Lebenshilfe

Eine Magdeburgerin nutzt den Garten als Möglichkeit, um ihre Klienten zu therapieren

Wie Magdeburgs erste Gartentherapeutin Joana Obenauff den Menschen mit der Natur helfen will

Von Christina Bendigs

Magdeburg. Willst du ein Leben lang glücklich sein, so schaffe dir einen Garten, besagt ein chinesisches Sprichwort. Um die Kraft des eigenen Gartens und der Natur weiß auch Joana Obenauff. Die Magdeburgerin ist nach eigenen Angaben die erste Gartentherapeutin der Stadt. Sie hilft Menschen, über den Garten und die Natur Heilung zu finden. Anerkannt ist der Beruf der Gartentherapeutin in Deutschland noch nicht. Doch wer schon einmal in der Erde eines Gartens gegraben, ein Beet gestaltet oder Obst und Gemüse geerntet hat, der wird wissen, dass dies über weite Strecken einer Meditation gleich kommt.

Die Liebe zur Natur und zum Garten hat Joana Obenauff wohl von ihrer Oma geerbt. „Sie hatte einen Garten und wir sind oft dort gewesen“, erinnert sie sich. Und so erinnert auch ihr Büro entfernt an einen Garten – in Fensterbänken und auf Regalen wachsen in Töpfen und Vasen Pflanzen. Dazwischen liegt die Natur auch in Gefäßen aufbewahrt – in Form von kurios geformten Stöckern etwa. Joana Obenauff ist ein Kind der Natur, so scheint es. Am liebsten ist sie draußen, probiert alles, was essbar ist auch selbst aus und stellt sogar ihre eigenen Kosmetikprodukte aus Produkten der Natur her.

Ursprünglich ist Joana Obenauff Diplom-Ingenieurin für Landschafts- und Freiraumplanung. Doch schon während des Studiums merkte sie, dass sie sich darüber hinaus entfalten wollte. Nach dem Studium absolvierte sie zunächst ein Praktikum beim Verein „Gartenträume“. Von dort aus stieg sie in der Gartenakademie in Zichtau ein und war fortan im Veranstaltungsmanagement tätig – organisierte Grüne Bildung von A bis Z. Bei den „garden sniffers“, einem Projekt für Schulen, konnte sie bereits die positive Wirkung von Gartenarbeit beobachten.

Therapeutin beobachtet positive Effekte des Gärtnerns auf Kinder

Immer wieder hätten Lehrer zurückgemeldet, dass Kinder, die sonst eher still waren, aufblühten, Rabauken ruhiger wurden, Streithähne plötzlich Freunde wurden. Schließlich hörte sie von der Gartentherapie. Das Interesse von Joana Obenauff war geweckt. Vor ihrem Einstieg beim Haus Natursinn im Herrenkrug absolvierte sie in Erfurt einen einjährigen Lehrgang und machte sich schließlich 2017 als Gartentherapeutin und Gartenberaterin selbstständig, vereinte beide Leidenschaften.

Heute weiß sie, dass auch in Heilanstalten Menschen zur Arbeit auf dem Feld geschickt wurden – zum einen, um bei der Versorgung der Heilstätten zu helfen, zum anderen aber auch, weil positive Effekte auf Körper und Geist zu beobachten gewesen seien. Und für Joana Obenauff klingt das auch schlüssig: „Tausende Jahre hat der Mensch mit der Natur gelebt, eigentlich gehört sie für den Menschen dazu“, sagt sie. Spätestens mit der Industrialisierung im 18. und 19. Jahrhundert aber habe der Mensch die Verbindung zur Natur verloren. Dadurch konnten sich auch Krankheitsbilder einschleichen. Als Gartentherapeutin versucht Joana Obenauff, die Menschen zurück zur Natur zu bringen.

Und wenn sie dann ihren Klienten rät: „Gehen Sie doch einfach mal raus“, dann staunen die nicht selten schlecht, dass es so einfach sein kann, sich Milderung zu verschaffen.

Der Traum vom eigenen Garten lässt noch auf sich warten

Als Gartentherapeutin gibt Joana Obenauff derzeit aber häufig eher Hilfe zur Selbsthilfe, berät etwa auch Einrichtungen wie Kindertagesstätten oder Seniorenheime bei der Anlage von Gärten, gibt auch Workshops zu unterschiedlichen Themenkomplexen.

Nur den Traum vom eigenen Garten konnte sie noch nicht verwirklichen. Einen Garten zu finden, der alle Ansprüche erfüllt, sei nicht so einfach. Denn für die Klienten bräuchte sie fließend Wasser und richtige Sanitäranlagen, außerdem würde sie den Garten zuwachsen lassen wollen, was die meisten Kleingartenverordnungen aber verbieten würden, vor allem für ältere Menschen müsste der Zugang zudem barrierefrei sein. „Ich habe mein Traumgrundstück in Stadtfeld schon entdeckt. Aber es gibt einen Erbschaftsstreit darum“, sagt sie. Der eigene Garten, in dem sie alle ihre Therapieangebote umsetzen kann, ist ihr ganz großer Traum.

Derzeit begnügt sie sich mit den Gärten ihrer Klienten und freut sich darüber, ihnen auf den Weg zum eigenen Garten zu verhelfen. Und der ist für die Gartentherapie nicht einmal notwendig. Denn auch über Blumensträuße und Zimmerpflanzen oder die öffentliche Natur wie etwa auf der Streuobstwiese in Sudenburg kann sie vom Säugling bis zum Senior Menschen helfen, dass es ihnen besser geht.