Magdeburg l Normalerweise ist der Schatten, der von einer Lichtquelle verursacht wird, schwarz bis grau. Wenn diese aber farbig ist und man dann auch noch zwei unterschiedliche Farbtöne kombiniert, ist auch der Schatten nicht länger eintönig schwarz. Das fand Magdeburgs wohl berühmtester Sohn, Oberbürgermeister und Erfinder Otto von Guericke, bei einem seiner zahlreichen Experimente heraus, weshalb sie auch Guerickes farbige Schatten genannt werden.

Seine Beobachtungen lauteten: „Ebenso lässt sich ... ein vollkommen blauer Schatten auf einem weißen Blatt Papier hervorrufen, wenn man zwischen das unten befindliche Papier und eine brennende Kerze den Finger oder einen anderen Gegenstand hält.“

Weil diese aber noch lange nicht so populär sind wie die allgegenwärtige Luftpumpe, seine bekannteste Erfindung, suchte die Otto-von-GuerickeGesellschaft nach Gelegenheiten, dies zu ändern. „Die farbigen Schatten sind ein Beispiel dafür, dass Guericke mehr als der ‚Luftpumpenfritze‘ war“, sagt Mathias Tullner, Vorsitzender der Gesellschaft.

Von Paris nach Magdeburg

Eines ihrer Mitglieder, der französische Lichtkünstler Yves Charnay, hatte bereits für das Guerickezentrum eine kleine Version geschaffen, das „Licht des Friedens“. Auch im Eingangsbereich des Landtags ist eine Variante davon zu finden, berichtet Tullner. Weil die aber nicht so präsent sind, wurde größer gedacht. Schließlich hatte Charnay auch schon den Champs Elysees in Paris illuminiert.

Zunächst sollte dafür die Johanniskirche genutzt werden. Weil dort aber mittlerweile die farbigen Fenster des Dresdner Malers Max Uhlig installiert sind, war das nicht mehr möglich. Ein weiteres Mitglied der Guerickegesellschaft, die Wohnungsbaugenossenschaft „Otto von Guericke“, wurde daraufhin angesprochen, berichtet Tullner, wo man sofort von der Idee angetan war. „Wir sind froh, das Projekt mit der Genossenschaft als langjährigem Partner realisieren zu können“, erklärt er.

Vorstand Oliver Hornemann bestätigt das. „Wir haben dieses ‚wissenschaftliche Kunstwerk‘ natürlich gerne unterstützt. Da wir die Jakobstraße 34-38 ohnehin gerade saniert haben, hat das gut gepasst“, sagt er. So konnten die aufgebauten Gerüste gleich für die Installation der Lamellen an der Giebelwand sowie der drei Lichtstrahler auf dem Gebäudedach genutzt werden. Weiß, grün und blau leuchten diese nun. Eine Tafel vor Ort wird das Phänomen der Farbschatten erklären und auf das nahegelegene Guericke-Zentrum verweisen.

Farbe entsteht im Gehirn

Am Dienstag, 6. März, ab 19 Uhr werden sie das erste Mal offiziell eingeschaltet. Professor Charnay wird selbst vor Ort sein, um sein Werk in Augenschein zu nehmen. Er erklärt dazu: „Farbe ist weder eine Welle noch ein Pigment oder ein Farbstoff, sie ist weder flüssig noch fest, weder undurchsichtig noch transparent oder reflektierend. Es ist ein Sinneseindruck, den unser Gehirn erzeugt und unser Geist in Kunst umwandelt.“

Und Mathias Tullner verrät bereits: „Wir planen eine weitere Installation auf dem Campus der Universität.“