Magdeburg l Im Juli 2019 wurde erstmals öffentlich über den Plan diskutiert, dass Mitarbeiter der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) künftig Fahrzeuge abschleppen lassen dürfen. Wie MVB-Sprecher Tim Stein gegenüber der Volksstimme bestätigte, ist das Vorhaben jetzt in die heiße Phase eingetreten: In diesem Monat erhalten die Mitarbeiter, die das Abschleppen von Falschparkern im Bereich von Gleisen oder auf den für die Busse notwendigen Spuren veranlassen können sollen, die entsprechende Schulung. „Wir gehen somit davon aus, zum Jahresende dann im Auftrag des Ordnungsamts abschleppen zu dürfen“, so die Einschätzung des MVB-Sprechers.

Nach wie vor ist das Thema Falschparker ein Ärgernis für das kommunale Verkehrsunternehmen – und aufgrund der Verspätungen von Bussen und Straßenbahnen auch für dessen Fahrgäste. „Auch in diesem Jahr wirbelten eine Vielzahl von Falschparkern den Fahrplan durcheinander und sorgten für Ausfälle und Verspätungen. Bis Ende Oktober hatten wir insgesamt 50 Störungen, die auf Falschparker zurückzuführen sind“, berichtet Tim Stein im Gespräch mit der Volksstimme.

22 Stunden Verspätung durch Falschparker

Insgesamt hatte dies zu Streckensperrungen, Umleitungen und Nicht-Bedienen von Haltestellen geführt, was zu einer Gesamtzeit von rund 22 Stunden führte, die sich die Fahrzeuge verspäteten. „Pro Falschparker kam es somit zu einer Störungsdauer von im Schnitt 27 Minuten“, resümiert der Sprecher der Magdeburger Verkehrsbetriebe. Unrühmlicher Spitzenreiter in diesem Jahr sind die Genthiner Straße mit der Straßenbahnlinie 4 mit zehn Störungen durch Falschparker, gefolgt vom Mühlberg als Zufahrt zur Porsestraße mit den Buslinien 52 und 54 mit sechs Störungen.

Bei den Mitarbeitern der Magdeburger Verkehrsbetriebe, die künftig außerhalb der Dienstzeiten des Ordnungsamts Falschparker abschleppen lassen dürfen, handelt es sich um die Verkehrsmeister. Das sind jene Mitarbeiter, die im operativen Geschäft tätig sind und beispielsweise bei Unfällen vor Ort sind.

MVB schleppen ab, wenn Stadt außer Dienst ist

Eine der Voraussetzungen, dass ein MVB-Mitarbeiter abschleppen darf ist, dass die Funkzentrale der Stadtverwaltung nicht mehr im Dienst ist. Dies ist normalerweise in den späten Abendstunden der Fall. Diese organisiert tagsüber das Abschleppen von Fahrzeugen – auch im Falle jener Falschparker, die den Weg für die Fahrzeuge der Magdeburger Verkehrsbetriebe versperren.

In einem Gespräch mit der Volksstimme hatte unter anderem der Automobilclub ADAC begrüßt, dass gegen das Falschparken auf den Strecken des öffentlichen Personennahverkehrs vorgegangen wird.

In Magdeburg sind in den Spitzenzeiten neben den Bussen bis zu 72 Straßenbahnen unterwegs. Wenn ein Fahrzeug aufgehalten wird, kann dies weitreichende Folgen haben. Es kann passieren, dass sich so entstandene Verspätungen noch über Stunden im Netz des öffentlichen Personennahverkehrs fortsetzen und dass beispielsweise auch Anschlüsse nicht eingehalten werden können.