Magdeburg l Die Blicke richten sich am 5. Juni 2019 am Dom­platz in Magdeburg gen Himmel: Am frühen Nachmittag schwebt die 2,6 Tonnen schwere Dominica an einem Kranhaken aus dem Nordturm des Magdeburger Doms in die Tiefe und wird auf einem Tieflader abgesetzt.

Zuvor musste der Kran umgesetzt werden, da sich nach dem Ausfahren des Kranarms zeigt, dass die Position noch nicht perfekt ist. Ziel der Aktion: Die voluminöse Glocke aus dem Jahr 1575 muss dringend repariert werden. Als die Glocke auf der Ladefläche des Lkw steht, gibt es Applaus von rund 200 Zuschauern.

Dom-Glocke ist beschädigt

Seit Jahren wird die Glocke nicht mehr geläutet, da sie an mehreren Stellen beschädigt ist. Die Reparatur soll in der Glocken-Schweißwerkstatt Lachmeyer in Nördlingen in Bayern stattfinden.

Komplett finanziert wird die Rettung der 444 Jahre alten Glocke vom Verein Domglocken Magdeburg, der im März 2018 gegründet wurde. Dessen Vorsitzender ist der Musiker, CDU-Landtagsabgeordnete und Stadtrat Andreas Schumann, der sagt: „Ich bin überwältigt, dass wir so schnell genügend Spenden für diese erste Etappe unseres Gesamtvorhabens beeinander haben.“ Die Kosten betragen rund 30.000 Euro einschließlich dem aufwendigen Transport.

Zuletzt war die Rede davon, dass die Glocke erst im Herbst zur Reparatur nach Nördlingen gebracht werden kann. Doch der seit etwa einem Jahr bestehende Verein hat sich gestreckt, hat mit seiner Idee überzeugt. Neben der Reparatur der vorhandenen Glocken geht es ihm nämlich darum, auch im Südturm des Magdeburgs Doms einen Glockenturm einzubauen und neue Glocken hinzuzufügen – darunter ein Exemplar mit einem Gewicht von rund 14 Tonnen.

Der Aufwand beim Glockenschweißen hat seinen Grund: Innerhalb mehrerer Tage muss die Glocke auf mehr als 400 Grad Celsius herhitzt werden. Erst dann kann neues Material hinzugefügt werden. Das Schweißen einer kalten Hlocke könnte dazu führen, dass sie erneut springt. Das Abkühlen muss ebenso behutsam erfolgen.