Magdeburg l In einigen Städten schaffen Handelsunternehmen, die neue Supermärkte bauen, Wohnraum in darüberliegenden Etagen. In Magdeburg ist das eher die Ausnahme. Die Fraktion Gartenpartei/Tierschutzallianz möchte das ändern. Sie möchte, dass Investoren verpflichtet werden, mindestens zwei Etagen zum Beispiel Wohnraum, Büros oder sogar Kindertagesstätten über den Geschäftsräumen im Erdgeschoss zu schaffen.

Ein entsprechender Antrag ist vor der endgültigen Abstimmung jetzt in den Ausschüssen diskutiert worden. Im Bauausschuss hatte Marcel Guderjahn von der Gartenpartei nicht allein aus städtebaulichen Gründen für das Ansinnen geworben: Wer in die Höhe baut, wirke auch einer immer stärkeren Versiegelung von Boden entgegen.

Eingeschossige Supermärkte oft ungünstig

Im Prinzip rennen die Initiatoren mit ihrem Wunsch bei der Stadtverwaltung Magdeburg offene Türen ein: Aus städtebaulichen Gründen seien große, eingeschossige Supermärkte in vielen Fällen nicht die beste Lösung. Gleiches gilt für die großen Parkplätze vor den Märkten.

Dennoch hat der Bauausschuss auf seiner Sitzung am 9. Januar 2020 den Ursprungsantrag nur in abgemilderter Form dem Stadtrat zur Zustimmung empfohlen. Aus einer Muss- würde jetzt eine Soll-Bestimmung werden. Sowohl im Finanzausschuss als auch im Bauausschuss waren kritische Aspekte zusammengetragen worden.

In Magdeburg stehen viele Wohnungen leer

Unter anderem verwies die Verwaltung in einer Stellungnahme darauf, dass viele Handelskonzerne mit Typenbauten arbeiten und dass die Investoren auch aufgrund statisch erforderlicher Säulen nicht immer für eine mehrgeschossige Bauweise zu begeistern sind. Stadplanungsamtsleiter Matthias Lerm warb aus diesem Grund für eine flexible Regelung, „da ansonsten an einigen Stellen gar nichts passieren würde“.

Unter den Kritikern ist auch der CDU-Stadtrat Reinhard Stern. Im Finanzausschuss hatte er angemerkt, dass für viele Menschen eher der Wunsch nach modernen Einkaufsmöglichkeiten im Vordergrund stehe. Im Bauausschuss legte er nach: Wohnungen über Supermärkten seien überdies schwer zu vermieten, und anders als in Metropolen wie Berlin, in denen die Handelskonzerne inzwischen freiwillig in Wohnraum über ihren Märkten investieren, stehe in Magdeburg nach wie vor eine fünstellige Zahl von Wohnungen leer.

Mehrgeschosser aber nicht immer sinnvoll

Falko Grube (SPD) erläuterte, warum im Einzelfall entschieden werden müsse: Beim geplanten Supermarkt-Neubau in der Hopfenbreite sei ein drei- bis viergeschossiger Neubau gegenüber zweigeschossigen Reihenhäusern und neben Kleingärten keine sinnvolle Lösung.

Das entspricht auch dem Wunsch der Verwaltung, die „baulich nicht integrierte, eingeschossige Einzelhandelsimmobilien nur noch in unterversorgten Stadtteilen zulassen möchte, um hier keine unnötigen Hürden zu schaffen“.