Magdeburg l Immer wieder müssen Cathleen Bandtke und Paulina Hammer derzeit in traurige Kinderaugen schauen. Denn nach der ersten Saison im Kleingarten im vorigen Jahr, wurden die Kinder, die sie als Tagesmütter betreuen, von der Nutzung des Kleingartens ausgeschlossen. „Wir haben jetzt angefangen, bei uns im Hof Pflanzen zu ziehen, hatten beim Bau von Hochbeeten unter anderem Hilfe von unseren Nachbarn“, erzählt Cathleen Bandtke.

Doch gerade die Kinder, die im Vorjahr mitgeholfen hatten, einen Kleingarten in der Sparte „Grünes Eck“ anzulegen und zu gestalten, fragen immer wieder, wann es denn nun endlich mal wieder in den Garten geht, wie die beiden Erzieherinnen berichten. Doch dorthin können die Tagesmütter mit den insgesamt maximal zehn zu betreuenden Kindern nicht mehr gehen. Vor etwa zwei Wochen fand im Verein eine Abstimmung statt – und die schloss die Kinder von der Nutzung des Gartens aus.

„Als Grund wurde uns genannt, dass wir den Garten gewerblich nutzen würden“, berichtet Cathleen Bandtke, die eine gewerbliche Nutzung des Gartens allerdings nicht sieht. Schließlich werde das Obst und Gemüse, das sie dort mit den Kindern anbaut, nicht verkauft, sondern für den Eigenbedarf genutzt.

„Wenn wir in den Garten kamen, haben die Kinder erst einmal genascht, und danach wurden die Pflanzen gegossen“, erzählen die beiden von ihren Erfahrungen im vorigen Jahr, als sie etwa ein halbes Jahr nach der Eröffnung ihrer Tagespflege zum ersten Mal einen Kleingarten pachteten. Mit dem Jugendamt sei das abgestimmt worden.

Dreimal pro Woche im Garten

Mit dem Verein sei von vornherein abgesprochen gewesen, dass Cathleen Bandtke den Garten für ihre Tagespflegekinder nutzen will. Doch relativ schnell gab es Probleme. Dreimal pro Woche sei Bandtke mit ihrer Kollegin und den Kindern am Vormittag von 9 bis 11 Uhr für etwa zwei Stunden vor Ort gewesen. Klar, dass nach der Arbeit in den Beeten auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen sollte und im Garten gespielt wurde.

Kinder pflückten Blumen am Zaun

Wie ihrem eigenen Sohn, mit dem sie in ihrem benachbarten privaten Garten Zeit verbrachte, gestattete sie zunächst auch den Tagespflegekindern, die Wege in der Anlage zu nutzen. Sie beauftragte die Mädchen und Jungen, einmal zu schauen, wie viele unterschiedliche Tulpenfarben sie entdecken können. „Da gab es dann relativ schnell Probleme“, berichtet Bandtke. Denn die Kinder pflückten Blumen, die über die Gartenzäune standen, ab. Das gehe natürlich nicht, sagt auch Bandtke. Sie habe Kinder und Eltern ins Gebet genommen, fortan durften sich die Kinder nur noch in dem gepachteten Garten aufhalten. Cathleen Bandtke bewirtschaftet ihn nun vorerst allein – in der Hoffnung, dass sich der Gartenverein, in dem sie selbst schon als Kassenwartin mitarbeitete, seine Entscheidung noch anders überlegt. Schließlich hätten die Eltern sich bewusst wegen des besonderen Konzeptes für sie als Tagesmutter entschieden.

Der Traum der beiden jungen Frauen ist, einmal eine private Kindertagesstätte zu eröffnen, wo dann ein Grundstück zur Gartennutzung direkt am Haus zur Verfügung steht. Dafür hätten die beiden ihre Jobs im Angestelltenverhältnis gekündigt, wie sie erzählen, und als Tagesmütter nun zunächst klein anfangen wollen.

Mitglieder des Gartenvereines, die namentlich nicht genannt werden wollen, erzählen auf Volksstimme-Nachfrage, warum die Tagesmütter den Garten nicht mehr nutzen sollen. Offizieller Grund war die gewerbliche Nutzung, die die Satzung des Gartenvereines verbietet. Hauptgrund sei jedoch ihre Sorge um das Wohl der zu betreuenden Kinder. Denn sie würden von den Tagesmüttern nicht richtig beaufsichtigt werden, hätten die Mitglieder des Kleingartenvereines beobachtet, und die Verletzungsgefahren seien einfach zu groß. „Am Ende müssen wir noch haften, wenn etwas passiert“, befürchtet einer der Gärtner.

Gärtner sehen Gefahren

Die Tagesmütter seien zudem viel länger mit den Kindern im Garten gewesen als vereinbart war, teilweise hätten die Kinder im Garten den Mittagsschlaf gehalten. Bis zu 15 Kinder hätten sie gezählt. Und die könnten von einer Erzieherin doch gar nicht richtig betreut werden. Der Garten sei teilweise zum Spielplatz gemacht worden, was das Gelände jedoch nicht hergebe. Zum Spielen sollten die Tagesmütter auf die vorhandenen öffentlichen Spielplätze gehen, finden die Gärtner. Im Sommer sei in einem Bassin gebadet worden. Auch das sehen die Gärtner als Gefahr, zumal in der Anlage nur Brunnenwasser zur Verfügung stehe. So gut in Schuss sei der Garten zudem erst, seit die Tagesmütter wüssten, dass etwas im Argen sei.

Der Pachtvertrag war auf Probe erteilt worden. „Jetzt haben wir das ausprobiert und sind der Meinung, dass das für uns nicht geht“, sind sie sich einig. An einem Sonntag im April stimmten alle anwesenden 19 Gärtner (insgesamt 24 Vereinsmitglieder) gegen die weitere Nutzung des Gartens für Cathleen Bandtkes Arbeit als Tagesmutter. Auch die Tagesmutter war dazu eingeladen worden, sei aber erst erschienen, als schon alles vorbei gewesen sei. Unterlagen, zum Beispiel vom Jugendamt, die der Vereinsvorstand zuvor angefordert hatte, seien nicht beigebracht worden. Die Versammlung wäre für Cathleen Bandtke eine Chance gewesen, sich zu erklären. Die sie allerdings verpasst habe.

Nun steht die Entscheidung des Vereines fest, und daran werde sich auch nichts mehr ändern lassen, sagen die vier Gärtner, die gestern mit der Volksstimme sprachen. Persönlich hätten sie nichts gegen Cathleen Bandtke, die mit ihrem Sohn bereits gut bekannt ist in der Anlage und auch gemocht wird. „Aber mit den vielen Kindern, das geht nicht mehr.“