Magdeburg l "Still ruht der See" heißt es schon seit vielen Jahren im Magdeburger Industriehafen zwischen Saale- und Industriestraße. Doch das soll sich nun ändern. Noch in 2020 sollen die Arbeiten zur Reaktivierung des Industriehafens beginnen, um ihn ganzjährig schiffbar zu machen. Dafür plant die Landeshauptstadt eine Millioneninvestition.

Insgesamt 44,7 Millionen Euro sollen in den Industriehafen fließen. 90 Prozent der Kosten werden durch Fördergelder aus der Gemeinschaftsaufgabe zur "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" abgedeckt. Eine entsprechende Zusicherung in Höhe von 39,9 Millionen Euro liegt der Stadtverwaltung vor.

Wasserabfluss in Elbe verhindern

Die geplanten Bauarbeiten, die in der zweiten Jahreshälfte 2020 beginnen sollen, umfassen unter anderem den Bau eines Damms, mit dem der Abfluss des Wassers in die Elbe verhindert wird. Der Industriehafen wird dann über den Zweigkanal zwischen Sparschleuse Rothensee mit Verbindung zum Mittellandkanal und Elbe erreichbar sein. Die Zufahrt zum Hafen wird damit hinter die Niedrigwasserschleuse verlegt, die nördliche Teile des Magdeburger Hafens vom Wasserstand in der Elbe unabhängig macht.

Zudem soll eine Kaimauer auf einer Länge von gut einem halben Kilometer erneuert werden, um hier einen trimodalen Umschlag von Gütern möglich zu machen – also die Transportwege Wasser, Straße und Schiene zu kombinieren. Weiterhin vorgesehen ist, Spundwände zu errichten und die Schrägufer herzurichten. Später ist auch noch vorgesehen, die Beckensohle auszubaggern.

Zusätzliche Ansiedlungsflächen

Läuft alles nach Plan, sollen im Jahr 2023 wieder Binnenschiffe im Industriehafen festmachen und beladen werden können. Die Stadt Magdeburg verspricht sich von der Millioneninvestition eine Steigerung des Güterumschlags von mindestens zehn Prozent. "Mit der Reaktivierung des Industriehafens werden die Bedeutung des Logistikstandorts Magdeburg und der Magdeburger Hafen in seiner Funktion als größter Binnenhafen Mitteldeutschlands gestärkt", sagte Wirtschaftsbeigeordneter Rainer Nitsche.

Der Magdeburger Hafen gilt nach dem Hafen in Hamburg als der zweitgrößte Binnenhafen im Einzugsgebiet der Elbe. Nach eigenen Angaben verfügt der Hafen über das nötige Know-how Anlagenteile, Massen- und Schüttgüter inklusive Gefahrgut und Abfallprodukte aller Art umzuschlagen.

Mit der Investition werden laut Rainer Nitsche zudem weitere Ansiedlungsflächen am Industriehafen erschlossen. Zusätzliche Firmen könnten hier angesiedelt werden, was Arbeitsplätze und weitere Steuereinnahmen für die Stadt bringen würde, so der Wirtschaftsbeigeordnete. In der Vergangenheit habe es bereits Firmen gegeben, die sich für Flächen am Industriehafen interessiert hätten. Mit dem Ausbau des Hafenbeckens und der ganzjährigen Schiffbarkeit werden die Flächen nun wieder interessant.