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Nach Brand

Die Solidarität kocht in Magdeburg mit

Bei Alexmenü in Magdeburg geht es bergauf. Vier Wochen nach einem Brand werden zwei mobile Großküchen eingerichtet.

Von Marco Papritz 18.05.2020, 01:01

Magdeburg l Die Auswirkungen der Brandnacht vom Ostermontag sind auf dem Gelände nicht zu übersehen. Der Anbau, indem aufgrund eines Kabeldefekts das Feuer in den frühen Morgenstunden vom Ostermontag ausgebrochen war und den Technikbereich schwer traf, wird ausgeräumt und für eine Sanierung vorbereitet. Container sind als provisorische Büros aufgestellt, damit die Verwaltung arbeiten kann. „Wir fahren den Betrieb wieder hoch“, sagt Antonia Hillmann von der Geschäftsführung.

Möglich machen dies zwei mobile Großküchen. Eine wird in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt bereits genutzt, „damit wir die Versorgung wie von hier aus vornehmen können“. In der 50 mal 21 Meter fassenden Küche eines Hamburger Spezialunternehmens, die wegen ihrer Kronleuchter ähnlichen Beleuchtung „Kochpalast“ genannt wird, sind Kochbereiche und Lagerflächen eingerichtet. Eine zweite, 10 mal 50 Meter fassende Küche befinde sich derzeit im Aufbau und soll in Kürze in Betrieb genommen werden. „Unser Ziel ist, ab Juni wieder zwei Essen anbieten zu können“, so Antonia Hillmann. Derzeit ist das Angebot aufgrund der beschränkten Kapazitäten auf ein Essen limitiert. Wobei die Großküche, die zu den größten ihrer Art in der Region zählt, noch Glück im Unglück hatte, so makaber das auch erscheint: Aufgrund der Corona-Pandemie gingen die Aufträge in Schulen und Kindertagesstätten bei Alexmenü dramatisch zurück. Die Zahl der Portionen schrumpfte von durchschnittlich 10 500 auf überschaubare 190 Bestellungen. Das Unternehmen zog die Notbremse und musste „aus wirtschaftlichen Gründen die Notversorgung leider einstellen“. Die Mahlzeiten etwa für Senioreneinrichtungen sowie für einen Großkunden, der seit elf Jahren mit knapp 6000 Portionen beliefert wird, konnten in Ausweichküchen wie zum Beispiel in der Mensa der Otto-von-Guericke-Universität zubereitet werden, die ebenfalls unter der Corona-Krise zu leiden haben.

In kurzer Zeit konnte Alexmenü ein Notfallkonzept auf die Beine stellen, das abgearbeitet wurde und den Betrieb sicherte. Hillmann: „Uns hat nach dem Brand eine Welle der Solidarität erreicht – von Kunden und Partnern aus der Region. Es ist beeindruckend, wie groß die Hilfsbereitschaft ist.“ Dies gelte vor allem für die 150 Mitarbeiter, von denen coronabedingt etwa die Hälfte in Kurzarbeit geschickt werden musste. „Zu buchstäblich jeder Tageszeit waren sie bereit in der ohnehin schwierigen Zeit mit anzupacken und Ideen zu entwickeln. Das war auch für die Familienangehörigen ganz bestimmt nicht einfach“, sagt Antonia Hillmann.

Die Corona-Situation hat sich entspannt, eine Vielzahl der Mitarbeiter ist aus der Kurzarbeit wieder in den regulären Dienst zurückgekehrt. Die Zahl der Schul- und Kita-Bestellungen liegt derzeit bei 3000 Portionen. Bis wieder in der Großküche gekocht werden kann, die seit dem Umzug 1999 an die Parchauer Straße genutzt wurde, dauert es noch einige Monate. Wegen des Brandes und dem damit verbundenen Rauch und Rußspuren im Gebäude müssen Einrichtungsgegenstände, Geschirr und Technik auf Zustand und Funktion untersucht beziehungsweise von einem Brandsanierer gereinigt werden. Dabei zeigt sich, was noch genutzt werden kann und was ausgetauscht werden muss. Die Höhe des entstandenen Sachschadens der Brandnacht liegt im Bereich von 1,5 Millionen Euro.

Das langfristig angepeilte Vorhaben, die mittlerweile zu knapp gewordenen Kapazitäten am Unternehmenssitz durch einen Bau zu erweitern, „müssen wir für die nächste Zeit zu den Akten legen“. Geplant ist, bis Herbst in den Regelbetrieb zurückkehren zu können.