Magdeburg l Seit Jahren gibt es in Magdeburg eine Liste mit den gefährdeten Kulturdenkmalen. Und Jahr für Jahr beugen sich Stadträte und Vertreter der Stadtverwaltung über die Liste: Was hat sich verändert? Wohin geht der Trend? Die Entwicklung erläutert hat im Bauausschuss Michael Ertl, Chef der Unteren Denkmalschutzbehörde. Die Zahl der verwahrlosten denkmalgeschützten Häuser in Magdeburg ist zwar innerhalb eines Jahres konstant bei 154 geblieben.

Trotzdem positiver Trend

Dennoch macht die Magdeburger Bauverwaltung einen positven Trend aus: Nicht nur, dass die Liste nicht weiter angewachsen ist. Vielmehr zeigen sich an vielen Stellen der Stadt erfreuliche Aktivitäten. Insbesondere scheint es sich in diesem Zusammenhang zu lohnen, wenn die Stadt markante Viertel zu Fördergebieten macht.

So ist in den vergangenen Monaten eine Konzentration von Sanierungsvorhaben und Instandsetzungen auf der Buckauer Insel zwischen Freier und Dodendorfer Straße zu verzeichnen. 20 Vorhaben sind hier im Gange. „Wir haben den Eindruck, dass hier einer den anderen nachzieht“, so die Einschätzung von Michael Ertl.

Altstadt und Buckauer Insel

Als Positivbeispiele erwähnt er auch die nördliche Altstadt. Hier laufen derzeit Arbeiten in der Virchowstraße gegenüber der Elbeschwimmhalle und – als Großprojekt – auf dem Gelände des früheren Altstädtischen Krankenhauses. In beiden Fällen werden auf diese Weise nach jahrelangem Leerstand Baudenkmale mit neuem Leben gefüllt.

Von den markanten Bauwerken, die perspektivisch von der Liste der Schrottimmobilien verschwinden werden, gehört auch der Sudturm an der Sieverstorstraße. Eine statische Untersuchung soll klären, ob ein Erhalt des Gebäudes möglich ist. Ziel ist dies allemal: In einem Konzept für die Entwicklung der Brache der früheren Bördebrauerei war dieses Gebäude bereits als neuer Ort für Gastronomie benannt wurden.

Miteinander reden hilft

Magdeburgs Baubeigeordneter Dieter Scheidemann sagt mit Blick auf die Trends: „Wir beobachten, dass aktuell Bewegung in das Thema gekommen ist – und das ist natürlich positiv.“

In den vergangenen Monaten hat es aber auch Ordnungsverfügungen gegeben – sprich: Eigentümer wurden aufgefordert, etwas für ihr Baudenkmal zu tun. Bei zwei Gebäuden sind entsprechende Arbeiten in die Gänge gekommen. Ziel, so Michael Ertl, sei der Dialog mit dem Eigentümer, damit er sich selbst um die Sicherung kümmert.

Allerdings gibt es auch Fälle, bei denen Rechtsmittel ausgeschöpft würden, in denen sich der Immobilieneigentümer also nicht an die Vorgaben der Stadt hält. Dann kann es zu sogenannten Ersatzvornahmen kommen, bei denen die Stadt selbst eine Baufirma mit den aus ihrer Sicht erforderlichen Arbeiten beauftragt. Pro Objekt kommen dann etwa 20.000 bis 30.000 Euro auf die Stadtkasse zu.

Beispielhaftes aus Südost

Ob das Geld irgendwann zurückgezahlt wird, ist offen: Trotz guter Argumentation und Vorbereitung einer Aktion zur Sicherung eines Gebäudes kann ein Gericht zu einer anderen Einschätzung kommen. Und bei einigen denkmalgeschützten Gebäuden ist es bis heute schwierig, überhaupt den Besitzer zu erreichen, da sein Aufenthaltsort unbekannt ist. Und in anderen Fällen stellt sich die Lage angesichts verzweigter Erbengemeischaften als schwierig dar.

Der Baubeigeordnete Dieter Scheidemann verweist auf ein Gemeinschaftsprojekt im Südosten Magdeburgs: „Beispielhaft läuft unsere Zusammenarbeit mit Haus und Grund im Fermersleben, Salbke und Westerhüsen.“ Es handelt sich um das KIQ-Management (Kooperation im Quartier). Die Zusammenarbeit sei von Vorteil, da die Hauseigentümergemeinschaft unter anderem über Finanzierungsmöglichkeiten informieren kann. „Und wir können bei behördlichen Genehmigungen und bei Erläuterungen zu Fördermittelanträgen behilflich sein“, so der Baubeigeordnete.

Klimawandel wird Thema

Während bei vielen Wohnhäusern die Sanierung oft möglich wird, hat die Stadt aber auch andere denkmalgeschützte Gebäude auf ihrer Liste: historische Industrienalgen. In einigen Fällen wie bei der Skethalle an der Schönebecker Straße, in die Edeka einziehen möchte, oder auf dem Schlachthofgelände, besteht Hoffnung. Bei anderen Gebäuden wie auf dem RAW-Gelände in Salbke sieht die Lage hingegen eher düster aus.

Neben der Verwahrlosung wird für die Denkmalschützer derweil auch der Klimawandel mehr und mehr zum Thema. Sturm und Starkregen dürften auch für Gartendenkmale in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, so Michael Ertl.

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