Magdeburg l Schalter und Schilder zeugen noch von der Zeit, in der Tausende Arbeiter den Magdeburger Industriestandort zum Schichtdienst ansteuerten und an der Ecke Freie Straße/ Marienstraße auf dem großen Sket-Areal die Poliklinik aufsuchten. Unübersehbar ist der Verfall. Die Mauern des denkmalgeschützten Baus, dessen drei Abschnitte zwischen 1870 und 1912 entstanden waren und in dem viele Umbauten umgesetzt wurden, sind zwar noch in einem guten Zustand. Doch Dach und Deckenbereich weisen erhebliche Schäden auf.

Die CWG GmbH & Co. Magdeburger Projekt KG hat das Gebäude mit dem Ziel erworben, es zu erhalten und darin Eigentumswohnungen zu schaffen. Insgesamt seien 32 Wohnungen mit Flächen zwischen 60 und 100 Quadratmeter geplant, so Diplom-Ingenieur Calogero Sciarrotta von CWG. Es gebe bereits Interessierte, obwohl die Sanierung noch nicht begonnen habe.

Zwei- bis Vierraumwohnungen geplant

Die Zwei- bis Vierraumwohnungen umfassen u. a. Loggien. Für den Bereich des ehemaligen Speisesaals sind Dachterrassen vorgesehen, verweist Diplom-Ingenieur Peter Schube, der als Architekt die Entwicklung des Millionenprojekts übernimmt. „Die Wohnungstypen in den drei Bauteilen stellen sich sehr differenziert in ihrer Charakteristik dar. Auch die Geschosshöhen werden sich unterscheiden, was der unterschiedlichen Gebäudesubstanz geschuldet ist.“

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Eine der Besonderheiten: Im rückwärtigen Bereich werden Flächen geschaffen, die Wohnen und Arbeiten verbinden. Im Bebauungsplan für das Bauprojekt ist festgelegt worden, dass ein kleiner Teil an gewerblichen Flächen entstehen soll. Daher sei ein Loftszenario entwickelt worden, das Bewohnern ermöglicht, sich ein Büro einzurichten, das über einen eigenen Zugang verfügt.

Einst werkeigenes Kaufhaus

Das Bauwerk ist bis zur Schließung des Magdeburger Traditionsbetriebes kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands unterschiedlich genutzt worden. Die frühere Poliklinik wurde einst als Konsumgebäude der Krupp-Gruson-Werke genutzt – eine Art werkseigenes Kaufhaus nicht für Waren des täglichen Bedarfs wie Butter und Käse, sondern auch für Kleidung.

In den Räumen des Zwischenbaus des Objektes waren Mitarbeiterräume und Toiletten eingerichtet, im hinteren Bereich des Gebäudes ein Mitarbeiter-und Beamtencasino, der Speisesaal. Es ist nach dem Zweiten Weltkrieg – wie auch die benachbarte ehemalige Fabrikantenvilla (deren Eigentümer ebenfalls eine Sanierung plant) – als Poliklinik genutzt worden. Auf dem gemeinsamen weitläufigen Gelände, das bis zur alten Schmiede (heute als Fitnessstudio genutzt) reicht, werden für die Bewohner Stellplätze geschaffen.

Abriss beginnt im ersten Quartal 2019

Noch im ersten Quartal 2019 werden laut Calogero Sciarrotta die Abrissarbeiten an der Poliklinik beginnen. „In diesem Jahr soll der Rohbau inklusive der Dächer fertiggestellt werden. Im Laufe des kommenden Jahres werden die Wohnungen schrittweise fertig.“

Die Wiederbelebungspläne für die Sket-Poliklinik sind wie andere Vorhaben auch, die derzeit bereits unter anderem an der Sudenburger Straße angepackt werden, ein Zeichen für die Stadt, dass die Ausweisung des Gebiets der sogenannten Buckauer Insel erfolgreich ist. Damit soll die Aufwertung des Gebiets zwischen Warschauer Straße, Freie Straße und Dodendorfer Straße vorangetrieben werden, indem Eigentümern und Investoren finanzielle Anreize etwa über Abschreibungen gegeben werden.

Schrottimmobilien retten

Als Vorbild dient der Stadtteil Buckau, wo vom Verfall bedrohte Häuser (die umgangssprachlich auch Schrottimmobilien genannt werden) in jüngerer Vergangenheit bereits in großer Anzahl gerettet werden konnten.