Magdeburg l "Das ist ja ein Kunstwerk“, entfährt es dem Nachbarn, als er von Familie Schug zu ihrer Garage gewunken wird. Sofort holt er sein Handy, um Fotos von dem Ungetüm zu machen, das da an der Tür hängt. In der Tat ist das Gebilde ein mehr als ungewöhnlicher Anblick. „Ein alter Kollege fragte mich, ob dort ein geschlachtetes Schwein hängt“, erzählt Lothar Schug lachend.

Am Heiligabend wollte das Ehepaar auf dem Weg zur Bescherung bei den Kindern ihr Zweitauto in der Garage an der Albert-Vater-Straße im Magdeburger Stadtteil Stadtfeld-Ost abstellen. Eine solche erlebte Gisela Schug dann verfrüht, als sie die Tür öffnen wollte. „Ich bekam einen riesigen Schreck“, berichtet sie.

Irgendwann im März hatten sie ihr Auto nach dem Winter geholt und waren seitdem nicht mehr in der Garage gewesen. Die ungestörte Zeit hatten offensichtlich irgendwelche Insekten genutzt, um das „Kunstwerk“ an der Tür zu bauen. Sogar Lothar Schugs Jacke, die dort hing, wurde einfach mit eingesponnen.

Unsicher über Vorgehen

Unsicher waren die beiden zunächst, weil sie nicht wussten, um was es sich bei dem Gebilde handelte. Obwohl Lothar schon die Schippe in der Hand hatte, um es zu entfernen, haben sie dann doch gezögert. Vielleicht geht eine Gefahr davon aus oder womöglich steht es unter Naturschutz?

Die Vermutung, dass es ein Hornissennest sein könnte, wenn auch ein ungewöhnlich großes, ist schnell da. Doch was tun damit? Kommen die Tiere eventuell im Frühling wieder und vermissen dann ihr Heim? „Vielleicht haben sie Eier dort drin gelegt“, mutmaßt Gisela Schug.

Sehr zerbrechlich

Antworten auf diese und alle weiteren Fragen rund um das enorme Insektennest hat Siegfried Köchy. Er ist seit bald 30 Jahren als Schädlingsbekämpfer in Magdeburg im Einsatz und hat in dieser Zeit schon reichlich Hornissennester gesehen. Und doch muss auch er bei der Ansicht der Fotos zugeben: „Solch ein Ausmaß ist schon etwas Besonderes.“ Circa 1 Meter breit und 1,30 Meter hoch ist das Nest, das ganz dünn wie Papyrus ist und bereits bei leichtem Druck zerfällt.

Nach seiner Einschätzung handelt es sich bei dem Gebilde um zwei nebeneinanderliegende Hornissennester. „Sie verfügen nämlich über zwei Öffnungen“, erklärt er. Normalerweise bilden sich solche Nester an Dachgesimsen in Bereichen, wo sich die Dämmung befindet. Aber auch in Garagen gibt es immer wieder welche.

Die Bauweise sei normalerweise eher kugelähnlich. In Tennisballgröße geht es zunächst los. „Andere, langgestreckte Formen nehmen Nester immer dann an, wenn sie sich nicht wie kugelförmig ausbreiten können“, sagt Siegfried Köchy.

Im Hausmüll entsorgen

Den ungewöhnlichen Garagenfund könne man „bedenkenlos entfernen, da die Königin schon längst ausgeflogen ist“, erklärt er weiter. Im Oktober/November gräbt sie sich bis zu 80 Zentimeter tief in den Boden, um dort zu überwintern. Wenn sie sich im Mai wieder befreit, wird an einer anderen Stelle ein neues Nest gebaut. Auch wenn es schade um das „Kunstwerk“ ist, laut Experte kann es einfach im Hausmüll entsorgt werden.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels war von einem Wespennest die Rede. Das ist falsch, es handelt sich um ein Hornissennest. Mehrere Imker haben dies gegenüber der Volksstimme bestätigt.