Magdeburg l "Männer mit Mumm" titelte eine Zeitung ihren Bericht über einen Wettkampf, an dem der damals 38-jährige Magdeburger Manfred Machus teilnahm. Aus der Kniebeuge heraus nahm er unglaubliche 280 Kilogramm auf, um seinen bis dato bestehenden DDR-Rekord von 275 Kilo zu überbieten, heißt es darin. Der Ausschnitt hängt noch heute im Haus des bekanntesten Kraftsportlers der DDR.

Die Liste der Titel, die der Ur-Magdeburger in den Jahrzehnten seiner aktiven Karriere – und selbst darüber hinaus noch – holte, ist lang und auf Sportseiten vieler Zeitungen und Zeitschriften hinlänglich dokumentiert. Seit er 1967 seine erste DDR-Kraftsportmeisterschaft in der Klasse unter 90 Kilogramm gewann, kamen etliche weitere Titel hinzu: zehn Kraftsportmeisterschaften, zwei Mannschaftsmeisterschaften mit der HSG TH Magdeburg (heute USC) sowie weitere Spitzenturniere.

Vom Kraftsport fasziniert ist Manfred Machus schon von kleinauf. „Als ich ein Kind war, da habe ich im Kino gesehen, wie stark Männer sein können“, erzählt er. Daraufhin habe er seinen Vater gefragt, wie man so stark werden könnte.

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Schon Vater Machus war berühmt

Sein Vater, Walter Machus, war ebenso ein starker Mann. Eigentlich vom Turnen kommend, wurde er berühmt durch Varieté-Kraftakte: Er konnte kopfüber hängend allein mit den Zähnen unglaubliche Lasten halten. Manfred Machus zeigt auf ein Schwarzweißfoto, auf dem sein Vater bei einem Auftritt mit den Zähnen ein riesiges Rad hält, in dem ein Mann mit einem Fahrrad Loopings fährt. „Allein die ganze Konstruktion samt Fahrradfahrer wog schon so viel wie drei Männer“, sagt Manfred Machus stolz.

Sein Vater hängte dem Filius nach dem Kinobesuch Turnringe in den Korridor. Hier sollte er seine Kraft trainieren. Eines Tages verschlug es den jungen Manfred und einen Freund zu einer Werbeveranstaltung für Gewichtheben nach Buckau. Hier sah er einen 16-Jährigen, wie der 100 Kilogramm hob. Das hat ihn fasziniert, sagt er heute.

Als dann ein Bekannter seines Vaters, der in der gleichen Straße wohnte, Hanteln besorgte, trainierten Manfred und sein Freund ab da auf dessen Hof. Das wiederum blieb Mitgliedern des damaligen Vereins Motor Magdeburg Süd-Ost nicht verborgen, die die beiden Jugendlichen in den Verein lockten. „Ab da waren wir dann Gewichtheber“, sagt Manfred Machus schmunzelnd. Kein Jahr später nahm er schon an einer DDR-Jugendmeisterschaft teil und belegte gleich Platz drei. Weitere Wettkämpfe in der Mannschaft folgten.

Selbst zu Armeezeiten holte er einen Titel. Gesucht worden war in einem Wettbewerb der stärkste Mann der Armee. „Da ging es um Kraft-Ausdauer. Ich war auf Maximalleistung trainiert, nicht auf Ausdauer“, erinnert sich Manfred Machus. Also schenkte er dem Wettstreit zunächst keine Beachtung. Es ging um Sprint, Klimmzüge, zigfache Wiederholungen von Kniebeugen mit 50-Kilo-Gewichten und vieles mehr. Doch sein damaliger Offizier setzte sich dafür ein, dass der Magdeburger als Ersatzmann mit zum Wettkampf fuhr. Und obwohl sich Manfred Machus nur zwei Wochen lang auf Kraft-Ausdauer vorbereiten konnte, belegte er tatsächlich am Ende Platz zwei.

Ehrenpokal für den Magdeburger

Gewichtheben und Kraftsport bestimmten viele Jahre sein Leben. Für den Sport in Magdeburg hat er viel gegeben. Und selbst darüber hinaus. Mit einem guten Freund und bekannten Gewichtheber, Dieter Schlurecke, warb er auch im Umland für den Sport. So auch in Samswegen. Damals seien die Samsweger derart motiviert worden, dass sie mit dem Gewichtheben begannen und sich heute stolz „stärkstes Dorf Deutschlands“ nennen. Zahlreiche erfolgreiche Gewichtheber hat der Verein hervorgebracht. Auf einer Festveranstaltung ehrten die Samsweger den Magdeburger später mit einem Ehrenpokal als indirekten Mitbegründer, berichtet Machus.

1983 nahm Machus als aktiver Sportler ein letztes Mal an Einzelmeisterschaften teil. Mit der Mannschaft war er noch etwas länger aktiv. Doch dann war eigentlich Schluss mit der aktiven Karriere. Bis auf 1992. Machus war zu der Zeit als Kampfrichter aktiv, hauptsächlich in der Altersklasse. Doch dann überredeten ihn Freunde zur Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft der Senioren im Bankdrücken. Ohne groß trainiert zu haben, drückte er mit 51 Jahren noch 175 Kilogramm – deutscher und europäischer Rekord. Und eigentlich auch Weltrekord. Doch in der Jury saß damals nur ein Kampfrichter mit internationaler Qualität. Zwei hätten es sein müssen zur offiziellen Anerkennung.

Ein „Mann mit Mumm“ ist er heute auch noch. Er kann von den Gewichten und dem Training nicht lassen. Im Keller seines Hauses hat er ein kleines Fitnessstudio. Fünf Mal die Woche trainiert er noch. „Das ist ein Grund dafür, dass ich mich heute noch fit fühle“, sagt er. „Die Muskulatur trainieren ist das A und O für einen gesunden Körper.“

Seine Begeisterung für das Fit-Halten gibt er auch weiter. Beim Universitätssportclub Magdeburg gibt er sieben Kurse in der Woche zum Muskelaufbautraining. Nicht mit Hunderten Kilos, sondern eher auf gymnastischer Ebene für gesetztere Magdeburger, die sich auch in Form halten möchten. Durch Corona geht das derzeit nicht. Aber Manfred Machus blickt schon weiter: „Ich denke, dass ich das noch eine Weile machen werde. Sonst fühle ich mich wie ein Rentner.“

Am 8. Februra 2021 wird er 80 Jahre alt. Die große Feier haben er und seine Frau Doris in den Sommer verschoben. Dann soll mit den vier Söhnen, der Tochter, den Enkeln und Urenkeln sowie den vielen Freunden bei schönerem Wetter und hoffentlich ohne Corona-Beschränkung gefeiert werden.