Magdeburg l Planungsexperten würden sich den nördlichen Breiten Weg in Magdeburg als Knochen wünschen, erläutert Dieter Scheidemann, Beigeordneter im Dezernat für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr. Die Knochenenden sind die Kundenmagnete, zwischen denen sollen sich die Menschen bewegen. Sie werden gerade geplant und bebaut.

Auf der einen Seite entsteht der neue Blaue Bock. Auf der anderen Seite, am Universitätsplatz, soll in den kommenden Jahren ebenfalls ein mächtiger Gebäudekomplex entstehen. Scheidemann sagt: „Von den Geschäften im Blauen Bock und am Universitätsplatz erhoffen wir uns so eine Knochenfunktion.“ Wird das den nördlichen Breiten Weg beleben?

Kritische Magdeburger

Scheidemann hat an diesem Abend kritische Zuhörer. Knapp 30 Menschen haben sich kürzlich im „Intakt“ eingefunden. So heißt der Laden am Breiten Weg 28 derzeit; bis vor einigen Monaten stand er noch leer. Studierende des Studiengangs Cultural Engineering haben ihn zur Zwischennutzung von der Stadt Magdeburg bekommen. Mehrmals die Woche gibt es dort Veranstaltungen.

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„Breiter Weg: Morgen“, haben sie die Diskussionsveranstaltung genannt. Und natürlich haben sie eigene Vorschläge mitgebracht, wie die Fußgängerzone in Zukunft aussehen soll.

Internet ist "Riesenthema"

Benjamin Schlosser wohnt ganz in der Nähe des Breiten Wegs. Der 32-jährige Maschinenbaustudent hat zufällig zwei Pakete dabei, die er gerade abgeholt hat. Nachdem Scheidemann das „Riesenthema Internet“ vor allem als Gefahr für die Innenstadthändler beschrieben hat, meldet er sich mit seinen Paketen in der Hand zu Wort. „Warum habe ich diese Sachen bestellt? Weil sie nur mit Zeitaufwand und Mühe in der Innenstadt zu finden sind.“ Es sei Zeit, sich mit dem Onlinehandel zu arrangieren, statt ihn als Bedrohung wahrzunehmen, betont Schlosser.

So könnten etwa sinnvolle Kombinationen von Läden und Packstationen entwickelt werden. Einige Geschäfte der Magdeburger Innenstadt würden bereits darauf setzen und so Paketabholer in den Laden locken. Darüber hinaus fordert der Student für den Breiten Weg „Angebote zu schaffen, die nicht notwendigerweise Konsum voraussetzen“.

Studenten wünschen sich mehr Kultur

Mit dieser Haltung ist Schlosser nicht allein. Auch andere Studierende wünschen sich an diesem Abend mehr Kultur im Breiten Weg. Und mehr Zwischennutzungen für die leeren Ladengeschäfte. Eine Studentin regt an, eine Art Zwischennutzungszentrale zu schaffen. Ein anderer, mehr Barbetriebe im nördlichen Breiten Weg anzusiedeln.

„Ich kann dem Gastronomen schlecht sagen, dass er herkommen muss“, entgegnet Scheidemann, „und natürlich brauchen wir auch mehr Kultur. Ich glaube aber, dass es der Mix macht.“ Es gebe beispielsweise kein Elektronikgeschäft am nördlichen Breiten Weg, betont Scheidemann.

Entwicklung verschlafen

„Irgendwas haben wir verpennt, dass es hier noch so aussieht“, sagt Brigitte Otte, die mehr als 50 Jahre im Handel gearbeitet hat und nun im Seniorenbeirat sitzt. Früher seien die Leute zum Schaufensterbummel in den Breiten Weg gekommen, das gebe es heute nicht mehr. Es brauche neue Läden. Auch mehr Cafés wünscht sie sich.

Konkret begonnen werden könnte im Breiten Weg aber auch kleiner, etwa bei den Bänken. Diese seien so angeordnet, dass man sich nicht mit mehreren Leuten sitzend unterhalten könne, betont Otte.