Magdeburg l Ein wenig der großstädtischen Enge aus der Vorkriegszeit ist im südlichen Stadtzentrum in Magdeburg bis heute zu spüren. Die Folge: Fußgänger, Radfahrer, Busse und Straßenbahnen sowie private und gewerbliche Kraftfahrzeuge müssen hier auf für Magdeburger Verhältnisse wenig Raum auskommen. Daher ist hier kein Platz für Raser.

Zwar gilt deshalb Tempo 30 – doch nicht immer halten sich Autofahrer an diese Vorgabe. Beschlossene Sache ist daher im Stadtrat: Die Fahrbahn soll so gestaltet werden, dass Raserei unmöglich ist. Der Stadtrat hatte mit knapper Mehrheit im August 2019 einen entsprechenden Antrag der SPD-Ratsfraktion befürwortet.

Während der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr berichtete nun Tiefbauamtsleiter Thorsten Gebhardt darüber, dass derzeit daran gearbeitet wird, wie die Vorgabe umgesetzt werden soll. „Fest steht, dass wir keine Plasteschwellen in schwarz-gelber Markierung installieren werden.“ Diese Variante ist es, die vielen Menschen vorschwebt, wenn es um das Ausbremsen von Rasern geht.

Bilder

Schwellen haben Nachteile

Doch sie hat auch Nachteile. So wären sie auch für Radfahrer ein Hindernis, die schon jetzt in den seltensten Fällen im Bereich des Hasselbachplatzes die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschreiten. Selbst wenn sie langsam überfahren werden, sorgen sie für Erschütterungen im Fahrzeug, was unter anderem für den Transport von medizinischen Notfällen im Rettungswagen problematisch ist. Und außerdem sind solche Temposchwellen auch ein Quell für Lärm – gerade wenn sie von schweren Fahrzeugen wie Lkw überquert werden, die die umliegenden Geschäfte beliefern.

Thorsten Gebhardt: „Wir denken eher an sogenannte ,Kissen‘.“ Dabei handelt es sich um eine langgezogene Erhöhung der Fahrbahn. Vorn und hinten verfügen sie über Schrägen, so dass die Fahrzeuge sie in angemessener Geschwindigkeit befahren können.

Eine ähnliche Konstruktion ist aus Magdeburg beispielsweise von der Salvador-Allende-Straße in Höhe des Übergangs zwischen dem Neustädter See und dem Weg zwischen dem Zoo und dem Schulkomplex an der Pablo-Neruda-Straße bekannt. Wie dort wolle die Stadt auch kein fertiges System kaufen und installieren, sondern die Schwelle an dieser Stelle als Bestandteil in die Straße einfügen lassen. Eine zeitliche Perspektive für die Umsetzung eines solchen Plans gab es noch nicht.

Wellen wären Variante

CDU-Stadtrat Frank Schuster hatte derweil auch auf aus anderen Städten bekannte Varianten hingewiesen: Eine Art langgezogene Bodenwelle zwingt hier die Autofahrer, ihre Geschwindigkeit zu drosseln. Mutmaßlich wäre eine solche Gestaltung für jene, die sich an das Tempolimit halten oder die mit dem Fahrrad unterwegs sind, noch komfortabler zu befahren als die kleinen Rampen, die auf das aufgemauerte Kissen hinaufführen.

Angesichts der Corona-Krise hat der Betrieb auf dem Magdeburger Hasselbachplatz zwar ein wenig nachgelassen. Doch nach und nach werden in den kommenden Wochen die Einzelhändler und die Gastronomen wieder ihr Geschäft aufnehmen, und der Publikumsverkehr auf dem zentralen Platz im südlichen Stadtzentrum wird wieder spürbar zunehmen.