Magdeburg l Das Betanken des Autos verlief noch ganz normal. Als der Magdeburger dann aber den Einfüllstutzen wieder zurück in die Säule stecken wollte, gab es einen heftigen Knall. Bleche der Zapfsäule einer Tankstelle an der Albert-Vater-Straße rissen hoch, das Anzeige-Display wurde herausgerissen und hing nur noch an einem Kabel.

Da der Kunde selbst Ingenieur ist und sich mit der Explosionssicherheit von Anlagen auskennt, überlegt er nach dem ersten Schreck kurz, was zu tun ist. Die Tanksäule ist mit einem Not-Aus-Knopf versehen. Das Problem für ihn: Das Display war noch unter Strom. Er überlegt, ob er den Knopf drücken soll und damit möglicherweise erneut einen elektrischen Funken auslöst. Dann entschließt er sich, den Kopf zu drücken. Jetzt müsste seiner Meinung nach der komplette Strom abgeschaltet sein.

Akute Explosionsgefahr an Tankstelle

Das sei aber nicht der Fall gewesen, berichtet der Kunde im Volksstimme-Gespräch, denn das Display zeigte immer noch den aktuellen Preis an. Der Ingenieur sieht darin eine akute Explosionsgefahr, denn, wie er sagt, sei ja nicht geklärt, warum sich in dem Zapfsäulen-Kasten Gas sammeln konnte. Einer Tankstellenmitarbeiterin schlägt er vor, sofort den Hauptgashahn abzudrehen. Die Mitarbeiterin habe mehrfach erklärt, dass das nicht notwendig sei, da die ganze Gastankanlage bereits abgeschaltet sei. Feuerwehr oder Polizei wurde laut Kunden, der seinen Namen nicht öffentlich nennen möchte, nicht alarmiert.

Die Sache öffentlich gemacht hat Peter Ziegler, Vorsitzender der Verbraucherschutzorganisation „Bundesverband der Gasanlagentechnik“ mit Sitz in Bad Camberg in Hessen. Der Verband kümmert sich unter anderem um die Sicherheit von Gastanksäulen. Der Tankstellenkunde hatte den Zwischenfall dem Bundesverband gemeldet.

Auf Fehlersuche gehen

Für Peter Ziegler ist nach der Havarie Einiges schiefgelaufen. „Der Gesetzgeber schreibt vor, dass bei derartigen Havarien sofort Polizei und Feuerwehr alarmiert werden müssen, um die Sicherheitslage an der Tankstelle zu untersuchen“, so Peter Ziegler. Auch hätte die Anlage von der Polizei sichergestellt werden sollen, um den Fehler, der die Verpuffung ausgelöst hatte, zu finden.

Gleichzeitig hätte aber auch eine Meldung an die zuständige Gewerbeaufsicht, in Sachsen-Anhalt ist sie beim Landesamt für Verbraucherschutz angesiedelt, erfolgen müssen. Das hat Peter Ziegler als Vorsitzender des Bundesverbandes erledigt. Andreas Gramatke, Stabsstellenleiter beim Landesamt, bestätigte am Donnerstag auf Volksstimme-Anfrage, dass dieser Fall vom 19. April 2019 dort bekannt sei und geprüft werde. „Eine abschließende Stellungnahme kann erst nach Abschluss der Prüfung erfolgen“, so Andreas Gramatke. Auch die Magdeburger Polizei hat Peter Ziegler, wie er sagt, informiert.

Tankstellenbetreiber wiegelt ab

Der Tankstellenbetreiber sieht die ganze Sache nicht so dramatisch. Er versucht im Volksstimme-Gespräch den Zwischenfall zu verharmlosen. Nein, eine Verpuffung oder gar Explosion habe es nicht gegeben, die Tanksäule sei nur stillgelegt, weil das Anzeige-Display defekt sei.

Bei Peter Ziegler und seinem Bundesverband löst der Fall nur Kopfschütteln aus: Gastankanlagen müssen einwandfrei funktionieren, gibt es Probleme, muss diesen konsequent auf den Grund gegangen werden, denn unkontrolliert austretendes Gas könne auf eine Tankstelle verheerende Folgen haben. Darum sei es sehr wichtig, die Öffentlichkeit für solche Fälle zu sensibilisieren.