Magdeburg/Leipzig l Sie ist Stylistin und erschafft ihre eigenen Designs. Sie ist Content Creator, produziert Inhalte für YouTube und hochwertige Fotos auf Instagram - selbstverständlich selber auch als Model. Die gebürtige Magdeburgerin Kimi, bekannt unter ihrem Künstlernamen Kimiperi, hat mit 24 Jahren bereits geschafft, was sich viele junge Frauen selber wünschen und nacheifern. Ihre gelebte Leidenschaft zur Mode und der Fotografie verschmolzen zu der Liason, die sie ihrer Community präsentiert: manches mal abstrakt, stets kreativ, immer speziell und besonders. Zwischen Kunstfigur und authenthischer Künstlerin. Im Interview erzählte sie von Philosphie, Mode und dem Einfluss von Corona auf Influencer.

Volksstimme: Wie lange hast du in Magdeburg gelebt und wie hast du diese Zeit erlebt?

Kimiperi: Viele Erinnerungen habe ich an Magdeburg leider nicht mehr, aber trotzdem gibt es noch Momente, die mir im Kopf geblieben sind. Ich müsste drei Jahre alt gewesen sein, als meine Eltern sich aus beruflichen Gründen entschieden haben nach Rostock zu ziehen. Wir sind fast jedes Jahr wieder zurück nach Magdeburg gefahren, um Familie und Bekannte zu besuchen. Ich kann mich noch sehr gut an den Florapark erinnern, wo wir super gerne Zeit zum Shoppen verbracht haben. Und natürlich an Dannigkow, wo meine Bekannten einen Bungalow haben. Umgeben von klaren blauen Seen und grüner Natur. Dort habe ich als Kind viel Zeit verbracht. Das hat mir viele tolle Erinnerungen und Inspiration mitgegeben.

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Deine Eltern sind aus Magdeburg weggezogen, du bist selber anschließend nach Leipzig. Warum?

Der Grund, warum ich mit 18 nach Leipzig gezogen bin, war eine Modeschule, die ich dort für ein Jahr besucht habe, mich dann aber recht schnell entschieden habe meinen eigenen Weg zu gehen und mir selbstständig etwas aufzubauen. Zu dem Zeitpunkt war mir aber noch nicht bewusst, wie sich alles entwickelt. Für mich war erstmal wichtig herauszufinden, was mich im Leben erwartet, welche Ziele ich mir setze und wie ich meine nicht so einfache Vergangenheit am besten verarbeiten kann.

Wie baut man sich eine solch große Community auf, wie du das gemacht hast? Was ist dein Geheimnis?

Ein großes Geheimnis gibt es eigentlich nicht. Es ist verrückt wenn ich so zurück denke, da ich es weder als Ziel gesehen noch damit gerechnet habe. Nachdem ich mein Elternhaus verlassen musste, war Instagram für mich immer wie ein Ort, an dem ich meine Gedanken und Gefühle ausdrücken konnte. Ein Rückzugsort und Sicherheit. Fotografie war neben Fashion und Philosophie schon immer eine Leidenschaft. Das hat das ganze einfach perfekt gemacht. Neben meiner Modeschule und besonders danach, als ich mehr Zeit in meine Hobbies investieren konnte, wuchs meine Reichweite schneller denn je. Mittlerweile ist es durch die Änderungen und Entwicklung auf Instagram schwieriger geworden zu wachsen, aber für mich zählt, dass ich die Menschen anspreche die sich mit mir identifizieren können und bin dankbar für alles, was ich bisher mitnehmen konnte.

Wie lange hast du noch vor als Influencerin tätig zu sein und wovon machst du das abhängig?

Ich beschreibe mich selbst ungerne als Influencer, da es, wie erwähnt, nie ein Ziel war so eine große Reichweite zu erzielen oder Menschen zu beeinflussen. Aber es stimmt natürlich schon, dass man mit einer Meinung und Kreativität unterbewusst jemanden bewegt. Leider ist der Begriff Influencer einfach sehr abschreckend, weil ihn viele mit Werbung, Unehrlichkeit bzw. Leichtigkeit verbinden. Man kann mit vielen Dingen beeinflussen, nicht nur durch Bilder oder Videos. Aber natürlich ist mir bewusst, dass alles damit bei mir so angefangen hat. Für mich sind Bilder in Kombination mit Texten meine liebste Form mich auszudrücken.

Kannst du da näher drauf eingehen?

