Magdeburg l Der Info-Truck, der in Magdeburg Station machte, war nichts für schwache Nerven: Aufgemacht war der Lkw wie ein Tiertransporter, über eine Rampe konnten die Besucher die Ladefläche des Gefährts besteigen.

Drinnen liefen auf einer Videoleinwand Filme über Tiertransporte. Rinder, Schweine und Schafe, zusammengepfercht auf engem Raum, durstend, nach Luft hechelnd — die gequälte Kreatur. Dazu dramatische Musik, die die Bildgewalt noch verstärken sollte.

Herbsttour durch Deutschland

32 deutsche Städte wird der Info-Truck des Deutschen Tierschutzbüros auf seiner Herbsttour besuchen. Das Ziel: über Missstände bei Tiertransporten aufklären.

3,7 Millionen Tiere seien täglich auf deutschen Straßen unterwegs, viele davon unter tierschutzrechtlich fragwürdigen Bedingungen, die Tierschützer sprechen vom „Leid der Tiere“, über das sie aufklären wollen. Viele Tiere seien Tausende von Kilometern in den Transportern unterwegs, Platzmangel, Unterversorgung und Verletzungen der Tiere seien immer wieder zu beobachten.

Petition gegen Tiertransporte

Die Forderungen des Tierschutzbüros: Tiertransporte zeitlich auf vier Stunden begrenzen, keine Tiere aus Deutschland ins Ausland transportieren, härtere Strafen für Tierquälerei durch Tiertransporte und strengere Kontrollen, sagt Julia Weibel, die zusammen mit Simone Sommerfeld den Info-Truck betreut. Wer will, kann sich informieren lassen und auch gleich eine Petition gegen Tiertransporte unterschreiben.

Die Magdeburger sind interessiert, diskutieren, schauen sich die Videos an. „Ich finde das ja gut, was sie machen, aber vielleicht sollten sie mal mutig sein und den Info-Truck auf einem der Dörfer in der Altmark aufstellen“, sagt einer der Passanten.

Magdeburg muss selten kontrollieren

In Magdeburg ist das Gesundheits- und Veterinäramt für die Kontrolle von Tiertransporten zuständig. Nach Rathausinformationen müsse der Amtstierarzt aber nur sehr selten Transporte kontrollieren.

Der Grund dafür sei, dass es im Zuständigkeitsbereich des Magdeburger Amtes keine Viehhandelsunternehmen oder zugelassene Verladestationen gebe. Nur wenn die Polizei Kontrollen von Tiertransporten im Stadtgebiet veranlasse, müsse das Veterinäramt von Magdeburg aktiv werden, ergab die Volksstimme-Nachfrage im Rathaus.

Magdeburger setzen auf regionale Betriebe

Bei der Magdeburger Fleischerinnung habe sich zum Thema „Tiertransporte“ durchaus ein Problembewusstsein entwickelt, sagt Innungsobermeister Dirk Cuno. Die Betriebe versuchten, möglichst viel des zu verarbeitenden Fleischs von regionalen Zuchtbetrieben zu bekommen. Das verkürze die Transportstrecke und -zeit für die Tiere.

Allerdings liege das Problem im Detail: Die allermeisten niedergelassenen Fleischereien schlachten nicht mehr selbst, sondern beziehen ihre Rohware, etwa Schweinehälften, von Großschlachtereien. „Darum ist es nicht ganz einfach, zu kontrollieren, ob die Tiere längere Transportwege zurückgelegt haben“, so Dirk Cuno.

Fleischbedarf regional decken

Er wünscht sich eine viel stärkere Regionalisierung. „Das Handwerk und der Mittelstand bräuchten eigentlich keine Massentierhaltung und lange Tiertransporte.“ Mit einem guten Zucht- und Vermarktungssystem ließe sich der Fleisch- und Wurstbedarf regional decken.

Mit der Erzeugergemeinschaft „Altmarkschwein“ habe man dies in der Magdeburger Fleischerinnung bereits ausprobiert. Das Projekt verlief vielversprechend, wurde dann aber doch beendet. Denn Obermeister Dirk Cuno ist natürlich auch Realist. Die Fleischerei-Handwerksbetriebe müssten sich mit der mächtigen Konkurrenz der Handelsketten auseinandersetzen. Das führe natürlich zu einem sehr starken Preisdruck.

Herkunftsnachweis selten nachgefragt

Und der Verbraucher, erkundigt er sich an der Theke der Fleischereien nach der Herkunft des Fleischs? „Wir halten, wie es vorgeschrieben ist, in den Fleischereien Herkunfsnachweise bereit, allerdings wird von den Kunden danach eher selten gefragt“, sagt Dirk Cuno, der noch einen weiteren Aspekt zum Thema Tiertransporte zur Diskussion stellt.

Beim Bio-Fleisch sei per Gütesiegel Haltung und Fütterung zertifiziert, nicht aber der Transport der Tiere. Durch die Handelsketten, die immer mehr Bio-Produkte in ihr Sortiment aufnehmen, steige auch der Druck auf die Bio-Erzeuger, die darum in immer größeren Einheiten produzieren müssten. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ohne längere Tiertransporte geht“, meint Dirk Cuno.