Bildung

Jugendkunstschule in Magdeburg bereitet Ausstellung zum 30-jährigen Bestehen vor

Die Jugendkunstschule bereitet sich derzeit auf das 30-jährige Bestehen vor. Das Jubiläum soll im September mit einer Ausstellung gefeiert werden. Das MDR-Funkhaus wird die zahlreichen Künstler der Einrichtung zeigen.

Von Christina Bendigs
Künstlerin Viktoria Veil (rechts) ist Kuratorin der Ausstellung zum 30-jährigen Bestehen der Jugendkunstschule. Gemeinsam mit Dozentin Ulrike Gehle schaute sie die Bilder an.
Künstlerin Viktoria Veil (rechts) ist Kuratorin der Ausstellung zum 30-jährigen Bestehen der Jugendkunstschule. Gemeinsam mit Dozentin Ulrike Gehle schaute sie die Bilder an. Foto: Christina Bendigs

Magdeburg - Künstlerin Viktoria Veil hat derzeit die Qual der Wahl: Welches Bild soll in die große Ausstellung der Jugendkunstschule, die am 8. September anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Einrichtung im MDR-Funkhaus auf dem Werder eröffnet werden soll? Und welches Bild soll mit welchem in einen Rahmen?

Zwischen gezeichneten Porträts und gemalten Landschaften, Fantasiewelten und Fabelwesen, Stadtansichten und Stillleben steht sie und ist selbst noch einmal überrascht, was die Schülerinnen und Schüler der Jugendkunstschule auf Papier oder Leinwand gebracht haben.

„Viele sagen, sie hätten kein Talent zum Malen“, sagt Viktoria Veil. Doch das sei nicht wahr. „Es braucht oft nur ein klein wenig Anleitung bei den Techniken und dann fangen sie an, sich zu entfalten“, sagt Veil und nimmt eine Landschaft aus einem Stapel von Leinwänden, die an einen Schrank gelehnt stehen. „Diese Frau hat nichts mit Kunst zu tun und malt solche Bilder“, staunt sie über die in Dunkelgrün gehaltenen Bäume vor einem wilden Himmel.

Auch Kurse für Erwachsene

Diese Frau ist eine derjenigen, die als Erwachsene in die Jugendkunstschule kommen. „Der Name Jugendkunstschule ist etwas einschränkend“, sagt Dozentin Ulrike Gehle, die schon ganz aufgeregt ist aufgrund der bevorstehenden Ausstellung. In jüngster Zeit aber habe sich die Einrichtung, die dem Puppentheater angegliedert ist, in Richtung Erwachsene geöffnet, bietet mehrere Kurse für Erwachsene an, die ebenso tolle Ergebnisse erzielen wie die Kinder. Dabei komme es auf das Bild gar nicht in erster Linie an. Für viele sei die Jugendkunstschule ein Ort des Friedens, an dem sie sich austauschen und miteinander sprechen können und wo sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen können. „Wir sprechen zum Beispiel auch über Ängste“, erzählt Viktoria Veil, die in ihren Kursen beispielsweise auch die Aufgabe stellt, zu malen, was ihren Schülern Angst bereitet. „Und wenn sie das ausdrücken, dann ist es von der Seele und es geht ihnen besser“, sagt sie.

Dennoch: So einige Kinder, die in der Jugendkunstschule vor Jahren ihre ersten Pinselstriche gesetzt haben, sind heute Künstler. Und sie kommen gern in die Einrichtung ihrer Jugend zurück. Bestes Beispiel sei die Künstlerin Dorothea Hertel, die Kunstgeschichte studiert hat und heute selbst einen Kurs an der Jugendkunstschule gibt.

Andere Ehemalige, deren berufliche Bahnen zwar nicht so eng mit der Kunst verknüpft sind, schicken trotzdem ihre Kinder oder teilweise gar Enkelkinder in die Jugendkunstschule. Sie sei ein Ort, an dem Inklusion gelebt werde. Verschiedenheit werde hier erkannt und angenommen, ohne zu bewerten. Und so wird dort auch ein Grundstein für eine tolerante Gesellschaft gelegt.

Zeigen, was heute in der Jugendkunstschule entsteht

Die vor 30 Jahren gegründete Einrichtung will in der Ausstellung zum Geburtstag vor allem das Fenster zur Gegenwart öffnen. Und die Vorfreude ist groß. Denn geplant ist, die Ausstellungswände im Funkhaus gut auszunutzen und möglichst viele Bilder zu zeigen. Für einige wird es eine Premiere sein: „Aber es gehört zum Künstlersein dazu, seine Bilder zu zeigen“, weiß Viktoria Veil, und eben das soll der künstlerische Nachwuchs in der Jugendkunstschule auch lernen.

Überwältigt sind die Organisatoren vom Hilfsangebot aus den Kursen. Viele Schüler hätten bereits Unterstützung zugesagt. Das zeigt, dass zwischen Team und Schülern ein Verhältnis besteht, das über das eines Kunstkurses, den man einmal die Woche besucht und anschließend einfach wieder nach Hause geht, hinausgeht.

Natürlich gibt es auch etwas, das man als Erinnerung mit nach Hause nehmen kann. Zwei Hefte hat das Team der Jugendkunstschule gestaltet. In einem Heft werden die Dozenten und Künstler vorgestellt, die an der Jugendkunstschule unterrichten, im anderen haben Künstler kleine kreative Aufgaben gestellt, so dass man zu Hause aktiv werden kann. „Mal sehen, vielleicht bekommen wir ja einige Beispiele zurück“, sagt Ulrike Gehle.

Eröffnung am 8. September 2021

Die nächsten Wochen werden genutzt, um die Bilder durchzusehen und zu rahmen. Etwa eine Woche vor der Ausstellungseröffnung am 8. September 2021 werden die gesammelten Werke dann ins Funkhaus gebracht und gehängt. Willkommen sind nicht nur all jene, die die Jugendkunstschule schon kennen, sondern vor allem jene, die die Einrichtung erst noch entdecken wollen.