An einem gewissen Punkt stellt man fest, dass es nichts für's ganze Leben ist. Man möchte sich weiterentwickeln, nicht immer nur Bilder von sich teilen und im Mittelpunkt stehen, möchte persönlich neue Dinge ausprobieren und die Welt entdecken. Instagram wird für mich immer bleiben. Es ist einer der tollsten Wege Menschen kennenzulernen und sich künstlerisch auszudrücken. Aber ich strebe an es auszuweiten und nebenbei an weiteren Dingen und Projekten zu arbeiten. Was genau steht noch nicht fest. Aber ich lasse es auf mich zukommen. Eventuell Schmuck designen, einen Onlineshop aufbauen, intensiver als Schreiber und Stylistin zu arbeiten. Vielleicht ein Buch veröffentlichen. Es gibt viele tolle Möglichkeiten die mich neugierig machen und in denen man sich kreativ ausleben kann.

Wie viel Kreativität, wie viel von dir selbst steckt in deinen Bildern?

Kreativität steckt in so vielen Dingen. Jeder Mensch besitzt Kreativität in sich. Nur viele haben sie noch nicht entdeckt oder sind sich unsicher, was sie genau können oder was ihnen Spaß macht. Daher macht es mir unglaublich viel Freude anderen zu helfen, Menschen kennenzulernen und Ihnen dabei auf diesem Weg zu helfen. Für mich war und wird Fotografie immer ein wichtiges Ausdrucksmittel der Kreativität bleiben. Genauso wie Fashion und sich in "Charaktere zu verwandeln". Sprich mit Perücken und Schminke zu arbeiten und damit ein Bild und Gefühle zu entwickeln, die in meiner Fantasie entstehen und ich emotional zum Ausdruck bringen möchte.

Glaubst du, dass es Influencer schwerer haben, wenn sie aus Magdeburg kommen?

Ich denke nicht, dass der Geburts- oder Wohnort etwas mit der Zukunftslaufbahn oder Karriere zu tun hat. Das hört man beispielsweise auch oft von Schulnoten: Ein Künstler braucht nichts auf Papier geschriebenes, wie Schulnoten, sondern lebt seine Kreativität aus, egal wie gut man in der Schule war oder ob die Kindheit positiv oder negativ verlaufen ist. Alles Negative prägt und gibt Stärke für die Zukunft. Als Kind war ich beispielsweise immer ein riesengroßer Fan von Tom und Bill Kaulitz von Tokio Hotel. Der Vater von einer Freundin von mir hat die beiden am Gymnasium unterrichtet, was mir immer zusätzlich ein vertrautes Gefühl gegeben hat. Die beiden haben so viel erreicht, trotz der teils schwierigen Zeit. Ob sie nun aus Magdeburg kommen oder nicht, spielt am Ende eigentlich keine Rolle. Nur, dass der Stadtname in Bills eigenem Fashion-Label verehrt wurde.

Wohnort und Kreativität - wie geht das überein?

Was mir durch die Jahre bewusst geworden ist, dass der Wohnort viel an der Entwicklung und an den Möglichkeiten innerhalb der Arbeit verändert. Ich vermisse es, kreative Leute um mich herum zu haben, die auf gleicher Ebene fühlen und denken. Natürlich kann man immer Reisen und sich frei bewegen. Nur zur täglichen Arbeit ist es wichtig sich auszutauschen und es macht einfach viel mehr Freude sich beispielsweise mit Fotografen und anderen Models auszutauschen und sich zu treffen. So kann man seine Arbeit und Vorstellungen besser zum Ausdruck bringen und dabei mit anderen gemeinsam kreative Projekte verwirklichen. Magdeburg wäre für mich persönlich nicht die richtige Stadt. Leipzig oder auch Rostock, wo ich vorher gelebt habe auch nicht. Eher Orte wie London oder L.A., vielleicht noch Berlin, Städte wo man von Inspiration und Ausgefallenheit förmlich umgeben ist.

Wie sehr hat der Corona-Virus bislang Einfluss auf dich als Content Creator?

