Künstleraufstand

Krisengipfel vor Magdeburger Kunstfestival

Magdeburger Akteure des Kunstfestivals kritisieren die Baumfällungen und Bauarbeiten am historischen Wasserturm.

Von Robert Richter 31.08.2017, 01:01

Magdeburg l Am Salbker Wasserturm in Magdeburg und in der örtlichen freien Kunstszene rumort es. Wenige Tage vor Eröffnung der „Mitteldeutschen Messe für zeitgenössische Kunst“ im Salbker Turmpark am Wasserturm wenden sich die Macher in ungewohnter Schärfe mit einem Brandbrief an die Öffentlichkeit. Sie werfen der Stadt Magdeburg vor, die „Kunstmitte“, so der Name der Messe, mit Bauarbeiten im Turmpark zu stören.

Auch die bereits erfolgte Fällung von 14 Bäumen und weitere anstehende Abholzungen sowie der geplante zweispurige Ausbau der Zufahrtsstraße stoßen auf deutliche Kritik. Für den 31. August 2017 wurde deshalb ein Treffen angesetzt. Eingeladen worden sind u. a. Stadträte und Verwaltung. Die öffentliche Gesprächsrunde soll am heutigen Donnerstag um 14.30 Uhr im Turmpark beginnen.

Volker Kiehn, bekannter Bildhauer aus Südost und Mitorganisator, zeigt sich vorab empört: „Die Bauarbeiten im Turmpark, die für den Oktober 2017 angekündigt waren, haben nun schon im August begonnen. Das kollidiert mit unserer Kunstmesse vom 7. bis 10. September und war so nicht verabredet.“

Die Stadt Magdeburg will hier eine Kita bauen. „Wir betonen: Wir sind nicht gegen den Bau. Wir sind nur gegen gedankenloses Vorgehen sowie die Zerstörung eines historisch gewachsenen Kleinods, das seiner Atmosphäre beraubt wird“, so Kiehn.

Zur Kunstmesse soll es am Wasserturm u.a. eine einmalige Klanginstallation zu erleben geben. Erwartet werden 67 Einzelaussteller sowie mehrere Galerien aus dem In- und Ausland. Im Vorjahr wurden rund 2000 Besucher gezählt. Die Eröffnung ist heute in einer Woche, bereits für Mittwochabend ist ein VIP-Empfang geplant.

Seit der Vorwoche laufen schon die umfangreichen Aufbauarbeiten auf dem Gelände. Die Messe wird von den Ausstellern als Verkaufsmesse genutzt, zielt damit nicht zuletzt auf kaufkräftiges Publikum. Kiehn: „Unser Ausstellungskonzept bezieht den Turmpark ein.“

Was sagt die Stadt Magdeburg zur Kritik der Künstler? Sprecherin Kerstin Kinszorra am Mittwoch auf Volksstimme-Anfrage: „Es gibt die Zusage der Projektgesellschaft, die Baumaßnahmen während Veranstaltungen des Turmparks ruhen zu lassen.“ Sämtliche Veranstaltungen seien abgesichert. Das Bauunternehmen habe jegliche Unterstützung wie das Verfüllen von Schlaglöchern auf der Zufahrt zugesagt.

Derzeit liefen vorbereitende Maßnahmen wie Arbeiten des Munitionsbergungsdienstes sowie Suchschachtungen. Über die Details sei der Turmparkverein bereits im November 2016 informiert worden. Im März seien die Pläne öffentlich vorgestellt worden.

Ob sich die Künstler damit beruhigen lassen, wird sich heute Nachmittag zeigen.