Magdeburg l Relativ voll war das Bürgerhaus in Randau, nicht so voll wie erwartet, einige Stühle blieben frei, aber immerhin gut gefüllt. Grund für das Aufgebot von etwa 30 Einwohnern war eine Infoveranstaltung des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW). Dessen Mitarbeiter informierten über die kommenden Maßnahmen zur Ertüchtigung der Deiche. Explizit ging es dabei um den Teilabschnitt zwischen Grünewalde, noch auf Schönebecker Flur und der Grenze zwischen Prester und der Kreuzhorst.

Der rechte Elbehauptdeich, der derzeit die ostelbischen Stadtteile vor einem Hochwasser schützen soll, hat ein Problem: „Er entspricht nicht den aktuellen Anforderungen und Regeln der Technik“, beginnt Martin Freimuth, vom Fachbereich Planung und Bau des LHW, den rund 45-minütigen Vortrag, den er und sein Kollege, der Projektleiter Reimann, vor den Randauern halten.

Das sei laut dem LHW-Mitarbeiter ein großes Problem, denn die Vorschrift DIN 19712, die 2001 auf der Elbeministerkonferenz beschlossen wurde, hat klare Anforderungen an den Deichbau. Dazu zählt unter anderem, dass der Deich über eine befestigte, zum Beispiel asphaltierte, Krone verfügen muss, aber auch, dass ein befestigter Deichverteidigungsweg sowie eine Böschungsneigung im Verhältnis von 1:3 bestehen muss. „Und diese Neigung haben wir hier definitiv nicht“, so der Experte.

Wenn der bestehende Deich ertüchtigt werde, müsse zudem ein Deichschutzstreifen sowie ein gehölzfreier Streifen, in Summe rund 15 Meter, vorhanden sein. Damit dies auch erreicht wird, wird der Damm um einiges breiter ausfallen, als er bisher ist. Gut zu sehen ist das in Pechau, wo der Deich bereits vollkommen ertüchtigt wurde.

Keine Massentransporte durch den Ort

Neben diesen technischen Aspekten hatte sein Kollege Reimann noch eine viel wichtigere und vor allem frohe Botschaft für die Randauer im Gepäck. „Es wird keine Massentransporte durch den Ort geben“, so Reimann. Stattdessen werde man eine Arbeitsstraße durch die Kreuzhorst anlegen, deren Breite in etwa fünf Meter betragen werde. Somit werde die Ortschaft enorm entlastet. „Natürlich kann es im Einzelfall auch mal zu Ausnahmen kommen“, so Reimann weiter. „Gerade wenn schweres Gerät zur Baustelle muss.“ Ausschließen lasse sich so etwas nicht. Zumindest müsse der Erdaushub dann nicht mehr durch Randau gefahren werden. Dabei geht es immerhin um mehrere Hundert Fahrten.

Beim jetzigen Planungsstand handle es sich übrigens um die Ideallösung für den Verlauf des Deiches. Auch eine Umverlegung der Deichanlagen sei im Gespräch gewesen. Jedoch würden die Baumaßnahmen dann rund acht Jahre dauern und die Kreisstraße dann über diesen Deich führen. Ein Aufwand, der sich einfach nicht lohne und die Einwohner zu sehr belasten würde. Auch auf die geplante Deichbegradigung im Bereich der Kreuzhorst habe man verzichtet, dafür hätten rund 60 Hektar Bewirtschaftungsfläche wegfallen müssen.

Keine Fällungen auf der Elbseite

 So sei nun nur ein Streifen von rund 2,4 Hektar betroffen. Natürlich liege für die Umwandlung des vorhandenen Waldes auch eine Genehmigung vor. „Auf der Elbseite wollen wir außerdem auf eine Fällung von Bäumen verzichten“, so Reimann weiter. Ausgenommen davon seien kranke Bäume. Die müssten weg. Doch wann könnte der Bau denn nun wirklich beginnen? Das hänge von der Einhaltung des aktuellen Zeitplans ab.

Zunächst einmal sind vorbereitende Maßnahmen nötig. Für die Bereiche Randau und Kreuzhorst ist hier die Terminierung fast gleich. So sollen im September dieses Jahres und Oktober die Kampfmittelsondierungen stattfinden. Parallel dazu werden auch die archäologischen Arbeiten beginnen. Die Erschließung der Baustelle ist in der Kreuzhorst ab Oktober und in Randau einen Monat später geplant. Mit der Bauausführung wird im selben Monat in Randau begonnen. 2021 sei dann der Baustart in der Kreuzhorst geplant.

Radwegumleitung bleibt drei Jahre bestehen

Für Reimann besonders wichtig sei auch die Umleitung für die Radfahrer. „Immerhin bleibt diese die nächsten drei Jahre noch bestehen“, so der Projektleiter. Deswegen werde man zusätzliche Warnbaken und Karten aufstellen, damit nicht doch jemand zufällig in die Baustelle gerate. Eine Abkürzung durch die Kreuzhorst sei leider nicht möglich. „Da macht uns der Naturschutz einen Strich durch die Rechnung.“ Salopp gesagt, da bereits ein Radweg von Prester bis nach Randau an der Kreisstraße besteht, ist ein anderer nicht nötig.

Cracau und Prester werden bereits geplant

Auch an der weiteren Ertüchtigung der Deichanlagen weiter nördlich im Bereich Cracau und Prester wird bereits geplant. Jedoch gibt es hierfür noch keinen zeitlichen Rahmen. Fest steht bisher nur, dass der Deich in Prester nicht ganz so breit werde wie beim aktuellen Bauprojekt, da man mit Winkelstützelementen arbeite, die 70 bis 170 Zentimeter hoch sind. Wenn man die jetzige Asphaltkante auf der bestehenden Deichkrone betrachte, werde man rund acht Meter nach Osten erschließen.

Dort werde dann eine Umzäunung errichtet. „Somit müssen wir nicht private Grundstücke betreten, wenn wir den Deich zum Beispiel warten.“ Erste Gespräche laufen bereits mit den Eigentümern der betroffenen Grundstücke. In Cracau sei die Situation noch idealer. Dort sei die vorhandene Fläche so groß, dass man nicht auf andere Grundstücke bauen müsse. Auch hier kommen wieder die Winkelstützelemente zum Einsatz. Diesen und nächsten Monat sollen dafür in den beiden Stadtteilen Baugrundsondierungen erfolgen.

Die Randauer zeigten sich nach der Infoveranstaltung durchaus zufrieden. Vor allem der Umstand, dass nun endlich mit dem Bau begonnen wird und keine Massentransporte durch den kleinen Ort stattfinden werden, wirkte sich positiv auf die Gemüter aus. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass ein Jahrhunderthochwasser auch die nächsten Jahre ausbleibt.