Magdeburg l In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Callcenter in Magdeburg angesiedelt. Doch es gibt auch Rückschläge: Mit der Schließung von Arvato zum 30. Juni 2019 werden wohl 296 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Wie Gernot Wolf, Sprecher der Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann berichtet, geht es jetzt darum, mit den Arbeitnehmervertretern einen Sozialplan auszuhandeln. Erklärtes Ziel des Managements ist es, sozialverträgliche Lösungen zu finden.

Zum Aus des Magdeburger Standorts erklärt das Unternehmen: „Hintergrund für die geplante Schließung ist die bei sinkendem Auftragsvolumen fehlende Wirtschaftlichkeit des Betriebes in Magdeburg.“ Insbesondere Themen wie Personalkostenstruktur, Produktivität, Größe und Abhängigkeit von einzelnen Auftraggebern hätten dazu geführt, „dass eine wirtschaftliche Fortführung des Servicecenters in Magdeburg leider nicht möglich ist“. Insbesondere die Deutsche Telekom war in den vergangenen Jahren ein guter Kunde der Bertelsmann-Tochter.

Der Konzern hatte sich bereits vor Monaten mit dem Gedanken getragen, das Geschäft mit Kundensystemen in der IT-, Banken-, Versicherungs- und Telekommunikations-Branche abzustoßen. Das Unternehmen befasst sich u. a. auch mit dem Löschen von Hasspostings in sozialen Netzwerken des Internets.

Schließungen nur im Osten

Neben dem Magdeburger Callcenter von Arvato trifft es sechs weitere Standorte – darunter auch den in Halle. Mitarbeiter werden auch in Leipzig, Gera, Cottbus, Dresden und Suhl entlassen. Allesamt in Ostdeutschland. Gernot Wolf verwahrt sich aber gegen die Behauptung, dass hier gezielt der Osten des Landes belastet werde, wenn es in einem Unternehmen wirtschaftliche Probleme gebe. Der Grund für die scheinbare Mehrbelastung des Ostens: „Wir haben in den neuen Bundesländern einfach sehr viel mehr Standorte.“ Keinesfalls werde man sich aus den neuen Ländern verabschieden. Unter anderem werden Arbeitsplätze in Berlin, Cottbus Neubrandenburg, Leipzig und Chemnitz erhalten.

Das allerdings dürfte für die Mitarbeiter in Magdeburg nur ein schwacher Trost sein: Ein Wechsel an einen anderen Standort, weil dort im Zuge eines Sozialplans möglicherweise eine neue Beschäftigung angeboten wird, dürfte nur für wenige wirklich attraktiv sein.

Auf der anderen Seite hatten Callcenter in Magdeburg in den vergangenen Jahren immer wieder nach Mitarbeitern gesucht. Unter anderem hatte die Stadtverwaltung Aktionstage im Rathaus organisiert, bei denen potenzielle Arbeitskräfte mit den verschiedenen Anbietern zusammengebracht werden sollten. Neben einer Übernahme von Mitarbeitern wäre damit gar der Übergang des Callcenters an einen anderen Spieler der Branche denkbar. Begleiten wird die Suche nach neuen Stellen in Magdeburg auch die Agentur für Arbeit.

Keine Aussage zu Verhandlungen

Zu solchen möglichen Perspektiven möchte sich Gernot Wolf gegenüber der Volksstimme aber nicht äußern. Er sagt: „Wir können derzeit noch keine Aussage zu ausstehenden Gesprächen und Verhandlungen treffen.“

Arvato hatte war im Jahr 2014 in den Markt in Magdeburg eingestiegen. Damals hatte das Unternehmen den Standort an der Nachtweide im Stadtteil Neue Neustadt übernommen, nachdem Walter Services Pleite gegangen war. Neben dem Magdeburger hatte Arvato seinerzeit auch andere Standorte in den neuen Bundesländern übernommen und für die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt 500 zukunftssichere Arbeitsplätze versprochen.

Zum Kaufpreis hatte das Unternehmen damals keine Angaben gemacht. Auf Nachfrage der Volksstimme erklärte Arvato-Sprecher Gernot Wolf jetzt: „Fördermittel sind im Zuge und nach der Übernahme des Magdeburger Standorts nicht geflossen.“