Magdeburg l „Ich bin überrascht, wie groß die Resonanz ist – aber von beiden Seiten, sowohl von den Helfern als auch den Gästen“, sagt Wilhelm „Willi“ Töller, Betreiber des Sozialkaufhauses „Help 2007“. Die Einrichtung an der Magdeburger Mittagstraße ist am Sonntagmittag erst wenige Minuten geöffnet, da befinden sich die knapp 15 Friseure und zehn Helfer bei der Arbeit bzw. in Gesprächen.

Die Gemeinschaft der Barber Angels Brotherhood (englisch: Bruderschaft der Friseur-Engel) hatte all jene eingeladen, die sich den Besuch bei einem Friseur nicht leisten können. „Das wenige Geld, was wir zur Verfügung haben, müssen wir wohlüberlegt einsetzen. Meistens schneide ich dann die Haare“, sagt eine junge Mutter mit Blick auf ihre zwei Söhne.

Extra aus Paderborn angereist

Aus Scham wolle sie ihren Namen nicht preisgeben, flüstert sie einer Friseurin zu. Doch nach wenigen Minuten ist das Eis gebrochen, beide Frauen unterhalten sich über Haarpflege und Trends. „Es ist mir eine Freude, wenn ich mit dem helfen kann, was ich am besten kann: meinem Handwerk als Friseurin“, sagt Nadine Richter. Sie ist mit ihrem Mann extra aus der Nähe von Paderborn (Nordrhein-Westfalen) angereist, um die Organisatoren Cathrin und Niccoló Gruhn bei ihrem Anliegen zu unterstützen, Obdachlose und Bedürftige für einen Nachmittag aus ihrem Alltag herauszuholen.

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Respektvoll wird von „Gästen“ gesprochen. „Der Zuspruch ist größer als bei den vorherigen Treffen wie etwa am Hauptbahnhof, weil die Atmosphäre im Kaufhaus intimer ist“, schätzt Friseurin Michelle Wesemann während des dreistündigen Einsatzes ein.

Auch Sachspenden und Essen

Fragen nach dem Grund des Erscheinens werden nicht gestellt, Gespräche finden auf Augenhöhe statt. „Durch die Erfahrung vorheriger Einsätze wissen wir, welcher Bedarf an Kleidung und einer Mahlzeit besteht und konnten Unterstützer gewinnen, sich mit Sachspenden und Essen zu beteiligen“, freut sich Friseur-meisterin Cathrin Gruhn.

So hat das Elbelandhaus spontan Suppe vorbeigebracht, die an die Gäste ausgegeben werden kann. Ein Unbekannter drückt den Barber Angels kurzerhand ein Zelt und Isomatten in die Hand, die er extra für die Besucher gekauft hatte. Hin und wieder werden Augen glasig. Vereinzelt fließen auch Tränen. „Ich würde ihnen so gern etwas für den schönen Haarschnitt geben, aber ich habe nichts“, bedauert eine Seniorin. Die einzige Währung, die bei den Friseur-Engeln akzeptiert wird, ist ein Lächeln.

Gegen die Vereinsamung

Wer von den Friseuren noch nicht bedient werden kann, tauscht sich mit Besuchern aus. Oft führe Bedürftigkeit zu einer sozialen Vereinsamung, die mit Hilfe der Barber Angels und ihrer Helfer abgebaut werden soll, beschreibt Niccolo Gruhn den sozialen Aspekt. Beim Nachmittag im Sozialkaufhaus wird dieses Ziel auf jeden Fall erreicht.