Magdeburg l Es ist ein Gebäude, dessen Verfall viele, vor allem ältere Magdeburger seit Jahren bewegt. Denn viele schöne Erinnerungen an dort gefeierte Bälle und Feste hängen an den Mauern des Kristallpalastes an der Leipziger Straße. Kaum einer hat noch an eine Rettung geglaubt. Zu schlecht war der bauliche Zustand, zu verfahren schien die Eigentümer-Situation.

Doch jetzt gibt es tatsächlich Bewegung in Sachen Kristallpalast. Nach vierjährigen Verhandlungen mit der Erbengemeinschaft konnten diese jetzt erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. Derzeit läuft die Abwicklung des Kaufvertrages zur denkmalgeschützten Immobilie.

Kristallpalast soll nicht abgerissen werden

Bis diese tatsächlich beendet ist, will sich der Käufer, ein Magdeburger Investor, mit seinen Plänen noch bedeckt halten. Nur soviel ist bekannt: Trotz des schlechten Zustandes soll das Gebäude nicht abgerissen, sondern erhalten werden. Zur zukünftigen Nutzung gibt es noch keine weiteren Informationen, Anfang kommenden Jahres soll es diese aber voraussichtlich geben.

Der Kristallpalast gilt als eines der wichtigsten Zeugnisse der einst großen Magdeburger Unterhaltungskultur. Mehr als 3000 Besucher tanzten dort in den Hochzeiten zu schwungvoller Musik. Komiker Eberhard Cohrs und die Sänger Klaus-Dieter Henkler und Vico Torriani waren dort zu erleben, wie alte Programmhefte zeigen.

Kristallpalast baupolizeilich gesperrt

Die Kabarettisten der Kugelblitze präsentierten bis 1986 ihr Programm in einem Zelt in den Räumen des bereits damals bröckelnden Hauses. Mit der baupolizeilichen Sperrung wurde dem Vergnügen ein Ende gesetzt und der Verfall begann.

Anfang der 1990er Jahre wurde die Immobilie an eine Erbengemeinschaft überführt, die jahrelang vergeblich nach einem Käufer für die marode Bauruine suchte – auch weil man sich untereinander nicht grün war und es zwischenzeitlich bis vor Gericht ging. Architektur-Studenten hatten zwischenzeitlich neue Ideen für ein Varieté entworfen, doch umsetzbar waren diese millionenschweren Visionen nicht. Von bis zu 20 Millionen Euro Sanierungsbedarf war in der Vergangenheit die Rede. 2011 stürzte dann schließlich unter lautem Getöse das Dach des Veranstaltungssaals ein.

Verfall nicht zu stoppen

Die Mitglieder des Kristallpalast Magdeburg e. V. versuchten seitdem zumindest die Erinnerung an die glorreiche Zeit am Leben zu erhalten. Ausstellungen zur Geschichte und Treffen ehemaliger Mitarbeiter wurden in den vergangenen Jahren organisiert. Doch auch das rührige Treiben der Ehrenamtler konnte den weiteren Zerfall nicht stoppen. Mit dem Verkauf wird dieses Ziel nun aber erreicht.