Magdeburg l Die Magdeburger Welle versiegt, weil Corona in die Landeshauptstadt übergeschwappt ist. Die Ottojaner werden kein Konfetti streuen, der Elferrat wird keine Feier der 67. Session organisieren. Wie der Sprecher des Magdeburger Karnevalsvereins, Siegfried Peter, der Volksstimme verriet, sagen die Ottojaner die alljährliche Karnevalssause schweren Herzens ab. Dazu habe sich der Verein nach langer Überlegung entschlossen.

Kleine Veranstaltung trägt sich nicht

Grund sei die Pandemie und die damit einhergehenden Auflagen. Das Risiko sei zu groß. Die Verantwortung, die mit einer Veranstaltung in der Größenordnung - sofern sie zu diesem Zeitpunkt überhaupt erlaubt ist - einhergeht, könne keiner tragen. „Die Größenordnung müssen wir aber anpeilen, damit wir über die Runden kommen“, so Peter. Eine kleine Veranstaltung trage sich nicht.

Was dies für die Ottojaner bedeutet, können die Karnevalisten derzeit kaum abschätzen. "Es kommt jetzt darauf an, ob die Sponsoren dennoch zu uns stehen", erklärt er. „Denn Kosten wie die Beiträge für den Landes- und Bundesverband, die Unterbringung des Fundus, die Versicherung und so weiter bleiben ja bestehen.“

Kostümverleih bangt um Existenz

Ein herber Rückschlag ist die Absage des Ottojaner-Faschings nicht nur für die Karnevalisten, sondern auch für den Kostümverleih „Wechselbälger“ von Melissa Schöler und Liza Heimburg. Zwar bieten die beiden auch maßgeschneiderte Kleidung an, doch der Kostümverleih macht zur Saison 90 Prozent ihrer Einnahmen aus. Bereits über den Sommer haben sie die Auswirkungen des Coronavirus in ihrer Kasse gespürt.

Anzüge und Fracks, die sie für Hochzeiten und Ähnliches vermieten, waren aufgrund des Veranstaltungsverbots kaum gefragt. „Wir rechnen jetzt auch mit Stornierungen von Halloween-Kostümen“, erzählt Melissa Schöler in Hinblick auf die aktuellen Veränderungen in der Corona-Landesverordnung. Nun also auch noch die Absage des Karnevals. „Wie und ob wir das überstehen, wissen wir nicht“, sagt Melissa Schöler. Eine erste Maßnahme zur „Schadensbegrenzung“ sei jedenfalls der Umzug in die Werkstatt. Vermutlich schon Mitte Dezember werden sie in ihre Arbeitsräume in der Ballenstedter Straße in Lemsdorf ziehen, um die Miete ihres Ladens, der sich derzeit in der Halberstädter Straße befindet, einzusparen.

Übrigens: Auch wenn der Ottojaner-Fasching coronabedingt ausfällt, wollen Magdeburgs Karnevalisten nicht in Vergessenheit geraten und sich etwas Närrisches ausdenken. Was, das können sie noch nicht sagen. Doch, wenn Magdeburg schon nichts zu lachen hat, soll es wenigstens mal lächeln können.