Magdeburg l Geschlossene Schulen und Kitas, Kurz- oder Heimarbeit, Kontaktverbote: Die Herausforderungen für Familien sind in der Corona-Krise groß. Hinzu kommen, je länger die Beschränkungen andauern, Zukunftsängste. Experten warnen bereits vor einem Anstieg häuslicher Gewalt in der Corona-Krise.

Diese Gefahr sieht auch die Opferschutzorganisation Weißer Ring. „In der Corona-Krise wird es zu deutlich mehr Fällen von häuslicher Gewalt kommen als sonst. Die Corona-Krise zwingt die Menschen, in der Familie zu bleiben, hinzu kommen Stressfaktoren wie finanzielle Sorgen und Zukunftsunsicherheit. Diese Spannung kann sich in Gewalt entladen. Wir kennen das von Festtagen wie Weihnachten. Wenn die Menschen tagelang zu Hause sind, gehen die Fallzahlen in die Höhe. Die Kontaktsperre wegen Corona dauert aber sehr viel länger als Weihnachten, die Stressfaktoren sind auch größer“, sagt Gudrun Schulz, die Leiterin der Magdeburger Außenstelle des Weißen Rings.

Polizei: "Gewisses Dunkelfeld"

Konkrete Zahlen aus den vergangenen gut drei Wochen, seit die Kontaktsperren auch in Magdeburg gelten, gibt es von seitens der Polizei Magdeburg nicht. Häusliche Gewalt wird in der Statistik nicht als eigenständiger Punkt registriert, sondern fällt unter den Oberbegriff der Körperverletzung. Polizeisprecher Sebastian Alisch erklärte auf Nachfrage: „Im Moment können wir keinen signifikanten Anstieg von Fällen häuslicher Gewalt feststellen. Es gibt aber sicher ein gewisses Dunkelfeld. Die Polizei kann nur das registrieren, was auch tatsächlich zur Anzeige gebracht wird.“

Gudrun Schulz vom Weißen Ring Magdeburg ist sich sicher: „Die Gewalt geschieht jetzt, sichtbar wird sie aber erst, wenn die Kontaktsperren aufgehoben sind. Unsere Erfahrungen sind: Betroffene melden sich nicht, solange sie mit den Tätern auf engem Raum zusammensitzen.“ Sie rät Betroffenen dringend, sich Hilfe zu holen. „Häusliche Gewalt ist keine Privatangelegenheit. Wir als Weißer Ring bieten dazu unser Opfertelefon an. Dieses ist kostenlos unter der Nummer 116 006 und an sieben Tagen in der Woche von 7 bis 22 Uhr zu erreichen. Auch eine Online-Beratung unter www.weisser-ring.de  ist bei Bedarf möglich. Diese wird durch speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchgeführt. In Magdeburg erreichen Betroffene den Weißen Ring unter der Rufnummer 0391/727 10 45. Durch die ausgesprochenen Kontaktsperren ist gegenwärtig aber nur eine telefonische Beratung möglich“, so Gudrun Schulz. Ganz wichtig sei: „Rufen Sie in einer Gefahrensituation die Polizei unter 110“, so die Außenstellenleiterin der Opferberatung.

Hilfe und Unterstützung finden Eltern und Kinder enenso bei Beratungsstellen der Landeshauptstadt Magdeburg und deren Partner. Die persönliche Betreuung ist derzeit zwar ausgesetzt, dennoch kümmern sich die Fachkräfte nach wie vor telefonisch und per E-Mail um Eltern und Familien. Dazu gehören: Psychologische Erziehungs- und Familienberatungsstelle der Landeshauptstadt Magdeburg, Telefon 607 49 80; Psychologische Beratungsstelle, Ehe-, Lebens- und Familienberatung des Caritas-Regionalverbandes, Telefon 818 58 57; Pro-Familia-Beratungsstelle, Telefon 252 41 33; Magdeburger Stadtmission, Telefon 532 49 13 sowie Wildwasser Magdeburg, Telefon 251 54 17.