Magdeburg l Wie steht es um eine bessere Anbindung Magdeburgs mit Fernzügen? Mit dieser Frage im Sinn hat Oberbürgermeister Lutz Trümper im April 2020 einen Brief an die Deutsche Bahn geschrieben. Inzwischen gab es eine – in Teilen leicht genervte – Antwort: Man habe schon ein Jahr zuvor darüber informiert, dass die Deutsche Bahn perspektivisch darüber nachdenkt, die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt per IC auch mit Berlin und Hamburg zu verbinden, wie der Konzernbevollmächtigte Martin Walden wissen lässt.

Er bestätigt damit das, was Bahnsprecher Jörg Bönisch bereits 2015 gegenüber der Volksstimme angedeutet hatte: Die Strecke nach Schwerin solle, so hieß es damals, bis Ende 2022 mit einer IC-Verbindung ausgestattet sein. Und weiter: Es solle auch eine IC-Verbindung über Magdeburg in Richtung Berlin geben. Tatsächlich gibt es zwischen Magdeburg und Berlin einige IC-Züge bereits – dies allerdings ebenso wie die morgendlichen ICE nicht in einem regelmäßigen Takt, sondern selten und von vielen Magdeburgern kaum wahrgenommen: Pro Tag fahren zwei Züge.

Nach München in vier Stunden

Magdeburg, so Martin Walden, sei gut an wichtige Fernverkehrsknoten angebunden, so dass mit einem Umstieg viele Wirtschaftszentren erreichbar seien. Mit einem Umstieg in Halle sei so München in vier Stunden zu erreichen.

Die Fernbahnanbindung brennt den Magdeburgern derzeit jedoch besonders unter den Nägeln, da eine gute Anbindung ein Pluspunkt beim Werben um den Titel der europäischen Kulturhauptstadt sein könnte. Während die Bewerber im Westen Deutschlands – Hannover, Nürnberg und Hildesheim – ans reguläre ICE-Netz angeschlossen sind, ist dies bei den beiden Bewerbern aus Mitteldeutschland – Chemnitz und Magdeburg – nicht der Fall.

Nun ist mangels entsprechender Schnellfahrstrecken nach Magdeburg und mangels großer Passagierzahlen aus Magdeburg auch eine zweistündliche ICE-Verbindung kaum denkbar. Doch auch ein IC könnte etwas bringen.

Prestige und Zeitgewinn

Zum einen das Prestige: Magdeburg will nicht allein einfache Zwischenstation an den beiden IC-Linien zwischen Nord- und Westdeutschland auf der einen und Sachsen auf der anderen Seite sein. Mit mehr Linien wäre Magdeburg wieder ein Fernverkehrsknoten.

Zum anderen der Zeitgewinn: Zwischen Magdeburg Hauptbahnhof und Berlin Hauptbahnhof benötigen die einzelnen IC, die es bereits gibt, fast 20 Minuten weniger als der Regionalexpress. Mit dem Schnellzug benötigt man 1 Stunde und 22 Minuten, mit dem Regionalzug 1 Stunde und 41 Minuten. Wer täglich pendelt, könnte so im Monat mit 20 Arbeitstagen 760 Minuten und damit etwas mehr als zwölf Stunden einsparen. Das entspricht anderthalb Arbeitstagen.

Immerhin hat Martin Walden der Stadt weitere Gesprächsbereitschaft signalisiert: Wenn die Corona-Krise bewältigt sei – mit der die Bahn derzeit auch wirtschaftlich zu kämpfen hat – könne man sich zu den Vorschlägen aus Magdeburg austauschen.

Nach der Wende 1990 wurde Magdeburg nach und nach vom Fernverkehr abgekoppelt: Der Zug nach Moskau war ohnehin schon Vergangenheit. Nachdem die Schnellfahrstrecke durch die Altmark fertiggestellt worden war, wurden – trotz aller Proteste aus Magdeburg – die ICE in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt zu seltenen Gästen. Nur bei Havarien zum Beispiel nach dem Elbehochwasser 2013 wird Magdeburg wieder zur oft genutzten Station der schnellsten Züge Deutschlands.