Magdeburg l In Magdeburg, der ursprünglichen Heimat ihrer alten Familie, lebt heute keiner mehr der von Alemanns. Aus dem nahen Wernigerode, aus Köln, Düsseldorf und sogar Brüssel sind sie aber trotzdem an die Elbe gekommen, um gemeinsam ihrer bis heute bestehenden Verbundenheit zur Stadt ihrer Ahnen Tribut zu zollen. Mindestens 250 Kilogramm schwer ist die Gedenkplatte, die sie am Montagvormittag in der Johanniskirche, in der Nähe des Turmaufgangs einweihen.

Mechthild von Alemann und ihr Neffe Martin enthüllen den sogenannten Epitaph, der an ihren Vorfahren Thomas erinnert. „Er ist nun an einem guten Platz, es ist ein toller Tag für uns“, sagt die Vorsitzende der Familienstiftung. Dieter Scheidemann, als Vorsitzender des Kuratoriums für den Wiederaufbau der Johanniskirche und Vertreter der Stadt anwesend, nennt den restaurierten Epitaph „einen wichtigen Mosaikstein“ in der Stadtgeschichte. „Diese wird immer von den Bürgern und Familien geschrieben“, erinnert er.

Annette von Alemann hatte die Platte schon vor Jahren zufällig bei einem Spaziergang um die Johanniskirche entdeckt. Verschmutzt und unbeachtet hing das kleine Kinderabbild – Thomas starb laut Inschrift mit gerade einmal 15 Wochen – an der Außenwand. Das sollte sich ändern, fand sie.

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Also traf sich die Familie, um gemeinsam zu entscheiden, wie geholfen werden kann. Denn seit 1999 gibt es die von Alemann'sche Familienstiftung, die sich der Förderung der Kultur und Tradition der Stadt Magdeburg verschrieben hat. Damals war festgestellt worden, dass im Grundbuch der Stadt Magdeburg noch zwei Grundstücke, ein Acker und ein Garten, auf die Familie eingetragen sind. Die von Alemanns entschieden sich, sie zu behalten und die Pacht daraus für gemeinnützige Zwecke zu nutzen.

Bis jetzt wurden damit eher kleinere Projekte unterstützt. Doch mit den 8000 Euro, die für die Restauration der über 420 Jahre alten Platte gespendet wurden, haben die von Alemanns für „ihren Kleinen“ das bislang größte Projekt für Magdeburg realisiert. Diplomrestauratorin Ulrike Wende hatte die Arbeiten durchgeführt und dabei noch Neues entdeckt. Denn der bisher als Todestag vermutete 1. Mai entpuppte sich nach der Säuberung als 4. Mai, berichtet sie der Familie. Vermutlich war Thomas der Enkel des Pfarrers Fricke aus der damaligen Ratskirche, weil neben den Wappen der von Alemanns auch seines zu sehen ist.

Obwohl die von Alemanns auf die Geschichte der Stadt mit mindestens über 300 Jahren einen viel längeren Einfluss ausübten als Otto von Guericke, sind sie doch oft nur dafür bekannt, dass Margarethe von Alemann die erste Frau des berühmten Erfinders und Bürgermeisters der Stadt war. Seit dieser Zeit sind 25 bis 30 Generationen vergangen, schätzen die von Alemanns. Auch wenn die Geschichte der Familie bis ins Jahr 1281 zurückverfolgt werden kann, hat niemand von ihnen genau nachgezählt. Heute gehören noch rund 100 Mitglieder zur einstigen Magdeburger Familie.