Gastronomie

FCM-Kultkneipe „Silkes Zolleck“ in Magdeburg beschmiert und angefackelt

Kurz vor der geplanten Wiedereröffnung geht die Hecke vor der Magdeburger Kneipe „Silkes Zolleck“ in Flammen auf. Unbekannte beschmieren zudem die Fassade.

Von Konstantin Kraft
Die Hecke vor dem Biergarten von ?Silkes Zolleck? ist am Donnerstagnachmittag in Brand geraten. Eine weitere Hiobsbotschaft: Ende Mai hatten Vandalen die Fassade beschmiert.
Die Hecke vor dem Biergarten von ?Silkes Zolleck? ist am Donnerstagnachmittag in Brand geraten. Eine weitere Hiobsbotschaft: Ende Mai hatten Vandalen die Fassade beschmiert. Foto: Konstantin Kraft

Magdeburg - Schock kurz vor der Wiedereröffnung: Am Donnerstagnachmittag geraten Zaun und Hecke am Biergarten von „Silkes Zolleck“ in Brand. Die Betreiberin, die nebenan wohnt, eilt sofort zu ihrer Kneipe. Auch die Feuerwehr ist umgehend vor Ort. So kann ein Übergreifen auf das Inventar der Kultkneipe, allen voran die FCM-Stadionsitzschalen direkt hinter der verkohlten Hecke, verhindert werden.

Die Schadensbilanz: Der zerstörte Zaun und die Hecke müssen ausgetauscht werden. Das kostet Geld. Woher das nehmen nach der langen Schließzeit? „Wenn ich alleine bin, könnte ich heulen“, sagt Silke Grunert. Mehr als ein halbes Jahr lang konnte die Wirtin in ihrer Kultkneipe an der Zollbrücke coronabedingt keine Gäste mehr empfangen. Nach den Monaten der Entbehrung soll es zur nächsten Woche wieder losgehen. Der Termin steht: „Am Montag werde ich auf alle Fälle öffnen“, sagt Grunert, die schon seit 20 Jahren den Laden schmeißt.

„Das können keine Fans gewesen sein“

Der Brand ist indes nicht die einzige Hiobsbotschaft für die Kult-Wirtin. Ende Mai haben Unbekannte die Fassade an ihrer Kneipe mit einem weiteren Graffito beschmiert. „CB 11. The King“, prangt da jetzt gut sichtbar in Richtung Straße. Wohl eine Würdigung für die FCM-Vereinslegende Christian Beck (CB), mit der Rückennummer 11. Dazu passt, dass die Schmiererei in den Tagen um das letzte Heimspiel des Stürmers Ende Mai an die Wand gesprüht worden war.

Das können keine echten Fans gewesen sein, ist sich Silke Grunert sicher. „Die hätten wenigstens eine blaue Farbe genommen“, sagt sie, nicht ohne sarkastischen Unterton. Gegen die inhaltliche Aussage des Graffito hätte die Wirtin wohl nichts einzuwenden, aber an die Wand ihrer Kneipe geschmiert – noch dazu in einem unansehnlichen Lilaton, der überhaupt nicht zum blau-weißen FCM passt – das geht gar nicht. „Das hat unser Christian nicht verdient“, sagt Grunert, die selbst glühende FCM-Anhängerin ist.

Wiedereröffnung für Montag ist fix

Die Schmiererei ist kein Einzelfall. Schon viele Male sei ihre Kneipe von Vandalen verunstaltet worden. Silke Grunert hat aufgehört zu zählen. Auch die Jalousie ihrer Kneipe ist beschmiert. Sie könne nicht immer Hunderte Euro für die Reinigung zahlen. Vergebliche Mühe. Deshalb lässt sie die Graffiti stehen. Ihre leidvolle Erfahrung: Der nächste Schmierfink würde nicht lange auf sich warten lassen.

Silke Grunert, liebevoll auch „Mutti Zolleck“ genannt, ist Kult im Fußballleben der Magdeburger. Wenn der letzte Fan auf dem Weg zum Heimspiel versorgt ist, sprintet sie selber auf ihren Dauerplatz im Stadion. Kurz vor Abpfiff ist sie dann die Erste, die aufbricht. Sie will rechtzeitig zurück in ihrer Kneipe sein, um die Fans auf dem Heimweg mit einem kühlen Blonden versorgen zu können.

Trotz der jüngsten Hiobsbotschaften soll „Silkes Zolleck“ ab Montag (7. Juni) wieder regulär öffnen. Wer weiß, vielleicht dürfen dort bald auch wieder die ersten Fan-Kolonnen auf dem Weg zum Stadion in der neuen Saison halten.