Fußball

Die Heldenreise des 1. FC Magdeburg im Kino

Für Kevin Röhler und Marco Schulze war es ein Herzensprojekt. Sie haben einen Film über den Aufstieg des FCM gedreht.

Von Susann Gebbert 25.04.2018, 12:52

Magdeburg l Es war Magdeburgs eigenes Sommermärchen: der Aufstieg des 1. FCM in die dritte Liga – in den Profifußball. Für den Verein bedeutete das vor allem mehr Geld und bessere Gegner. Für Magdeburg bedeutete es: Euphorie, Jubel, Stolz. Die Stadt hat endlich wieder Helden. Das Sommermärchen wiederholt sich jetzt. Der 1. FC Magdeburg steigt in die Zweite Bundesliga auf. Das war auch der Anlass für Marco Schulze (31) und Kevin Röhler (30), ihre Dokumentation über den Verein ins Kino zu bringen.

Die Männer haben einen Film über den Aufstieg des Magdeburger Fußballclubs in die 3. Liga gedreht: „Mission Profifußball – Magdeburgs Weg zurück“. Für ihre Langzeitdokumentation haben sie den 1. FCM von 2012 bis 2015 begleitet. „Wir hatten einfach Lust darauf, mal einen Film über unseren Verein zu drehen“, sagt Marco Schulze, der genau wie sein Freund leidenschaftlicher Fan ist. „Mich hat es aus journalistischer Sicht interessiert, wie sich ein solch gebeutelter Traditionsverein, der am Boden liegt, wieder aufrichtet“, so Kevin Röhler. Aber warum veröffentlichen sie ihren Film erst jetzt, drei Jahre später? Marco Schulze erklärt, dass sie nicht damit gerechnet haben, wie viel Zeit das Projekt tatsächlich kostet. Sie filmten, interviewten, sichteten Filmmaterial und schnitten – immer neben der Arbeit. „Es war das Schwierigste für uns, einen Überblick über das ganze Material zu behalten“, so Marco Schulze. Dann kamen immer mal Phasen dazu, in denen es liegen blieb – entweder weil sie Stress bei der Arbeit hatten oder weil einer im Urlaub war. „Aber wir haben immer daran geglaubt, dass der Film irgendwann fertig wird.“ Die Premiere im Oli-Kino heute ist bereits ausverkauft.

Um dem Film noch eine zweite Ebene zu geben und einen Bogen in die heutige Zeit zu spannen, interviewten sie die drei Spieler Christian Beck, Felix Schiller und Nils Butzen zu den Ereignissen im Film. Dazu haben Marco Schulze und Kevin Röhler den Angreifer und die Abwehrspieler im Frühjahr in die Festung Mark in Magdeburg eingeladen und ihnen den Film gezeigt.

In ihrer Dokumentation zeigen die gebürtigen Magdeburger Interviews mit Trainern, Mannschaft, Ehemaligen und Management, Bilder von Heim- und Auswärtsspielen sowie exklusive Szenen aus der Spielerkabine in Offenbach. Außerdem thematisieren sie die Krisen und Rückschritte während der dreijährigen Entwicklungsphase, wie beispielsweise die Suspendierung des ehemaligen Kapitäns Marco Kurth.

Zur Erinnerung: Im Sommer 2012 steht der ruhmreiche 1.  FC Magdeburg vor einem ungewissen Neustart. Zu DDR-Zeiten zählte der FCM zu den erfolgreichsten Vereinen des DDR-Fußballs. Der Club spielte mit einer Ausnahme von 1960 bis 1991 in der höchsten Spielklasse, der DDR-Oberliga.

Nach der Wende verpasste der Verein den Sprung in den bezahlten Fußball und spielte von 1990 bis 2015 im regionalen Amateurbereich. Als 2012 die sportliche Leitung für die neue Spielzeit komplett ausgetauscht wurde, hatten die FCM-Fans Marco Schulze und Kevin Röhler das Gefühl, jetzt könnte es bergauf gehen für den Verein. Und tatsächlich: Nur drei Jahre später, im Mai 2015, betritt der 1. FCM mit dem Aufstieg in die 3. Liga dann zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die Bühne des Profifußballs.

Marco Schulze und Kevin Röhler sind in Magdeburg geboren und aufgewachsen. Kennengelernt haben sie sich während des Journalistik-Studiums in der Landeshauptstadt. Für ihren Masterabschluss gingen beide nach Hannover. Neben Geburtsstadt und Studienfach haben sie auch die Liebe zu den Blauweißen gemeinsam. Kevin Röhler ist Dauerkartenbesitzer. Marco Schulze richtet seine Heimatfahrten nach den Heimspielen. Beide spielten jahrelang selbst Fußball.

„Das wird ja ein Lebenswerk“, scherzten Freunde, als sie von der Filmidee erfuhren. Sie glaubten nicht daran, dass die Magdeburger Fußballer in absehbarer Zeit aufsteigen. Aber die beiden Männer aus Hannover hatten den richtigen Riecher. Marco Schulzes Ziel war damals: „Wenn wir den Aufstieg schaffen, will ich in der Kabine sein.“ Und er war mit seinem Freund in der Kabine.

Die stärkste Szene des Films ist für Marco Schulze die mit Trainer Jens Härtel nach dem Aufstieg in der Kabine. „Er ist so ein zurückhaltender, unnahbarer Mensch. In der Kabine konnte man sehen, wie all die Anstrengung von ihm abgefallen ist“, so der Filmemacher. Er bekommt immer noch Gänsehaut, wenn er diese Aufnahmen sieht.

Die letzte Vorstellung „Mission Profifußball – Magdeburgs Weg zurück“ ist am 30. April; Beginn: 20 Uhr (Einlass: 19 Uhr); Veranstaltungsort: Oli-Kino Magdeburg, Olvenstedter Str. 25A.

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