Magdeburg l Zwischennutzungen hat es in Magdeburg schon mehrfach gegeben. Ob nun mit kleinen Konzerten in leeren Geschäften oder als großangelegte Veranstaltungen im Wissenschaftshafen oder der ehemaligen Justizvollzugsanstalt. Dass Zwischennutzungen auch längerfristig funktionieren können, zeigt ein aktuelles Beispiel in Magdeburg sehr gut: der Statt.Feld.Strand.

Der Eigentümer der Fläche am Olvenstedter Platz hat seine Fläche bis zum Baustart auf dem Gelände nicht nur zur Verfügung gestellt, sondern sich selbst bei der Gestaltung eingebracht. Wer vorher Zweifel hatte, wird nun eines Besseren belehrt. „Auf dem Platz ist eigentlich immer was los“, erzählt die Stadtfelder Geschäftsstraßenmanagerin Franziska Briese. Teilweise müssten die Leute anstehen, um dort Volleyball spielen zu können, erzählt sie.

Viele leere Läden in Magdeburg

Initiativen wie solche müsste es in der Stadt viel öfter geben, ist sie überzeugt, nicht nur auf ungenutzten Außenflächen, sondern auch in leeren Ladengeschäften, von denen es in Magdeburg-Stadtfeld zahlreiche gibt, die seit Jahren nicht genutzt werden.

Inspiration und Anregung gab kürzlich ein Vortrag und Workshop der Zwischenzeitzentrale (ZZZ) aus Bremen. Etwa 40 bis 50 Magdeburger nahmen am Vortragsabend teil. Die ZZZ ist zwar eine unabhängige Agentur, wird aber von der Freien Hansestadt und den unterschiedlichen Senaten mitfinanziert.

Nutzung belebt Stadtteil

Die Formel ist dabei denkbar einfach: Leerstand plus Nutzungsidee plus geringe Miete ergibt Instandhaltung, Belebung und Berufschancen.

In der Realität stellt sich das oft aber anders dar. Diese Erfahrung hat auch Franziska Briese gemacht. Zum einen sei es nicht immer einfach, Eigentümer überhaupt ausfindig zu machen, zum anderen gehöre viel Überzeugungsarbeit dazu, die Läden für alternative Nutzungsmöglichkeiten zu bekommen. Gegenüber kurzfristigen Veranstaltungen wie Konzerten oder Ausstellungen seien Eigentümer aufgeschlossen, schwierig werde es bei längerfristig angelegten Projekten.

Einzelhandel wird Magdeburg nicht retten

Franziska Briese ist überzeugt: „Der Einzelhandel wird uns nicht retten.“ Und wer sein Geschäft seit Jahren nicht vermieten konnte, dürfte auch in Zukunft Schwierigkeiten haben, einen Mieter zum Beispiel aus dem Bereich Einzelhandel zu finden. Ihrer Ansicht nach sollten Vermieter und Eigentümer auch an ihre Hausgemeinschaften denken. Ein Künstleratelier, in dem abends vielleicht noch Licht brennt, würde sich positiv auf den Gesamtstandort auswirken.

Aber auch an gesetzlichen oder bauordnungsrechtlichen Vorschriften würden Vorhaben scheitern. Sie wisse, dass es viele Tagesmütter gebe, die gern ein leeres Ladengeschäft nutzen würden. Aber dann fehle ein weiterer Fluchtweg, eine Brandschutzdecke oder ähnliches und der Laden bleibe leer.

Erneuter Versuch geplant

Vor etwa einem Jahr habe die Geschäftsstraßenmanagerin schon einmal versucht, Eigentümer an einen Tisch zu bringen. Doch von zehn angeschriebenen Ansprechpartnern habe sich nur einer zurückgemeldet. Sie wolle es in naher Zukunft noch einmal versuchen.

Vor allem die Große Diesdorfer Straße müsse in den Fokus gerückt werden. „So wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben“, ist Briese überzeugt. Als positives Beispiel für die Belebung von Straßen nennt sie die Klosterbergestraße. Aus dem einstigen temporären Projekt sind inzwischen Gewerbetreibende geworden.

Leere Objekte als Abschreibungsobjekte

In Paris gebe es eine Strafsteuer auf leerstehende Räume. In Deutschland dagegen würden leerstehende Gebäude noch als Abschreibungsobjekte genutzt.

Berücksichtigt werden müsse allerdings immer auch, ob es sich um strukturellen Leerstand handle. Was alle befragten Interviewpartner befürworteten, ist eine Art Börse, auf der Eigentümer leerstehende Immobilien für neue Nutzungsideen eintragen und Interessenten ihre Projekte einstellen könnten. Franziska Briese ist überzeugt: Auf solche Ideen für neue Nutzungen wird es in der Zukunft ankommen.