Generell verbringe ich viel Zeit Zuhause, da ich am PC arbeite und einiges an Content in den eigenen vier Wänden erstelle. Diesbezüglich hat sich bei mir nicht viel verändert. Ich verbringe gerne Zeit alleine Zuhause und beschäftige mich selbst. Trotzdem bekomme auch ich zu spüren, wie die Welt sich verändert und unter den Folgen leidet. Viele Kampagnen wurden mir und auch anderen Influencern bzw. Content Creator abgesagt. Daher fehlt die Arbeit, demzufolge das Geld und dann wiederum Energie und Motivation. Gefühle, die einem im Gesicht geschrieben stehen. Die eigene Psyche fängt irgendwann an darunter zu leiden. Es fällt einem dann teilweise schwer sich zu zeigen. Nicht, weil man sich schämt, sondern einfach weil man in dem Moment diese Gefühle in der Form nicht vermitteln möchte.

Wie meinst du das?

Ich finde es persönlich schade, dass viele Influencer das Thema komplett ausblenden. Ich finde es besonders in der Situation wichtig darüber in einem gesunden Maße zu sprechen. Denn wir alle sind davon betroffen und offen darüber zu reden gibt einem Verbundenheit und Verständnis. Ich persönliche gehe offen damit um. Mit einer Grenze, damit es nicht aufdringlich oder zum Hauptthema wird. Denn diese Zeit hat für mich auch sehr viele positive Seiten. Man kann unglaublich viel über sich lernen, Zeit mit sich und seinen Hobbies verbringen. Herausfinden, was man liebt, woran man Spaß hat, was man vermisst. Für mich ist Reisen eine riesengroße Leidenschaft die mir momentan sehr fehlt. Aber sobald sich die Situation verbessert hat, werde ich und auch viele andere spüren wie sehr es einem am Herzen liegt. Und es für die Zukunft noch mehr schätzen. Auch wenn momentan alles schwer erscheint, ich denke, es wird eine wichtige Lektion für die Zukunft sein und man sollte das Beste daraus ziehen.

Ein jeder von uns kämpft aktuell mit den Umständen, die eine Quarantäne und Schutzmaßnahmen, in Zeiten der Corona-Krise, mit sich bringen. Was ist deine ganz persönlicher Tipp? Was hält dich am Laufen?

Sollte man sich momentan nicht gut oder auch einsam fühlen, ist es sehr wichtig, mit anderen Leuten zu reden. Das können Freunde, Familie oder auch jemand anderes sein. Denn wir alle fühlen momentan ähnlich und jeder wird Verständnis dafür zeigen. Und unabhängig von der momentan Situation: Bleib so wie du bist. Lass dich nicht von der Gesellschaft verändern oder beeinflussen. Diese Einstellung fehlt mir sehr oft in anderen Menschen. Obwohl es die schönste, wichtigste und attraktivste Eigenschaft ist, die man besitzen kann. Jeder ist etwas besonderes, individuell und auf seine Art und Weise schön. Und vielleicht ist genau diese Eigenschaft das "Geheimnis" meiner Laufbahn, welche mich mein ganzes Leben über begleiten wird, um anderen Menschen zu helfen und fortan zu inspirieren.

Kannst du schon verraten, was dein nächstes großes Projekt sein wird?

Diese Jahr sollte für mich eigentlich DAS Jahr der Veränderung werden. Jetzt gerade wäre ich eigentlich in Tokyo. Ein zweiwöchiger Trip, der mein Leben verändern sollte. Ich habe immer sehr unter Reiseangst gelitten, die ich die Jahre über durch Überwindung bekämpft habe. Im vergangenen Jahr habe ich mich dann endlich bereit gefühlt, diese Reise auf mich zu nehmen, gebucht und darauf neue Pläne aufgebaut. Neben Tokyo ist mein größtes Ziel im Ausland zu arbeiten und eventuell auch dorthin zu ziehen. England sagt mir persönlich sehr zu, da ich beruflich dort viele Kontakte habe und mich einfach wohl fühle. Das war für Herbst geplant. Vielleicht sogar schon eher. Nur jetzt ist es momentan unmöglich etwas festes zu planen. Man weiß nicht was passiert oder was auf einen zukommt. Ich beschreibe es als Projekt, auch auf beruflicher Ebene, da ich damit zeigen möchte, dass man seine Ziele nicht aufgeben oder hinschmeißen sollte. Diese Veränderung würde mich rundum glücklich machen und positiv bewegen, mir neue Kraft und Kreativität geben. So wie ich damals nach Leipzig gezogen bin, es mir Eindrücke und Erlebnisse beschert hat, die ich dann mit meiner Reichweite teilen konnte, so möchte ich einen weiteren Sprung wagen, um die Leidenschaft weiter vorzuführen.

Ich danke dir sehr für diesen kleinen Einblick in dein Leben und wünsche das Beste.