Magdeburg l „Im Dezember war für uns der Ofen aus“, sagt Jens Märker. Vor acht Jahren hat er die Initiative für die Aerosol-Arena ergriffen. Nun steht fest: Die Einrichtung wird zum 31. August 2020 geschlossen. Zunächst war der Oberbürgermeister informiert worden, später Vertreter der Verwaltung und schließlich Mitglieder des Stadtrates.

Hintergrund der Schließung sei die mangelnde Unterstützung der Stadt gewesen, erklärt Märker, der von der freien Szene in Magdeburg schwärmt, gleichzeitig aber die kommunalen Strukturen kritisiert. Immer wieder seien Zusagen gemacht und dann nicht eingehalten worden, berichtet Märker, oder es seien weitere Forderungen an eine Unterstützung geknüpft worden. Unter anderem sollte die Aerosol-Arena auch ein Baustein der Kulturhauptstadt-Bewerbung sein.

Kulturhauptstadt ohne Aerosol-Arena

Die Betreiber der Aerosol-Arena hätten dafür Konzepte geschrieben, unter anderem sei vereinbart worden, dass die Stadt eine Machbarkeitsstudie finanziert, um eine gute Basis für das Projekt zu liefern. Dann seien die Betreiber jedoch darum gebeten worden abzuwarten, bis klar ist, ob die Stadt Magdeburg eine Runde weiter sei. Allerdings: Als Magdeburg eine Runde weiter war, sollten die Unterlagen erneut überarbeitet werden, erklärt Märker.

„Nach acht Jahren strukturellen Wiederstandes geben wir den Kampf in Magdeburg auf“, erklärt Märker in einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt. Das grundsätzliche Vertrauen in eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Stadt Magdeburg sei durch die mehr als ungünstigen Entwicklungen keiner Basis mehr zuzuführen.

Märker findet es bedauerlich. Er hatte das Projekt 2012 initiiert – ursprünglich als Spielplatz für seine Kollegen aus der Graffiti-Szene, wie er gestern erklärt. Alles, was daraus geworden sei, sei dem positiven Zuspruch aus der Szene zu verdanken gewesen. Im Rahmen von Festivals – für diese gab es zweimal einen Zuschuss der Stadt – konnten internationale Graffitikünstler nach Magdeburg geholt werden. Den Namen Aerosol-Arena wollen die Macher nun mitnehmen, haben der Stadt bereits die weitere direkte und indirekte Nutzung, auch im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung, untersagt.

Aerosol-Arena in einer anderen Stadt

Die Geschichte der Aerosol-Arena soll andernorts fortgeschrieben werden. Wo genau, sei noch nicht klar. Zunächst müsse das Projekt in Magdeburg abgeschlossen werden. Märker erinnerte gestern im Volksstimme-Gespräch, dass das Projekt der Aerosol-Arena international auf Interesse gestoßen sei. Sowohl in Spanien, als auch in Frankreich und Italien sollten die Macher das Projekt vorstellen.

Die Stadtverwaltung hat gestern eine Informationsvorlage veröffentlicht, in der sie die Abläufe, die zur Schließung führten ähnlich schildert. Die Macher hätten es abgelehnt, weitere Unterlagen beizubringen und ohne Rücksprache die Schließung des Projektes angekündigt. Das Fazit vom Kulturbeigeordneten Mathias Puhle darin lautet lapidar: „Diese Entwicklung ist zwar bedauerlich, wird aber zu keinerlei Schwächung der Kulturhauptstadtbewerbung Magdeburgs führen.“