Magdeburg l „Ich würde befürworten, wenn es bei einer dezenten Beleuchtung bleibt“, erklärte Baudirektor Ralf Lindemann von der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt im Volksstimme-Gespräch zur helleren Beleuchtung des Magdeburger Domes. Die Stiftung ist Bauträger des Magdeburger Domes. Als Grund nannte er nicht nur, dass es sich bei dem Gebäude um ein Gotteshaus handelt, sondern er erinnerte auch an Tiere, die ihren Lebensraum im oder am Dom haben.

Unter anderem leben dort auch ein Wanderfalkenpärchen sowie mehrere Turmfalkenpaare. Aber auch Insekten seien betroffen. Zudem sei zusätzliches Licht auch für Fledermäuse nicht gut. Lindemann beschreibt außerdem, dass es eine zunehmende Veralgung des Domes vor allem auf der Nordseite gebe. Seine Befürchtung ist, dass sich dieser Effekt durch zusätzliches Licht noch verstärken könnte. Auch Leser haben sich mit Hinweis auf dort lebende Tiere gemeldet.

Experten sehen Probleme

Die Volksstimme fragte im Zoo und im Naturkundemuseum nach, wie sich künstliches Licht und Tiere miteinander vertragen. Dr. Hans Pellmann vom Naturkundemuseum erklärte, dass Insekten durch das Licht gestört werden könnten. Je nach Konstruktion der Beleuchtung könnten mehr oder weniger viele Insekten an den Lampen auch zu Tode kommen. „Generell kann gesagt werden, dass die Lichtverschmutzung der Umwelt insbesondere in Städten für Organismen, die nachts Licht zur Orientierung nutzen, ein Problem darstellt“, berichtete er. Auch Zoochef Kai Perret gab zu bedenken: „Da kann man viel falsch machen.“ Er kenne sich aber technisch und in den Gesetzen zu wenig aus, um dies im Hinblick auf die Beleuchtung des Domes zu beurteilen.

Magdeburg bei Nacht

Magdeburg (jmd) l Der Fotoclub des ASZ Cracau war nachts in Magdeburg unterwegs. Bei diesem Projekt lag der Fokus auf der besonderen Beleuchtung. Eine Auswahl der Ergebnisse:

  • Ein Sonnenaufgang an der Rotehornspitze in Magdeburg. Foto: Hartwig Struck

    Ein Sonnenaufgang an der Rotehornspitze in Magdeburg. Foto: Hartwig Struck

  • Die Erdkugel am Elbufer in Magdeburg. Foto: Bernd Stage

    Die Erdkugel am Elbufer in Magdeburg. Foto: Bernd Stage

  • Die Elbe mit Blick auf den Magdeburger Dom. Foto: Bernd Stage

    Die Elbe mit Blick auf den Magdeburger Dom. Foto: Bernd Stage

  • Das Denkmal auf dem Werder mit Blick auf die Jerusalembrücke in Magdeburg. Foto: Hartwig Struck

    Das Denkmal auf dem Werder mit Blick auf die Jerusalembrücke in Magdeburg. Foto: Hartwig Struck

  • Die beleuchtete Hubbrücke mit Magdeburger Dom im Hintergrund. Foto: Hartwig Struck

    Die beleuchtete Hubbrücke mit Magdeburger Dom im Hintergrund. Foto: Hartwig Struck

  • Die Wasserfallbrücke Cracau in Magdeburg. Foto: Hartwig Struck

    Die Wasserfallbrücke Cracau in Magdeburg. Foto: Hartwig Struck

Arbeitsgemeinschaft gibt Empfehlungen

Eine kurzfristige Anfrage bei der Stadt konnte gestern nicht beantwortet werden. Auf den Seiten des Landesamtes für Umweltschutz in Sachsen-Anhalt wird jedoch auf eine Richtlinie der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz verwiesen, aus der Hinweise hervorgehen, etwa über die schädliche Einwirkung von Beleuchtungsanlagen auf Tiere – insbesondere auf Vögel und Insekten – und Vorschläge zu deren Minderung. Diese Richtlinie ist allerdings eine Empfehlung.

Lichtimmissionen gehören nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz zu den schädlichen Umwelteinwirkungen, „wenn sie Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit oder für die Nachbarschaft herbeizuführen“.