40 Jahre Neu-Olvenstedt

In Magdeburger Neubausiedlung ging es in Gummistiefeln zur Arbeit

Baukräne, Tieflader, Betonplatten – in mehreren Bauabschnitten ist ab 1981 der Wohnkomplex (WK) Olvenstedt in Magdeburg entstanden. Volksstimme-Leser erinnern sich.

Von Marco Papritz
Diese Aufnahme von der Bebauung des Kurvenbereichs im Bruno-Taut-Ring entstand 1983. Hier ist auch die Straßenbahntrasse errichtet worden, die 1984 eröffnet wurde.
Diese Aufnahme von der Bebauung des Kurvenbereichs im Bruno-Taut-Ring entstand 1983. Hier ist auch die Straßenbahntrasse errichtet worden, die 1984 eröffnet wurde. Foto: Hubert Rauch

Magdeburg. Speziell der zweite Bauabschnitt des großen Siedlungsbaus, der auf einer Ackerfläche zwischen dem Stadtteil Nordwest und dem eingemeindeten Dorf Alt-Olvenstedt umgesetzt wurde, zog in den 1980er Jahren das Interesse von Hubert Rauch auf sich, da „wir hier demnächst im Bruno-Taut-Ring unsere neue Wohnung bekommen sollten“. Die habe der Leser und dessen Familie auch von der damaligen AWG „Otto von Guericke“ zugewiesen bekommen. Im November 1983 erfolgte die Wohnungsvergabe per Verlosung, da das Interesse an einem Einzug in die neuen Wohnhäuser im Neubauviertel groß und die Wartelisten entsprechend lang waren. Familie Rauch hatte das Glück, eine der modernen Wohnungen, die unter anderen über eine Fernwärmeversorgung, einen Balkon und ein innenliegendes Bad sowie einen Keller verfügten, zu erhalten. Auch heute noch sei man Mitglied der Genossenschaft, die mittlerweile Wohnungsbaugenossenschaft „Otto von Guericke“ (kurz OvG) heißt, so Hubert Rauch.

Umzugsunternehmen ausgebucht

Die Zeit von einst beschreibt er als Abenteuer, da im direkten Umfeld an den Wohnblöcken sowie der Straßenbahnstrecke gebaut wurde, die im April 1984 in Betrieb genommen wurde. „Allerdings mussten wir hier auch unsere Aufbaustunden leisten“, verweist er auf Kabelgräben, die mit Spitzhacke und Spaten ausgehoben wurden. Bei dem schwierigen Untergrund „hatte damals schon so manch eine Baumaschine und Baggerschaufel ,tschüss’ gesagt ...“

Eher „Hallo“ sagte 1988 Anke Steffens zu ihrer Wohnung, die am Roggengrund nahe dem Sternsee bezogen werden konnte. „Die Wohnungen waren zwar bezugsfertig, das Umfeld war da aber noch eine Großbaustelle“, erinnert sich die Leserin. Straßen zum Beispiel wurden gerade erst angelegt. Entsprechend bestimmt der Schmutz das Bild. „Aus diesem Grund sind wir mit Gummistiefeln zur Arbeit gefahren“, so Anke Steffens. Zum Zeitpunkt des geplanten Umzuges war kein Umzugsunternehmen zu bekommen, „da alle ausgebucht waren“. Erst durch eine Zufallsbegegnung im Rahmen ihrer Arbeit bei einer Zeitung konnte das Problem gelöst werden und damit der Einzug in die Neubauwohnung erfolgen. „Das Umzugsunternehmen gibt es heute noch“, so die Leserin.

Zwei Jahre nach Anke Steffens ist Detlef Ohm mit seiner Familie von der Alten Neustadt an den Roggengrund gezogen. Auch da türmten sich noch Berge an Erde sowie Baumaterialien auf den unbefestigten Straßen. „Wir waren eine harmonische Gemeinschaft und hatten uns einen Partykeller gebaut, der in den ersten Jahren auch bei allen gut ankam“, erinnert sich der Leser gern zurück. Es seien einige Feiern dort gefeiert worden. Mitte der 1990er Jahre tauschte die Familie die Wohnung in Magdeburg gegen etwas Eigenes vor den Toren der Stadt ein.

Erinnerungen gesucht

Welche Erinnerungen haben Sie an die Entstehung des Wohngebietes im Westen der Stadt, zum Beispiel an Ihren Einzug? Oder waren Sie am Aufbau von Neu-Olvenstedt als Planer oder Bauarbeiter beim Wohnungs- oder Straßenbau beteiligt oder haben in einer der Kindereinrichtungen gearbeitet? Schreiben Sie unter Stichwort „Neu-Olvenstedt“ Ihre persönliche Geschichte oder Erinnerung an Ihre Zeit in Neu-Olvenstedt an die Volksstimme Lokalredaktion, Bahnhofstraße 17, 39104 Magdeburg. Sie können sich auch telefonisch unter 0391/599 95 50 sowie per E-Mail an marco.papritz@volksstimme.de mit Ihrem Namen und Ihrer Telefonnummer melden, um Ihre Erinnerungen sowie Fotoimpressionen zu teilen.

1990 war der Wohnungsbau am Roggengrund zwar schon weit vorangeschritten, von Straßen konnte in den Quartieren noch nicht gesprochen werden.
1990 war der Wohnungsbau am Roggengrund zwar schon weit vorangeschritten, von Straßen konnte in den Quartieren noch nicht gesprochen werden.
Foto: Detlef Ohm