Magdeburg l Eine Pflegestation für Intensivpatienten im Ratswaage-Hotel? Als sich Volksstimme-Leser mit diesem Anliegen an die Redaktion wenden, sorgt das erst mal für Stirnrunzeln. Kann das sein? Wie soll das funktionieren? Das Problem, das die Anwohner schildern, hat aber nicht mit der Station an sich zu tun, sondern mit der Situation, in der sich Patienten befinden, die auf einer Liege dort hingebracht werden.

Vorbei am Aschenbecher

Sie werden über eine steile provisorische Rampe durch den Hintereingang des Hotels eingeliefert. Vorbei am vollen Aschenbecher in der Pausenecke der Mitarbeiter und vorbei an den zahlreichen Mülltonnen, in denen die Essensreste des Hotels zur weiteren Verwertung lagern. Auch die Schmutzwäsche des Hotels wird über diesen Zugang abtransportiert.

„Ich dachte erst, es handelt sich um kranke Hotelgäste“, berichtet eine Anwohnerin. Erst als auch immer wieder mal ein Bestatter dort hielt, wurde sie stutzig. Das kann doch nicht wahr sein, glaubt sie und wendet sich angesichts der hygienisch fragwürdig anmutenden Situation an offizielle Stellen. Doch zunächst geschieht nichts.

Amtsarzt sieht ehtisches Problem

Erst als das Thema im Stadtrat durch eine Anfrage aufgegriffen wird, kommt Bewegung in die Sache. Amtsarzt Eike Hennig, Leiter des Gesundheits- und Veterinäramtes, hat sich daraufhin die Station persönlich vor Ort angesehen, wie er im Gespräch mit der Volksstimme erklärt. Zuvor habe bereits die Heimaufsicht die Intensiv-WG kontrolliert und habe nichts beanstandet. „Hygienisch gesehen hat die Situation am Hintereingang keine Bedeutung für uns“, erklärt Hennig zu den Anwohnerbeobachtungen. „Es ist aus meiner Sicht aber ein ethisches Problem“, räumt er ein, weshalb es auch noch in diesem Jahr eine Lösung geben soll.

Aufzug soll erweitert werden

Detlef Dahms ist Geschäftsführer des Ratswaage-Hotels sowie des Unternehmens, das die Vermietung der gesamten Immobilie managt. Er bestätigt auf Volksstimme-Anfrage, dass in einem separaten Teil des Gebäudes die Mobile Krankenpflege Magdeburg Räume gemietet hat. Normalerweise erfolgt der Zugang von der Julius-Bremer-Straße aus. Weil der Aufzug dort aber für Liegendpatienten nicht groß genug ist, erfolgt deren Transport über den Hintereingang des Hotels, wo ein größerer Lift ist.

Im Februar wurde nun aber ein Bauantrag eingereicht, um den Aufzug zur Station auszubauen, so dass dort auch eine Liege hineinpasst. „Das ist am Laufen. Wir warten nur auf die Genehmigung“, sagt er.

Der Pflegedienst der Intensiv-WG wollte sich auf Anfrage nicht zur Situation äußern.