsmerkmal aus dem Mittelalter abseits der Ottonen.

Trotz aller wohldurchdachten Gründe für den Entwurf gab es kritische Nachfrage. So stellte Karin Meinecke, die bis zum vergangenen Jahr für Die Linke im Stadtrat saß und inzwischen mit dem Titel Ehrenstadträtin ausgezeichnet wurde, die Auswahl der Künstler infrage: „Es gibt doch auch Vorschläge Magdeburger Künstler für den Platz des 17. Juni mit dem Eike-von-Repgow-Denkmal – warum wurden die denn nicht in die Überlegungen einbezogen?“

Zwei Antworten hatte der Vereinsvorstand dazu parat. Hugo Boeck nennt die Vereinsgeschichte: „Unser Verein ist 2011 gegründet worden. Und auch andere Künstler, die wir nicht angeschrieben haben, hätten sich ja mit ihren Vorschlägen bei uns melden können.“ Julia Hartwig, Rechtsanwältin und ebenfalls Vorstandsmitglied im Verein, verweist auf den inhaltlichen Unterschied: „Am Platz des 17. Juni geht es ja um Eike von Repgow und den Sachsenspiegel – uns geht es um das Magdeburger Recht. Beide Rechtswerke sind zwei unterschiedliche Dinge, die in unserer Stadt ihren Ursprung haben.“

Grünen-Stadtrat Alfred Westphahl sieht derweil den geplanten Standort auf dem Ulrichplatz in der Nähe der Fundamente der zerstörten Ulrichskirche kritisch. Dazu hatte jedoch Vereinsvorstand Bernd Biedermann in einem Volksstimme-Beitrag im März darauf hingewiesen, dass sich das Denkmal mit den Fundamenten und deren möglicher Sichtbarmachung ins Gehege kommen müssten. Zudem, so Hugo Boeck während der Ausschusssitzung, habe der Künstler einen alternativen Standort keineswegs ausgeschlossen.

Lisa Schulz, sachkundige Einwohnerin im Kulturausschuss und Stadtteilmanagerin in der Neustadt, verwies derweil auf noch andere Plätze: „Mir ist bekannt, dass es auch für den Moritzplatz Überlegungen gibt, hier an das Magdeburger Recht mit einem Denkmal zu erinnern.“

Auf ein Pro oder Contra bezüglich des Vorschlags vom Denkmalverein mochte sich der Kulturausschuss vor dem Hintergrund der Diskussion nicht verständigen. Oliver Müller, Die-Linke-Stadtrat und Vorsitzender des Ausschusses, stellte für sich jedenfalls fest: „Mir gefallen die Entwürfe zum Magdeburger Recht ebenso wie die für den Platz des 17. Juni.“ Angesichts der Bedeutung des Themas, das auch in der Bewerbung der Landeshauptstadt um den Titel der Kulturhauptstadt eine Rolle spielen soll, schlug er vor, dass alle Akteure zum Beispiel vor einer Stadtratssitzung im Rathaus den interessierten Stadträten ihre Ideen vorstellen. Insbesondere soll sich bei dieser Gelegenheit auch der Kunstbeirat, zu dessen Aufgaben u. a. die fachliche Begleitung von Kunstprozessen, die Beurteilung von Kunststandorten und die fachliche Stellungnahme zu Kunstwerken gehören, ein Bild machen können.